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09. März 2016

Wiesbaden: Minister im Islamunterricht

 Von Irmela Heß
Nach dem Unterricht legt Amin die Teppiche zusammen.  Foto: Michael Schick

Die Brüder-Grimm-Schule in Wiesbaden bietet seit fast drei Jahren Religion für Muslime auf Deutsch an. Kultusminister Alexander Lorz nimmt jetzt an einer Unterrichtsstunde teil.

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Hohen Besuch hatte die Kostheimer Brüder-Grimm-Schule: Kultusminister Alexander Lorz und der US-amerikanische Generalkonsul in Frankfurt, James W. Herman, nahmen gemeinsam an einer Unterrichtsstunde teil. Auf dem Stundenplan stand: Islamunterricht.

Die zweizügige Grundschule hatte schon immer viele muslimische Schüler. Als landesweit die Möglichkeit zum Islamunterricht nach Lehrplan angeboten wurde, entschied sich das Kollegium dafür: Als eine von 27 hessischen Grundschulen begannen die Kostheimer im Schuljahr 2013/14 mit dem islamischen Religionsunterricht auf Deutsch – zwei Stunden pro Woche jeweils parallel zum Unterricht in katholischer und evangelischer Religion sowie Ethik. „Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht“, zieht Schulleiterin Inge Gröhlich ein positives Fazit. „Es gab keine Konflikte oder Probleme.“ Mittlerweile vermitteln in Hessen 46 der insgesamt rund 1100 Grundschulen zirka 2000 Kindern aus muslimischen Familien deren Religion.

In Wiesbaden wird der Islamische Religionsunterricht in vier Grundschulen an drei Standorten angeboten: Neben der Brüder-Grimm-Schule sind dies die mit ihr im Verbund arbeitende Kostheimer Carlo-Mierendorff-Schule, die Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule und die Goetheschule.

Ausschlaggebend ist der Bedarf

Welche Schulen den sogenannten bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Hessen anbieten, wird in enger Abstimmung mit den Staatlichen Schulämtern und den beiden beteiligten islamischen Religionsgemeinschaften entschieden. Ausschlaggebend sind der Bedarf, das heißt die Zahl der Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens, und die Möglichkeiten vor Ort, also auch die zur Verfügung stehenden Lehrkräfte.

Prinzipiell gibt es zwei islamische Partnerorganisationen und dementsprechend zwei unterschiedliche Unterrichtsangebote: Ahmadiyya Muslim Jamaat und Ditib Hessen sunnitisch. Beide wurden und werden sukzessive von der ersten Klasse an eingeführt. Nach vier Jahren ist der Unterricht dann in allen Jahrgängen der beteiligten Grundschulen etabliert. Das heißt auch, dass es zurzeit noch keinen Islamunterricht an weiterführenden Schulen gibt. Es werden aber bereits die Kerncurricula für die Sekundarstufe I erarbeitet.

Die 56 Lehrkräfte, die in Hessen islamische Religion unterrichten, haben an einem Weiterbildungsstudium für das Fach Islamische Religion teilgenommen, einer einjährigen Ausbildung für ausgebildete Lehrkräfte muslimischen Glaubens, die seit März 2013 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen angeboten wird. Außerdem gibt es dort seit dem Wintersemester 2011/12 den Studiengang „Lehramt an Grundschulen mit dem Unterrichtsfach Islamische Religion“. Der Studiengang für das Lehramt an Sekundarstufen I (Klassen 5 bis 10) mit dem Unterrichtsfach Islamische Religion soll ab Wintersemester 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt angeboten werden.

„Nur wenige kritische Nachfragen“

In der Brüder-Grimm-Schule jedenfalls haben sie es bisher nicht bereut, den (sunnitischen) Islamunterricht eingeführt zu haben, an dem im laufenden Schuljahr 44 der rund 200 Schülerinnen und Schüler teilnehmen. „Auch die Eltern nehmen es alle sehr gut auf – und es gab und gibt nur wenige kritische Nachfragen“, sagt Gröhlich, die seit zehn Jahren die Schule leitet, und erzählt, der Besuch des Ministers und des Generalkonsuls sei für alle sehr aufregend gewesen. „Aber es war dann eine sehr entspannte Atmosphäre. Die Kinder waren sehr offen.“

In der Unterrichtsstunde beschäftigten sich die Drittklässler mit dem Umgang mit sogenannten Hadithen, also mündliche und schriftlichen Überlieferungen vom und über den Propheten Mohammed, die im muslimischen Denken und Leben eine große Rolle spielen. Sie können unterstützend beim Lösen von inneren Konflikten und Problemen eingesetzt werden.

Kultusminister Lorz fand das Thema passend: Es spiegele gut den Grundgedanken zur Einführung des Islamunterrichts wider, der das Ziel habe, die eigene Religion fundiert kennenzulernen und einen differenzierten Umgang mit ihr zu ermöglichen.

Auch Jamens W. Herman war angenehm beeindruckt: „Es ist schön zu sehen, wie wohl sich die Schüler aus vielen Nationen an der Schule fühlen und wie stolz sie auf ihre Schule sind. Interessant war der Einblick in den Islamunterricht, in dem die Schüler von einer jungen, engagierten Lehrerin den Islam kennenlernen und zu einem friedlichen Miteinander angeleitet werden.“

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