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Wiesbaden
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02. Dezember 2013

Wiesbaden: Mit Fackeln für die Windkraft

 Von Dominique Roth
Teilnehmer der Kundgebung bilden symbolisch ein Windrad mit rund 100 Fackeln.  Foto: Michael Schick

Befürworter und Gegner der Windräder treffen bei einer Kundgebung auf dem Taunuskamm aufeinander.

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Artur Kappesser reicht es. Er will die Energiewende, und zwar jetzt. Deswegen ist er am vergangenen Samstagnachmittag auch aus Ingelheim nach Wiesbaden gekommen, um an einer Kundgebung für erneuerbare Energien teilzunehmen. „Wir müssen den CO2-Ausstoß radikal verringern,“ sagt er, „sonst vernichten wir unseren Planeten.“ Mit einer Fackel in der Hand steht er zusammen mit seinen Mitstreitern am Dernschen Gelände auf einem rot-weißen Markierungsband, das in der Form eines Windrads ausgelegt ist. Von oben soll ein „menschliches Bürger-Windrad“ zu sehen sein, wie es der Veranstalter der Kundgebung, das Bündnis „Energiewende Wiesbaden-Taunus“ (EWWT) ausdrückt. Eine Drohne steigt auf und fotografiert die Szene aus der Luft.

Für diese Aktion, die eine Parallelveranstaltung zu einer Großdemonstration in Berlin ist, hat das EWWT 100 Fackeln bereitgestellt – und in etwa so viele Leute sind auch gekommen. Kein Wunder, ist das Bündnis doch ein Zusammenschluss aus elf verschiedenen Vereinen und Initiativen.

„Wir haben uns im März dieses Jahres zusammengetan,“ sagt der Sprecher des Bündnisses Klaus Wollner, „weil wir so öffentlichkeitswirksamer sind. Wie mit diesem Bürger-Windrad heute.“

Kappesser reicht diese Symbolpolitik jedoch nicht aus, in einem der Fackel-Rotoren stehend schreit er los: „Energiewende – jetzt!“ Dreimal muss Kappesser seine Forderung allein ausrufen, dann schallt das „Jetzt!“ hundertfach zurück. Wie bei einem Stadionsprecher wirkt es, der den Vornamen eines Spielers ansagt.

Besser auf Geothermie und Biomasse setzen?

Neben dem Windrad steht ein knappes Dutzend Menschen, die nicht in diesen Chor einstimmen wollen. Sie gehören zur Initiative „Rettet den Taunuskamm“ und sind gegen die Windräder, die für das Mittelgebirge im Gespräch sind. „Wir sind generell für erneuerbare Energien,“ sagt Michael Hopp aus Wiesbaden „aber das muss viel stärker durchdacht werden.“

Ob sich der Taunus überhaupt lohne für Windkraftanlagen sei ja noch gar nicht abschließend geprüft. „Und dafür verschandelt man dann ein Naherholungsgebiet für Wiesbadener und Mainzer Bürger“, kritisiert Hopp. Stattdessen solle man lieber auf Geothermie und Biomasse setzen, findet er.

Für EWWT-Sprecher Wollner sind diese Argumente nicht neu. Seiner Meinung nach braucht es aber eine Mischung aus allen erneuerbaren Energieträgern, um die Energiewende in Wiesbaden hinzubekommen. „20 003 Haushalte können mit zehn Windrädern auf dem Taunuskamm versorgt werden“, rechnet er vor. Dieser Vorteil überwiegt in seinen Augen die Nachteile, die aus den Anlagen entstehen. „Jeder muss seinen Beitrag leisten,“ bekräftigt Wollner.

Beide Seiten blicken nun gespannt auf das Bürgerforum, das im kommenden Jahr einberufen wird. „Wir werden daran teilnehmen, obwohl wir eine gewisse Skepsis gegenüber diesem Forum haben“, sagt jemand von „Rettet den Taunuskamm“. Für ihn sei das nur etwas, womit sich die Stadt die Legitimation für die Windräder holen wolle.

Wollner sieht dem Bürgerforum wohlwollender entgegen. „Wir werden hier konkrete Vorschläge machen, wie wir in Wiesbaden die Energiewende hinbekommen.“ Für ihn liegt das Problem vielmehr darin, dass das Forum nur auf ein Jahr angelegt ist. „Wir wollen stattdessen einen zeitlich unbefristeten Energiewendetisch.“

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