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Wiesbaden
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19. Januar 2016

Wiesbaden: Rassismus – ohne uns

 Von Meike Hickmann
Auch die Polizei spielte mit.  Foto: Michael Schick

Jugendliche des Stadtteilzentrums Schelmengraben drehen einen Film gegen Gewalt. Die Premiere ist am 21. Januar im Apollo-Kinocenter.

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Die Scheinwerfer strahlen so hell in Ellas Gesicht, dass sie blinzeln muss. „Ton da?“, fragt der Kameramann. Ein Mädchen mit Kopfhörern und einem Mikrofon in der Hand nickt. „Dann Kamera ab, und bitte“, ruft der Kameramann. Die Türen des Aufzugs gehen auf, zwei Polizisten und eine Frau kommen heraus. „Da ist er“, ruft die Frau und zeigt auf einen Jungen in Jogginghose und mit Baseballcap.

Viel los ist an diesem Morgen in der Geschwister-Scholl-Schule in Klarenthal. Zwar sind Ferien, doch haben sich zehn Jugendliche des Stadtteilzentrums Schelmengraben und einige Erwachsene eingefunden, um im Zuge des landesweiten Projekts „Gewalt und Rassismus – ohne uns!“ einen Film zu drehen. Die Themen: Rassismus, Mobbing, Gewalt und Intoleranz.

Das Drehbuch stammt von den Jugendlichen und basiert auf einer wahren Begebenheit. Denn das ist laut dem Erziehungswissenschaftler Christoph Ternes vom Stadtteilzentrum eines der Hauptziele des Projekts: „Die Jugendlichen sollen Alltagserfahrungen einbringen und natürlich auch reflektieren“.

Zehn Jugendliche machen bei dem Projekt mit, das die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien sowie der Thüringer Landesmedienanstalt initiiert hat. Die Tage vor Weihnachten wurde das Drehbuch geschrieben, bis zum Ende der Ferien wurde dann gedreht.

Gute Einblicke

Die Jugendlichen selbst schlüpfen auch in die Rollen der Schauspieler. Sie spielen den Konflikt, der dadurch entsteht, dass Luna sauer auf ihren Freund Antonio ist. Weshalb, verrät sie nicht. Aber ihre Freundinnen stehen zu ihr, da sie Antonio nicht sonderlich mögen. Als Luna von einem Auto angefahren wird, spitzt sich der Konflikt zu. Die Mädchen hängen Antonio den Unfall an. Die Mutter misstraut Antonio sowieso aufgrund seiner ausländischen Herkunft und ruft die Polizei, die Antonio dann zum Verhör mitnimmt.

Das Drehbuch für den Film „Mitten im Chaos“ hat Ternes seine Jugendgruppe weitgehend unverändert realisieren lassen. So entstehe ein Film, der gute Einblicke gibt in die Lebenswelt der Jugendlichen, sagt er. Und lobt das Engagement der Jugendlichen, die ihre Ferien für den Film geopfert haben. Doch das fiel den Jugendlichen gar nicht so schwer: „Ich wollte mal ausprobieren wie es ist, hinter die Kulissen zu schauen“, sagt Ella Koschkowski. „Es ist toll, in eine andere Rolle zu schlüpfen und das Thema Rassismus finde ich auch interessant“, sagt Marie Müller. Natürlich habe es auch mal Reibereien gegeben – „es nervt einfach, wenn man Herzblut in eine Szene gesteckt hat und dann lacht jemand“, sagt Ella und verdreht die Augen. Das seien meist dann die Jungs, die ohnehin etwas nervig seien, weil sie sich ja für „obercool“ hielten.

Damit alles so authentisch wie möglich ist, hat das Filmteam um Ternes heute ganz besonderen Besuch: Zwei Polizisten aus dem Polizeipräsidium Westhessen zeigen sich von ihrer besten Seite: Sie verkörpern sich selbst, Polizeibeamte. „Normalerweise spielen wir nicht in Filmen mit, aber was hier vermittelt wird, das unterstützen wir gerne“, sagt Andreas Hemmes.

Situation beruhigen

Hemmes und seine Kollegin Michaela Plock schauspielern nicht nur, sie geben den Jugendlichen auch ein paar Tipps: „Wir würden niemals in so einer Situation den Jungen fragen: ‚Stimmt es, dass du sie versucht hast umzubringen“, sagt Hemmes. „Wir würden eher versuchen die Situation zu beruhigen und ihm einfach sagen, dass er jetzt mal für ein Gespräch mitkommen soll.“ Das sei vielleicht weniger dramatisch, aber realistisch, sagt er.

Ternes ist zufrieden. Natürlich hätte er auch zwei Schauspieler in Uniformen stecken können. „Die Jugendlichen kennen die Polizei hauptsächlich aus dem Fernsehen. Ich fand es einfach gut, dass sie mal zwei echten Beamten begegnen und sie kennenlernen konnten“, sagt Ternes. Sechs Mal müssen Hemmes und Plock die Szene wiederholen, dann ist sie im Kasten.

Wie die Beamten und die Jugendlichen vor der Kamera agieren, wird am Donnerstag, 21. Januar, 12.30 Uhr, im Apollo-Kinocenter, und um 18.30 Uhr im Stadtteilzentrum gezeigt. Ein weiteres Mal soll der Film im Frühjahr auf einem Festival in Frankfurt zu sehen sein. Dort werden 19 Kurzfilme präsentiert, die im Zuge des Projekts „Gewalt und Rassismus – ohne uns!“ gedreht wurden. Einen Preis gibt es nicht. „Hauptsache, es hat Spaß gemacht“, sagt Ternes.

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