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Wiesbaden
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04. Dezember 2013

Wiesbaden Schule: Chancen im Westend

 Von Silvia Bielert
Giesela Gehlert ist eine von 24 Grundschulpaten im Westend.  Foto: Bielert

Grundschulpaten helfen in Wiesbaden Kindern, deren Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Damit das Projekt fortgeführt werden kann, hofft der Trägerverein, Fördergeld von der Stadt zu bekommen.

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Grundschulpaten helfen in Wiesbaden Kindern, deren Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Damit das Projekt fortgeführt werden kann, hofft der Trägerverein, Fördergeld von der Stadt zu bekommen.

Wiesbaden. –  

Nadja holt den Füller aus ihrer pinkfarbenen Federmappe mit den Pferden darauf. Einzahl und Mehrzahl zu üben, das ist heute die Hausaufgabe der Zweitklässlerin. Grundschulpatin Giesela Gehlert erklärt ihr noch einmal den Unterschied. Dann beugt sich Nadja über ihr Arbeitsbuch und schreibt: der Ritter, die Ritter. „Prima“, sagt Gehlert. „Ich sehe, du kannst das schon gut. Beim nächsten Wort musst du auf die Umlaute achten.“ Der Zaun, die Zäune. Während Nadja schreibt, wendet sich Giesela Gehlert Tamler zu. Der Förderschüler hat keine Hausaufgaben auf, muss aber ein bisschen Mathematik üben.

Gehlert lobt die beiden Kinder oft. Seit fast drei Jahren hilft die Rentnerin Schülern bei den Hausaufgaben und gibt ihnen Nachhilfe. Sie ist eine von 24 Grundschulpaten. Das Projekt wird von Kubis – Verein für Kultur, Bildung und Sozialmanagement getragen, der sich auch um die Stadtteilarbeit im Westend kümmert.

Doch das Westend-Projekt finanziert sich seit Auslaufen des Landesprogramms Soziale Stadt nur noch über Spenden. Im März des kommenden Jahres ist das Geld alle. Gespräche mit der Stadt gab es schon. „Wir sind zwischen allen Stühlen“, sagt Projektleiter Jörg Saathoff. „Wir sind kein klassisches Eins-zu-Eins-Patenprojekt, weil bei uns eine Gruppe Paten eine Gruppe Kinder betreut.“ Jeder Pate arbeitet also mit jedem Kind. „Für die Kinder ist das wichtig“, sagt Gehlert, die pensionierte Krankenschwester. „Denn jeder Pate bringt so neben seinem eigenen Schulwissen auch seine Lebensweisheit und seine Erfahrungen im Beruf mit ein.“

Ob die Grundschulpaten Fördergelder von der Stadt im kommenden Jahr bekommen werden, kann Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD) nicht sagen. Er verweist auf die noch laufenden Haushaltsberatungen. Doch rund 32 000 Euro werden pro Jahr benötigt, 100 Euro pro Monat für jedes der Kinder aus Familien mit ausländischer Herkunft. Dafür werden Nadja und Tamler zweimal pro Woche für eineinhalb Stunden bei den Hausaufgaben betreut – wenn sie möchten, bis zur vierten Klasse. „Wir könnten die Plätze aber auch weiter ausbauen, so groß ist die Nachfrage“, sagt Saathoff – insofern es auch mehr Paten gäbe. 30 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste. Private Nachhilfe ist teuer, viele Eltern können sich das nicht leisten.

Nachfrage von Eltern groß

Die Kinder kommen vor allem von der Riederberg- und der Blücherschule, mit denen Kubis kooperiert. Manchmal sind es Lehrer, die Schüler direkt für das Patenprojekt anmelden. Aber auch die Nachfrage von Eltern sei sehr groß, sagt Saathoff. „Für mich ist es ein Erfolg, dass nach wie vor so viele Anmeldungen bei uns eingehen.“ Tamler ist mittlerweile fertig mit seinen Übungen. Jörg Saathoff holt die Uno-Karten aus dem Schrank: Zeit zum Spielen. Auch das ist Teil der Betreuung durch die Grundschulpaten – als Ausgleich und damit die Kinder ihr Deutsch verbessern. Der Motivation und dem Deutschlernen soll auch die Leserunde dienen, die vor den Hausaufgaben stattfindet. Viele Kinder bringen mittlerweile eigene Bücher mit.

Doch es geht nicht allein darum, Kinder mit schlechten Noten zu unterstützen, „Die Grundidee lautet: Die Nachteile, die Kindern dadurch entstehen, dass ihnen ihre Eltern zu Hause nicht bei den Hausaufgaben helfen können, auszugleichen“, sagt Saathoff. Chancengleichheit herstellen. Die Gründe für die Nachteile sind vielfältig: Die Eltern, die aus der Türkei, Pakistan, Marokko, Afghanistan oder Portugal stammen, sprechen nicht so gut Deutsch oder ihnen fehlt die Bildung, die sie brauchen, um ihren Kindern in der Schule zu helfen.

Im Gegenzug binden Saathoff und sein Team die Eltern ein, laden zu Treffen oder begleiten sie zu Elternabenden, um das, was der Lehrer gesagt hat, noch einmal zu erklären. Fast 100 Kinder sind in den vergangenen sechs Jahren bei Kubis betreut worden, fast alle konnten nach der 4. Klasse auf eine Real-, Gesamtschule oder auf ein Gymnasium wechseln.

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