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Wiesbaden
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22. Februar 2015

Wiesbaden: Skaten mit dem Rollstuhl

 Von Mirjam Ulrich
Der weltbeste Wheelchair Skater David Lebuser zeigt dem achtjährigen Noel in der Skaterhalle wie es geht.  Foto: Michael Schick

Beim ersten Wheelchair Skating-Workshop in Wiesbaden verrät David Lebuser Techniken und Tricks. Der Profi gewann 2014 als erster Europäer die inoffizielle Weltmeisterschaft im WheelchairMX in den USA.

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Rasant fährt Tristan Ademes die Rampen in der Skatehalle an der Murnaustraße rauf und runter. Der 13-Jährige macht viel Sport, doch Skaten mit dem Rollstuhl ist für ihn neu: „Es ist schon eine Art Mutprobe, ob man sich traut, da herunterzufahren.“ Der Teenager aus Saulheim nimmt am ersten Wheelchair Skating-Workshop in Wiesbaden teil und lässt sich von David Lebuser Techniken und Tricks zeigen. Der Profi gewann 2014 als erster Europäer die inoffizielle Weltmeisterschaft im WheelchairMX in den USA.

Skaten biete die Möglichkeit, seine Grenzen auszutesten und allmählich zu erweitern, erläutert Lebuser. Das mache sich auch im Alltag bemerkbar, der meist nicht barrierefrei sei. „Beim Skaten lernt man auch sein Gefährt besser kennen – wann kippt es wirklich um?“ Der 28-Jährige bewegt sich seit einem Unfall im Jahr 2008 im Rollstuhl fort. Seit zwei Jahren gibt er diese Workshops.

David Lebuser hilft dem achtjährigen Noel, die steile Rampe der Funbox hochzufahren. „Mama, guck!“, ruft der Junge und saust los. Auf der Launch Ramp gegenüber macht er eine Kehrtwende, will am liebsten gleich wieder hoch auf die Funbox. Angst scheint er nicht zu kennen. „Manchmal fällt man hin, aber das gehört zum Sport dazu“, sagt er und strahlt.

Stufen allein herunterfahren

Noel habe schon einmal einen Workshop bei David Lebuser besucht, erzählt seine Mutter Marion Muhammad-Humbert. Danach traute Noel sich, Stufen allein herunterzufahren. „Das muss er trainieren, das braucht er einfach im Alltag.“ Ihr Sohn bewege sich gern und sei sportlich interessiert. „Skaten ist sehr inklusiv“, sagt David Lebuser. Ein Skateparcours eigne sich bestens, um gemeinsam zu fahren, ob mit Rollstuhl, BMX, Skateboard oder Inline-Skates. Bislang werde das Thema Inklusion noch zu sehr auf die Schule beschränkt. „Es ist aber wichtig, dass es überall geschieht, auch in der Freizeit.“

Aus diesem Grund hat der SV Rhinos Wiesbaden, der zur IFB-Stiftung gehört, auch den Workshop organisiert. „Uns ist es wichtig, inklusive Sportarten anzubieten“, sagt der Koordinator Mirko Korder. Das neue Projekt finanziert sich aus Spenden und wird außerdem von der Gertrude und Monika Strien Stiftung unterstützt.

Die Idee, Wheelchair Skating in Wiesbaden zu etablieren, stammt von Wolfgang Groh, dem geschäftsführenden Vorsitzenden der IFB-Stiftung. Die Skaterhalle Wiesbaden ließ sich für eine Zusammenarbeit gewinnen. „Das lief total unkompliziert“, sagt Korder. Keine Selbstverständlichkeit, scheiterten andernorts schon Workshops an Bedenken hinsichtlich der Sicherheit oder wurden wegen fehlender Behindertentoiletten am Skatepark vom Ordnungsamt nicht erlaubt.

Über Rampen fahren ohne zu kippen

In Wiesbaden macht hingegen der Geschäftsführer der Skaterhalle, Boris Seel, selbst beim Rollstuhlskaten mit. „Es ist anders, aber es macht mindestens genauso viel Spaß“, findet Seel. Mit dem Skateboard komme man leichter die Rampen hoch, mit dem Rollstuhl müsse man etwas umdenken. „Ich glaube, dass Skater und Biker neugierig genug sind, das auch auszuprobieren.“

In der Tat ist er nicht der einzige „Fußgänger“ unter den insgesamt 15 Workshop-Teilnehmern. Auch einige Skater, Familienangehörige und fünf Trainer fahren mit. Künftig soll es einmal im Monat Wheelchair Skating-Workshops in der Skaterhalle geben. Gut möglich, dass dann auch wieder Tristan Ademes dabei sein wird. „Ich habe heute gelernt, wie ich über Rampen fahre, ohne zu kippen“, sagt er. Außerdem mache es Spaß, Kombinationen auszuprobieren.

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