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Wiesbaden
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Wiesbaden

12. April 2015

Wiesbaden: Von Wiesbaden aus um die Welt

 Von Hannah Weiner
Inklusion durch Sport: Sven Gerich überreicht die Fackel an die Laufteilnehmer Stephan Vokuhl und Stan Albers (links).  Foto: Michael Schick

Der „Fackellauf für Inklusion“ ist am Samstag auf dem Schlossplatz gestartet. Das Ziel: Inklusion langfristig in der Gesellschaft verankern und sichtbar machen sowie Menschen, die sich mit dem Thema Teilhabe beschäftigen, vernetzen.

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Immer wieder erlischt das Feuer der silbernen Fackel. Der Wind, der am Samstag durch Wiesbaden und Mainz weht, hat kein Erbarmen mit symbolischen Aktionen. Alexandra Cremer und ihre Mitstreiter vom Netzwerk Inklusion Deutschland müssen es im Minutentakt neu entzünden. Doch irgendwie passt das ja, findet der Mainzer Sozialdezernent Kurt Merkator, denn „die Inklusionsfackel wird immer mal wieder ausgehen.“

Doch davon lassen sich die rund 30 behinderten und nichtbehinderten Sportler, die die erste Etappe des „Fackellaufs für Inklusion“ bestreiten, gar nicht beirren. Ihr Ziel: Inklusion langfristig in der Gesellschaft zu verankern und sichtbar zu machen sowie Menschen, die sich mit dem Thema Teilhabe beschäftigen, zu vernetzen.

Deswegen haben sie in Wiesbaden auf dem Schlossplatz ein Licht angezündet, das nun durch alle Landeshauptstädte nach Berlin und schließlich um die ganze Welt getragen werden soll.

„Es wäre schön, wenn Deutschland so etwas inklusiver werden würde“, sagt Alexandra Cremer, die Initiatorin des Laufs. Mit dabei ist ihre zehnjährige Tochter Janika, die im Rollstuhl sitzt. „Trotzdem“, betont Vater Frank, „macht sie in der Schule bei jedem Sport mit, sogar beim Ballett.“

Miteinander ist das Entscheidende

Wie wichtig die Leibesertüchtigung für Inklusion ist, weiß auch der Wiesbadener Behindertensportbeauftragte Lothar Herborn: „Das Miteinander ist das Entscheidende.“ Die hessische Landeshauptstadt habe inzwischen Vorbildfunktion. Denn vom Rollstuhlbasketball bis zum japanischen Bogenschießen – 18 unterschiedliche Sportarten können hier auch von Behinderten betrieben werden.

„Sport ist der Kitt“, fügt Rainer Braehler, der die erste Etappe des Laufs organisiert hat, hinzu. „Da ist man ein Team und es spielt keine Rolle, ob einer behindert ist.“ Das beste Beispiel dafür ist Stephan Vokuhl. Der 46-Jährige Wiesbadener ist Spastiker und wird in einem Rennrollstuhl von seinem Arbeitskollegen Stan Albers geschoben. Gemeinsam wollen sie in diesem Jahr bei verschiedenen Laufprojekten mitmachen (die FR berichtete).

Als erstem Träger wird Vokuhl die Fackel von Oberbürgermeister Sven Gerich auf dem Schlossplatz überreicht. Der Medienrummel ist den zwei Sportlern dabei fast ein wenig zu viel. „Wir sind echt von den Socken, was hier los ist“, sagt Albers. Doch durch die Öffentlichkeit könne nun jeder sehen, dass es möglich ist: gelebte Inklusion durch Sport.

Per Boot nach Mainz

Vom Wiesbadener Rathaus rollen und rennen die Läufer anschließend mit der Fackel nach Biebrich. Dort wartet die Wasserschutzpolizei mit einem barrierefreien Rettungsboot der Johanniter. Gemeinsam setzten sie über auf die Mainzer Seite, Etappe zwei der inklusiven Deutschlandreise.

In Rheinland-Pfalz angekommen trägt der zwölfjährige Tivon die Fackel ans Ufer und streckt sie stolz in die Höhe. „Huhu“, ruft Elke Gromann aus Wiesbaden begeistert, klatscht und winkt. Auch sie mag Sport, erzählt sie, besonders Turnen und Schwimmen. „Ich finde das toll hier “, freut sich auch Valentina Steglitz, die bei der Lebenshilfe in Schierstein wohnt.

Vom Rheinufer geht es im Schritttempo weiter in die Innenstadt zum Aktionstag für Inklusion auf dem Gutenbergplatz. Begleitet werden die Läufer, die sich beieinander eingehakt, Hand in Hand oder tanzend durch die Stadt bewegen, von lauter Trommelmusik.

Maximale Aufmerksamkeit ist so natürlich garantiert: Menschen kommen an die Fenster und klatschen, Autos hupen. Und das ist nur der Anfang. Am 11. Juli wird die Fackel in Berlin an das Team „Inklusion braucht Aktion“ übergeben, das damit nach Rom zu einer Audienz beim Papst reist. 2016 geht es dann von Sibirien zu den Paralympischen Spielen in Rio und bis 2018 mit dem Globetrotter Sven Marx um die Welt.

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