kalaydo.de Anzeigen

Wiesbaden: Zehn Jahre Haft für Türsteher

Weil er einen US-Soldaten mit dem Messer angegriffen und schwer verletzt hat, muss ein Wiesbadener Türsteher in Haft. Das Gericht wertet die Tat als versuchten Mord. Von Michael Grabenströer

Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.
Foto: ddp

Das Urteil, das Richter Rolf Vogel am Mittwoch im Landgericht verkündete, fiel deutlich aus: Zehn Jahre Haft wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Da schlagen selbst harte Männer, wie der muskelbepackte kompakte Türsteher Afrim S. die Hände über dem kahlgeschorenen Kopf zusammen. Verzweiflung? Eine Spur von Reue? Dazu noch ein paar Tränen, die so gar nicht zum Macho-Bild des ehemaligen Türwächters des Café Flair in Wiesbaden passen wollen.

Es war im Oktober vergangenen Jahres. Zwei "deutlich angetrunkene", wie das Gericht festhielt, US-Soldaten wollten auf dem Heimweg am frühen Morgen noch Station im Flair machen. Der Chef wies sie wegen der fortgeschrittenen Stunde und der bevorstehenden Schließung ab. Die Amerikaner diskutierten ein wenig laut, ob das nicht auch Folge ihrer dunklen Hautfarbe sein könnte.

Stiche in Rippe und Bauch

Da stand Afrim noch in einer Gruppe von Rauchern - nicht als Türsteher erkennbar. "Die Amerikaner schimpften so vor sich hin", meinte das Gericht in seinem Urteil. Afrim S, damals 45 Jahre alt, trat hinzu und stach, unmotiviert, wie es schien, auf einen Amerikaner mit seinem Butterfly-Messer ein. Erst in den Oberkörper. Dort prallte der Stich an einer Rippe ab. Dann ein Stich in den Bauch. Der verletzte Darm und Bauschlagader. Der US-Soldat verlor sehr viel Blut und musste stundenlang notoperiert werden. "Es war ein Glücksfall, dass er überlebt hat", stellte Rolf Vogel fest. Der Angeklagte habe gewusst, was solche Stiche mit dem verbotenen Butterfly-Messer bewirken. Er habe heimtückisch gehandelt. Schon einmal hatte er das Messer eingesetzt - gegen seine damalige Lebensgefährtin - und hatte eine Bewährungsstrafe erhalten.

Als strafmildernd wollte das Gericht Kokainkonsum und Alkoholgenuss nicht gelten lassen. An Kokain ist der Türsteher seit 14 Jahren gewöhnt. Deshalb ordnete das Gericht auch eine Entziehung an. Ohne erfolgreiche Therapie keine vorzeitige Entlassung, lautete ein Kernsatz des Urteils.

Der Prozess erinnerte an das Verfahren gegen Afrims Bruder Eshref. Er hatte einen Amerikaner in einer Disko erschossen. Während der Verhandlung 1997 floh er aus dem Gericht.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  26 | 5 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Regionale Startseite

Nachrichten aus der Region

Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 
Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Meistgeklickt
Dafür hat sie gelebt: Whitney Houston bei den American Musik Award 2009.
Pop-Ikone in Beverly Hills gestorben 
BKA-Gebäude (Archivbild),
Zwickauer Neonazi-Trio 
Die Internetgemeinde ist zornig - denn hinter dem Urheberrechtsabkommen ACTA - das offiziell gegen Piraterie helfen soll - vermuten sie einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und Zensur.
Protest gegen Urheberrechtsabkommen ACTA 
        

Darf er mal ran? Friend im Zwiegespräch mit Trainer Veh.
Abschlusstraining der Eintracht