Eine Stadt, die etwas auf sich hält, hat ihre Passagen - Durchgänge, zwischen viel belaufenen Fußgängerbereichen, eine Zusammenballung von Geschäften und Gastronomie, die aus den Durcheilenden Kunden macht. Beispiele in Wiesbaden gibt es an der Wilhelmstraße, an der Schwalbacher oder durch ein Kaufhaus zur Friedrichstraße. Bis auf die Durchgänge zur Wilhelmstraße sind die Passagen jedoch noch entwicklungs- und ausbaufähig. Mit dem Charme der Sechziger und der Post als Magnet in der zweiten Etage zieht lediglich die City-Passage Passanten an.
Ausgerechnet die Archäologen, die nach Verschüttetem buddeln und unter der City-Passage gern ein römisches Verwaltungszentrum von vor bald 2000 Jahren ausgraben würden, stellten nun fest, dass sich dort rein gar nichts mehr in Richtung Neubau tut.
Bei Hugo Wagner, für Verwaltung und Technik in der City-Passage zuständig, die einem Investor aus Irland gehört, lautet das gleich, klingt aber anders: "Voll belegt", sagt Wagner über seine Passage. "Und hinter jedem Mieter, der geht, stehen schon zwei andere, die kommen wollen". Allerdings, sagt Wagner, "Baulich wird sich hier nichts tun. Wir machen Verschönerungsarbeiten, Kosmetik, und renovieren die Decke. Mehr nicht". Die großen Umbau- und Ausbaupläne des vergangenen Jahres gehörten der Vergangenheit an.
"War ja nichts anderes zu erwarten", kommentiert Kai-Christofer Burghard, SPD-Ratsherr, der für seine Partei die Stadtentwicklung beobachtet. Schon im vergangenen Jahr deuteten sich Verzögerungen beim Umbau an. "Alles planmäßig" , habe damals Planungsdezernent Joachim Pös (FDP) entgegnet.
Ein Hauch von Verfall
Aber nichts läuft planmäßig. Das lässt sich in der Mauritiuspassage ablesen - nach bald einem halben Jahrzehnt Leerstand. Von Reanimierung keine Spur, stattdessen ein Hauch von Verfall. "Perspektiven, Zeitpläne, Zwischenlösungen" - für Burghard sind das die Schlagworte, an denen sich die Entwicklung orientieren muss.
"Die Passagen in Wiesbaden kannst du vergessen", meint eine potentielle Kundin aus dem Umland. Sie eignen sich höchstens zum Vorbeigehen. Dabei kommt den Passagen durchaus eine Schlüsselfunktion zu, meint Kai-Christofer Burghard. Das gelte, sagte er, sowohl für die City-Passage als auch für die Mauritius-Passage, die die ganze Stadtzeile zwischen Langgasse und Schwalbacher Straße beleben könnten.
Wenn, ja wenn es den Branchenmix gäbe, der Menschen in diese Ecke von Wiesbaden führt. Projektentwickler und Immobilien-Anleger sind bislang gescheitert. Wohl auch, weil ihre Renditeerwartungen zu hoch waren. Probleme wie in Wiesbaden kennen aber auch andere Passagen, die einmal als Einkaufsparadiese gepriesen wurden, quer Republik sogar hoch bis Lübeck.
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