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17. Januar 2013

Wildschweine Wiesbaden: Tierische Zustände

 Von Bastian Beege
Bitte nicht nähertreten. Foto: dpa

Wildschweine dringen immer weiter in die Innenstadt Wiesbadens vor. Auf der Suche nach Nahrung verwüsten sie Gärten. Die Stadt macht Jagd auf die Tiere, ohne Erfolg.

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Wiesbaden steht vor einer Invasion. Der Feind hält sich in den Wäldern rund um die hessische Landeshauptstadt verschanzt, dringt im Schutz der Dunkelheit in bewohnte Gebiete vor – und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. „Von 32 Gärten sind jüngst 28 völlig zerstört worden“, beschwert sich Margit Schroll, die Vorsitzende der Kleingartenkolonie Weinreb im Aukammtal.

Dabei scheinen die Täter keine Rücksicht auf zivile Opfer zu nehmen: „Einmal hörte ich einen Schrei aus dem Garten des Nachbarn“, so Schroll. „Wenn der nicht in die Büsche gesprungen wäre, wäre er von der Horde Angreifer umgerannt worden.“ Die Stadt müsse endlich etwas für die Sicherheit der Menschen tun, „denn hier herrschen tierische Zustände“.

Invasion der Wildschweine

In der Tat: Die Wildschweine dringen immer weiter vor ins Herz der hessischen Landeshauptstadt: Unvergessen bleibt die Attacke auf den Kurpark während des dort stattfindenden 25-Stunden-Laufs. Ganze Heerscharen von Polizisten konnten die borstigen Angreifer nicht aufhalten. Athlet Sven Hummel erinnert sich: „Abends um 10 Uhr lief mir plötzlich eine Gruppe Wildschweine entgegen. Die Zuschauer sind in Panik weggerannt.“ Angeblich soll ein Frischling kurz darauf sogar auf dem Krantzplatz gesichtet worden sein.

Wie viele Wildschweine an der Invasion beteiligt sind, weiß niemand so genau. Nur dass es immer mehr werden, so viel steht fest: „Hierfür gibt es viele Gründe“, berichtet Georg Heimen-Geerling von der Revierförsterei Dambachtal. „Die Bestände nehmen seit Jahren aufgrund des besseren Nahrungsmittelangebots zu.“ Allerdings hätten im vergangenen Jahr die Eichen und Buchen weniger Früchte abgeworfen. „Das trägt dazu bei, dass die Schweine um diese Jahreszeit verstärkt in der Stadt nach Nahrung suchen.“ Seiner Ansicht nach sind die Tiere außerdem nicht dumm: „Die haben bemerkt, dass in der Stadt wenig gejagt wird. Wildschweine und Füchse erobern die Städte – das ist ja ein altbekanntes Problem.“

Erfolglose Jagd

Die Stadt Wiesbaden holt zum Gegenschlag aus, um den Vormarsch der tierischen Feinde zu stoppen: „Bereits seit vergangenem September sind wir verstärkt in der Stadt unterwegs, um die Wildschweine zu jagen“, berichtet Ordnungsamt-Vizechef Hans-Peter Erkel. Um der angespannten Lage im Aukammtal Rechnung zu tragen, wurde dort jüngst ein zweiter Hochsitz errichtet. Auch in Sonnenberg liegen die städtischen Jäger morgens sowie in den Abendstunden auf der Lauer.

Die Erfolgsbilanz fällt derweil dürftig aus: „Ein einziges Wildschwein haben wir bislang erlegt“, zieht Erkel Bilanz. Schuld daran ist die Angriffstaktik der Tiere, verschanzen die sich doch hinter menschlichen und von Menschen gemachten Schutzschilden. „Wie haben die Tiere mehrfach beobachtet, konnten aber nicht schießen, da Wohnsiedlungen und Menschen in unmittelbarer Nähe waren.“ Eine Lösung sieht das Ordnungsamt derzeit nicht: „Wir können die Tiere nicht vertreiben, der Futtermangel im Wald führt sie immer wieder zurück.“

Ruhig bleiben

Er fordert vor allem die betroffenen Gartenbesitzer auf, Schäden sofort beim Ordnungsamt zu melden. Dann könne über konkrete Maßnahmen nachgedacht werden. Darüber hinaus erfolge die Jagd vor allem in den Wäldern: Dort meldeten Wiesbadens Jäger in der Jagdsaison 2010 / 2011 insgesamt 650 Abschüsse, für das abgelaufene Jahr 2012 stehen die Zahlen noch aus.

Förster Georg Heimen-Geerling ruft betroffene Bürger derweil zur Ruhe auf: „Wir müssen mit der Situation leben, die Wildschweine sind schließlich Teil unserer Natur.“ Man könnte es auch so formulieren: Bei Überlegenheit des Angreifers ist ein Waffenstillstand mitunter die vernünftigste Alternative.

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