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14. April 2014

Windkraft-Anlagen auf dem Taunuskamm: Zweifel an Artenschutz-Gutachter

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So sieht es aus, wenn man die Windmasten von Dortelweil mit dem Taunuskamm über Bad Homburg kombiniert. (Montage)  Foto: Alex Kraus

Der Verein „Rettet den Taunuskamm“ erhebt Vorwürfe gegen den Artenschutz-Gutachter für die geplanten Windkraft-Anlagen auf dem Taunuskamm. Mitglieder der Initiative fanden Nachweise für die Voreingenommenheit des Prüfers im Internet.

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Der Verein „Rettet den Taunuskamm“ hat in einem Schreiben schwere Vorwürfe gegen Günter Ratzbor erhoben. Der Ingenieur ist Mitverfasser des von der Eswe in Auftrag gegebenen Artenschutz-Gutachtens, das den geplanten Windkraft-Anlagen auf dem Taunuskamm die Unbedenklichkeit bescheinigt.

Der Verein beruft sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gera aus 2010, das Ratzbor einen Mangel an sachkundiger Kompetenz unterstelle. „Er verfüge von seiner Ausbildung her nicht über biologische und spezifisch ornithologische Kenntnisse“, zitiert der Verein. Das Verwaltungsgericht Gera rate dazu, seine Fachlichkeit „mit Vorsicht zu bewerten“, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung.

"Enge Verknüpfung"

Als Beleg für Ratzbors Voreingenommenheit verweist der Verein auf die Neuauflage des Projektes „Windkraft im Visier“ des Deutschen Naturschutzringes (DNR), dessen Leiter Ratzbor sei. Auf der Homepage des Projektes findet sich unter dem Reiter „Warum diese Kampagne?“ eine Beschreibung der Ziele. Unter anderem ist dort folgender Punkt gelistet: „Zweitens will die Kampagne die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung bei den Entscheidungsträgern positiv beeinflussen, um so die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Windkraft auch in Zukunft einen wachsenden Anteil zur Energieerzeugung beitragen kann.“

Laut Vereins-Pressesprecher Wolfgang Zillich haben Recherchen der Vereinsmitglieder diese Zusammenhänge ans Licht gebracht. Mehr als das. Die Rechercheure stießen auf öffentlich zugängliche Folien eines Vortrags, den Ratzbor offensichtlich beim Windbranchentag Hessen im Jahr 2013 hielt. Zillich zitiert Razbor hierbei mit der These „Das Vorkommen von Reproduktionsgemeinschaften geschützter Arten ist kein Raumanspruch an sich und viel zu variabel, um in einem Verwaltungsverfahren sachgerecht berücksichtigt zu werden.“ Sprich: Aus dem bloßen Vorkommen einer geschützten Art in einem bestimmten Gebiet leite sich nicht der Anspruch ab, dass diese Art auch an diesem Ort zu schützen ist.

„Da sollte jeder Naturschützer hellhörig werden“, so Zillich. „Bemerkenswert ist auch, dass seine Vorträge auf den Webseiten der Firma AboWind zu finden sind, was ebenfalls auf eine allzu enge Verknüpfung mit der Windenergiebranche schließen lässt.“

Gefälligkeitsgutachten

Angesichts dieser Rechercheergebnisse „liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem vorliegenden Gutachten um ein Gefälligkeitsgutachten handelt“, so Zillich. Ein Gutachter solle schließlich neutral sein – Ratzbor sei es offensichtlich nicht.

Das sieht die Eswe Versorgung nicht so. Sein bisheriger Werdegang gebe keinen Anlass, an seiner Integrität zu zweifeln, sagt Frank Rolle, Pressesprecher der Eswe Versorgung. Die bisher von Zillich und seinen Vereinskollegen zusammengetragenen Informationen seien zu dünn, um ein abschließendes Urteil zu bilden. „Wir haben über unsere Rechtshilfeabteilung das Urteil im Original-Wortlaut angefordert“, so Rolle.

Abgesehen davon bestehe das mit der Studie beauftragte Büro aus Fachleuten verschiedener Disziplinen, die für die Erstellung der Gutachten erforderlich sind. „Die Gutachten sind also eine Teamarbeit und nicht die Arbeit einer einzelnen Person“, betont Rolle. Allein der Gutachtenteil Artenschutz umfasse 232 Seiten. „Konzept und Methodik wurden im Vorfeld mit der Oberen Naturschutzbehörde, RP Darmstadt, abgestimmt. Es gab keine Beanstandungen. “ Ratzbor war gestern weder für die FR, noch für die Eswe zu sprechen.

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