kalaydo.de Anzeigen

Wirtschaftskriminalität in Wiesbaden: Firmen vernachlässigen die Prävention

Die Wirtschaftskriminalität floriert: Allein in Wiesbaden haben die Staatsanwälte im vergangenen Jahr 865 neue Verfahren gestartet.

Die Wirtschaftskriminalität floriert - und macht auch nicht vor den Toren der hessischen Landeshauptstadt halt. Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft hat deshalb alle Hände voll zu tun. "Im vergangenen Jahr gingen bei uns 865 neue Wirtschaftsstrafsachen ein, darunter allein 466 wegen Verstößen gegen das Urhebergesetz", erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hartmut Ferse. Insolvenzbetrug, Urkundenfälschung, Steuerhinterziehung, Korruption, Produktpiraterie oder Spionage - die Palette der Straftaten ist breit.

"Es ist dabei oftmals extrem schwierig, die illegalen Vorgänge nachzuweisen", weiß Ferse. "Wirtschaftsvorgänge und Geschäftsbeziehungen sind so komplex, dass unsere Arbeit manchmal wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen ist." Viele Fälle kommen somit gar nicht erst vor Gericht an, Verurteilungen sind noch seltener. Dazu kommt ein Kapazitätsproblem: Die Wiesbadener Staatsanwalt hat keine eigene Buchprüfungsabteilung, ein entsprechender Bereich im Landeskriminalamt wurde inzwischen aufgelöst. "Zum Glück ist bei uns die Kooperation mit Polizei und Steuerfahndung dennoch sehr gut", so Ferse.

Doch manchmal ist die Staatsanwaltschaft trotzdem auf externe Hilfe angewiesen. "Dieses Jahr haben wir schon ein Prüfungsunternehmen mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt", so Ferse. Allgemein hänge die Kooperation zwischen Staatsanwaltschaft und privaten Unternehmen in jeder Stadt davon ab, wie gut die Strafverfolgungsbehörden vor Ort selbst zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ausgestattet seien.

Laut der aktuellen Studie einer führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sind in Deutschland 60 Prozent der Großunternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen. Im Durchschnitt verursachte jedes aufgedeckte Delikt einen Schaden von 4,3 Millionen Euro.

Angesichts der Finanzkrise prognostiziert die Studie eine weitere Zuspitzung der Lage. Als Grund wird vor allem die Unsicherheit der Mitarbeiter angeführt: Aus Furcht um den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes steige die Bereitschaft zu kriminellen Handlungen.

"Auch in unserer Region klagen die Unternehmen seit geraumer Zeit über die Folgen von Wirtschaftskriminalität", bestätigt Melanie Wilhelm von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Wiesbaden. Dennoch würde nicht verstärkt in erfolgversprechende Präventions- und Kontrollmaßnahmen investiert. "In der Krise wird eben überall gespart - leider oftmals am falschen Ende." Denn weil der Erfolg solcher Präventionsmaßnahmen schlecht messbar ist, würden diese von den Firmen leicht vernachlässigt. Ein Fehler, weiß Wilhelm: "Denn irgendwann kommt dann das böse Erwachen." (babe)

Datum:  28 | 10 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Regionale Startseite

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial

Die heiße Phase: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 
Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

 

 

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Meistgeklickt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Schimmel kann in Wohnungen durch Kondenswasser an Fenstern und Wänden entstehen.
Schimmel in der Wohnung  
IG BCE-Kundgebung im Industriepark Höchst, in Frankfurt (M).
4,5 Prozent mehr Lohn für Chemie-Beschäftigte 
Die Politik entscheidet am Freitag über die Organspende-Reform. Doch wissen wir wirklich, wann ein Mensch definitiv tot ist?
Interview Organspende-Regelung