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12. Dezember 2012

Wort des Jahres: Herrin über die Sprache

 Von Jana Kinne
Andrea-Eva Ewels hat es mit in der Hand: das Wort, das das Jahr 2012 prägte. Foto: Andreas Arnold

Am Freitag wird in Wiesbaden das Wort des Jahres 2012 gewählt. Andrea-Eva Ewels, Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache, ist eine der Expertinnen, die über die Wahl entscheiden. 2150 Vorschläge liegen bisher vor.

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Am Freitag wird in Wiesbaden das Wort des Jahres 2012 gewählt. Andrea-Eva Ewels, Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache, ist eine der Expertinnen, die über die Wahl entscheiden. 2150 Vorschläge liegen bisher vor.

Andrea-Eva Ewels sitzt in ihrem Büro in der Spiegelgasse und blickt auf die russische Kapelle, deren goldene Kuppeln im Sonnenlicht leuchten. Doch für die Schönheit Wiesbadens hat die Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in diesen Stunden keine Zeit.

Viel Arbeit steht an, bevor am Donnerstagabend in einer geheimen Sitzung das Wort des Jahres gekürt wird. Am Freitagmorgen wird Andrea-Eva Ewels es bei einer Pressekonferenz im Wiesbadener Rathaus verkünden.

„Ich bin schon sehr aufgeregt“, sagt Ewels, die die GfdS seit zwei Jahren leitet. Zuvor war die promovierte Germanistin Dozentin an der Universität Mainz und arbeitete bei ZDF Heute.

In dem Büro der GfdS, in dem Andrea-Eva Ewels nun arbeitet, stapeln sich Wörterbücher und Lexika bis zur Decke. Eine Liste mit 130 Worten hat sie vor sich. Es sind diejenigen, die es aus 2150 Vorschlägen bisher in die Vorauswahl zum Wort des Jahres 2012 geschafft haben. Und immer noch wird gesammelt.

Formalen und inhaltlichen Kriterien soll das Wort, das Freitag Schlagzeilen machen wird, genügen: „Es muss die gesellschaftliche Diskussion des vergangenen Jahres geprägt haben und es muss etwas Neues darstellen“, erklärt Ewels die Kriterien.

2011 erfüllte „Stresstest“ diese Anforderungen, 2010 wurde „Wutbürger“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache ernannt.

„Wutbürger war damals vielen noch kein Begriff, heute ist das Wort in aller Munde“, sagt Ewels. Sie glaubt daran, dass Wörter durch die Wahl der Gesellschaft eine regelrechte Karriere machen können.

Zähes Ringen der Experten

Ob das auch in diesem Jahr so sein wird, ist ungewiss. Am Donnerstagabend diskutiert die Geschäftsführerin mit dem Vorstand der Gesellschaft, der zum Großteil aus Germanistikprofessoren besteht, und mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern die eingereichten Vorschläge. „Sechs bis sieben Stunden kann das schon dauern“, sagt Ewels. Und oftmals sei es ein zähes Ringen.

Die Wulff-Affäre, die Eurokrise, die Schlecker-Pleite, Griechenland – „das alles sind Themenbereiche, aus denen das Wort in diesem Jahr stammen könnte“, verrät Ewels.
Täglich erreichen die Zentrale der Gesellschaft in Wiesbaden Vorschläge von deutschsprachigen Menschen aus aller Welt. Die Mitglieder der GfdS schicken Worte, Schulklassen reichen Vorschläge ein und die Mitarbeiter der Gesellschaft selbst durchforsten seit Beginn des Jahres die Medien nach den interessantesten Worten, Wortkonstruktionen oder Kombinationen.

„Das Wort des Jahres ist eines der medienwirksamsten Dinge, die wir tun“, sagt Ewels. Doch längst sei es nicht die alleinige Aufgabe der Gesellschaft. Rund 175 Vorträge im Jahr werden von der GfdS organisiert, die Gesellschaft vergibt Preise für Verdienste um die deutsche Sprache. Es gibt eine telefonische Sprachberatung. Und in zwei Redaktionsstäben in Berlin versuchen Mitarbeiter die Rechtssprache verständlicher zu machen und beraten Abgeordnete.

Ein Kind namens Pfefferminza

Auch Eltern können sich mit ihrem Namenswunsch an Ewels und ihre Kollegen wenden, die Empfehlungen zur Genehmigung eines Namens ans Standesamt abgeben. „Wir verhindern, dass ein Kind Coca Cola, Zicke oder Pfefferminza genannt wird“, sagt Andrea-Eva Ewels und lacht.

Auch darum, dass alle Menschen Informationen verstehen können, will sich die GfdS in Zukunft bemühen. „Wir planen ein Projekt zur leichten Sprache“, erklärt Ewels. Dabei gehe es zum Beispiel darum, eine Internetseite des Bundestages anzubieten, in der die Arbeit des Parlaments in einfacher und verständlicher Weise erklärt werde, sagt Ewels.

Ob das Wort des Jahres 2012 von allen verstanden wird, bleibt abzuwarten. Zumindest Diskussionen darüber dürfte es wie in jedem Jahr geben, wenn die Herren der Sprache entscheiden.

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