Der Tipp kam von der Kassiererin im Supermarkt: Da komme jede Woche eine 80-Jährige, die immer nur Äpfel und Kartoffeln einkaufe. Mehr sei nicht drin. Ein Fall für Jutta Pauli von der Aktion Silberstreifen des Wiesbadener Frauenclubs Zonta. Seit einem Jahr hilft die Initiative armen Menschen ab 60 Jahren, "die zu bescheiden sind, um zu bitten".
Silberstreifen erfüllt den Senioren Wünsche, die sie sich von der Sozialhilfe nicht leisten können. Etwa einen Blumenstrauß fürs Wohnzimmer. Oder eine Theaterkarte. Oder ein Zuschuss zum Computerkurs. Einer Seniorin hat die Initiative auch schon mal ein neues Bett bezahlt, einen Teppich oder Kühlschrank. Die bedachten Frauen hätten monatlich weniger als 200 Euro zum Leben übrig: "Sie wohnen in Haushalten, die an Tristesse nicht zu überbieten sind." Es drohe Vereinsamung.
Die finanzielle Hilfe der privaten Initiative ersetze keineswegs staatliche Leistungen, sagte gestern Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD). Ein neuer Kühlschrank könne etwa auch ein Fall für die Sozialhilfe sein, allerdings müsse das Geld "angespart" werden. "Da müssten die Frauen so alt wie Jopie Heesters werden, bis das gelingt", sagt Pauli. Silberstreifen helfe schnell und unbürokratisch - aber nur da, wo die Sozialhilfe nicht greife. Als "ein Geschenk am rechten Ort", sei die Hilfe gedacht, sagt Pauli, die eng mit dem Sozialamt und der städtischen Altenarbeit kooperiert.
Seit Herbst 2008 hat Silberstreifen 136 Hilfsanträge armer Alter bewilligt und rund 24 000 Euro Spenden weitergegeben. Zivildienstleistende, Mitarbeiter der häuslichen Hilfen von Caritas oder Diakonie oder eben die Supermarktkassiererin sind es, die Zonta-Präsidentin Pauli auf die oft aus Scham verheimlichte Not aufmerksam machen.
Die armen Alten - zumeist Frauen - denen Silberstreifen hilft, seien zumeist erst im Rentenalter in die finanzielle Misere geraten. Etwa weil sie selbstständig tätig waren und nicht ausreichend vorgesorgt hätten, so Pauli.
Laut Goßmann sind zurzeit 4200 Wiesbadener im Rentenalter auf staatliche Hilfe angewiesen. Das seien vier Prozent aller in der Stadt gemeldeten Rentner. Initiativen wie Silberstreifen seien besonders mit Blick in die Zukunft wichtig. Denn die Altersarmut werde angesichts heutiger Berufsbiografien stark ansteigen.
Zonta Wiesbaden gehört zum Frauennetzwerk Zonta international, das sich weltweit für die Verbesserung der Stellung der Frauen in rechtlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht einsetzt. (sab)
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