In der Sache freilich blieb Philip Crowley bei seiner Einschätzung. Er übernehme die volle Verantwortung für seine Äußerungen, die vorige Woche in Cambridge bei einem Forum über neue Medien und Diplomatie gefallen waren, so Crowley.
Ziel sei es gewesen, die „breitere und sogar strategische Wirkung“ alltäglicher Aktionen der Sicherheitsbehörden auf das globale Ansehen der USA deutlich zu machen. Im Klartext: Wenn der Ex-Soldat Manning in Militärhaft nackt schlafen und vor seinen Wärtern unbekleidet strammstehen muss, sich im Internet eine wachsende Protestgemeinde bildet und von Folter die Rede ist, gibt das Amerikas Kritikern nach Ansicht von Crowley unnötig Munition.
Anwalt, Familie und zuletzt Manning selbst (FR vom 11.3.) in einem Zeitungsbeitrag hatten sich wiederholt über die Haftbedingungen des 25-Jährigen beklagt, der seit acht Monaten auf der Militärbasis Quantico nahe Washington in Einzelhaft sitzt. Manning soll der Internetplattform Wikileaks unzählige Dokumente und Datensätze aus dem Pentagon und Außenministerium zugespielt haben. Das Verteidigungsministerium hatte den Entzug von Kleidungsstücken sowie andere Maßnahmen mit einer angeblichen Suizidgefahr begründet.
Nach der Kritik von Crowley gefragt, hatte am Freitag auch Präsident Barack Obama erklärt, das Pentagon habe ihm versichert, die Behandlung des Gefangenen sei „angemessen“ und habe auch mit dessen eigenem Schutz zu tun. Spätestens nach dieser Äußerung wurde in Washington Crowleys Entlassung erwartet. Dem kam der frühere Luftwaffenoffizier und Ex-Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats nun zuvor.
Das Wiener Abkommen regelt die diplomatischen Beziehungen, die der jüngste WikiLeaks-Coup durcheinander gewirbelt hat.