kalaydo.de Anzeigen

Wikileaks: Julian Assange lobt die Deutschen

Für die Zeitung Le Monde ist der Wikileaks-Gründer Julian Assange der "Mann des Jahres". In einem Interview kündigt er Geehrte viele weitere Enthüllungen an.

Julian Assange
Seltenes Bild: Julian Assange, lachend.
Foto: Reuters

Hohe Ehren für Wikileaks-Gründer Julian Assange: Die Zeitung «Le Monde» kürt ihn zum «Mann des Jahres», das Magazin «Paris Match» veröffentlicht ein vierseitiges Interview, in dem Assange neue Enthüllungen andeutet: «Wir haben erst ein Fünfzigstel unserer Mission erfüllt».

Besonderes Lob fand Assange in dem Interview mit «Paris Match» für die Deutschen. Mit Blick auf die teilweise herbe Kritik gegen ihn in Frankreich, meinte der 39-jährige Australier: «Die Deutschen haben wegen ihrer Vergangenheit eine ganz andere, nuanciertere Art darauf zu antworten. Deren Antwort lautet: 'Für eine transparente Regierung, gegen transparente Bürger!'»

Assange lebt derzeit unter strengen Auflagen in Großbritannien. Er kam dort gegen Kaution aus der Haft. Assange richtete scharfe Kritik an die US-Regierung. «Das amerikanische System nähert sich dem sowjetischen Modell.» Er hielt Washington vor, Finanzinstitutionen wie Visa, MasterCard, PayPal oder die Bank of America für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Er bezifferte den Verlust von Wikileaks allein durch die von MasterCard verfügte Sperre auf 80.000 Euro pro Tag.

"Veröffentlichen oder untergehen"

Die Möglichkeit eines Spionageverfahrens in den USA nehme er Ernst. «Das ist eine rein politische Sache». Für Wikileaks ändere sich aber nichts. «Wir haben keine Wahl: entweder veröffentlichen oder untergehen.»

«Le Monde» widmete in ihrem Magazin Assange die Titelseite. Das Blatt hatte gemeinsam mit anderen internationalen Medien von Wikileaks veröffentliche vertrauliche US-Depeschen ausgewertet. Umfragen der Zeitung unter seinen Lesern ergab, dass 56 Prozent hinter Assange stehen.  

FR-Spezial Wikileaks
Durch eine Lupe ist am Dienstag (30.11.2010) auf der Internet-Seite von Wilileaks das Wort «Secret» zu sehen. Am ersten Tag der Wikileaks-Veröffentlichung von US-Botschaftsdepeschen hat das Enthüllungsportal mehr als 200 Dokumente veröffentlicht, am zweiten Tag waren es 60.

Alle Texte. Fotostrecken und Videos zur spektakulären Veröffentlichung vertraulicher Dokumente aus dem Auswärtigen Amt der USA finden Sie im FR-Spezial zum Thema.

In einem Interview mit dem TV-Sender MSNBC wehrte sich Assange gegen teilweise heftige Kritik in den USA. Er nannte die beiden republikanischen Politiker Sarah Palin und Mike Huckabee «Idioten, die sich einen Namen machen wollen». Es gebe eine politische Hetzjagd gegen ihn. Es könne nicht geduldet werden, «dass hochrangige Leute im landesweiten Fernsehen dazu aufrufen, das Rechtssystem zu umgehen und illegal Menschen zu ermorden». Huckabee hatte zur Todesstrafe für denjenigen aufgerufen, der die Geheimdaten an Wikileaks weitergegeben haben könnte.

Mit der CIA-Arbeitsgruppe zu Wikileaks will CIA-Direktor Leon Panetta erfahren, ob die Geheimdiensttätigkeit durch die Enthüllungen in irgendeiner Art kompromittiert worden sei. Konkret gehe es um eine Überprüfung möglicher Auswirkungen der Wikileaks- Dokumente auf die Auslandsbeziehungen oder -einsätze der CIA, zitierte der TV-Sender CNN den CIA-Sprecher George Little.   (dpa)

Plaßmanns Wikileaks

Bildergalerie ( 7 Bilder )

Bedeutende Wikileaks-Enthüllungen

Bildergalerie ( 7 Bilder )
Datum:  25 | 12 | 2010
Kommentare:  24
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quellen im Internet
Die Internetseite von Wikileaks mit vertraulichen Depeschen des US-Außenministeriums.

Nachlesen, was Wikileaks im Spiegel, beim Guardian oder auf der eigenen Website über deutsche Politiker oder den Irakkrieg schreibt.

Video
Wikileaks-Aktivisten haben angekündigt, das sie neues Material veröffentlichen werden.

Bevor Wikileaks brisante Dokumente veröffentlicht, werden ausgewählte Medien zur Analyse der Daten aufgefordert und erhalten die Story dafür.

Das Gesicht von Wikileaks
Der Wikileaks-Chef und Gründer, Julian Assange, bei den New Media Days in Kopenhagen, Dänemark. Assange gründete 2007 das Enthüllungsnetzwerk Wikileaks.

Julian Assange, australischer Internet-Aktivist, ärgert weltweit Behörden, Geheimdienste, Militärs und Diplomaten.

Debatte
Das US-Außenministerium und das Pentagon fürchten die Sprengkraft der Geheimdokumente, die Wikileaks in Kürze veröffentlichen will.

Wieder hat die Enthüllungsplattform für Schlagzeilen gesorgt - gut oder schlecht? Diskutieren Sie mit

Hintergrund

Das Wiener Abkommen regelt die diplomatischen Beziehungen, die der jüngste WikiLeaks-Coup durcheinander gewirbelt hat.

Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

Spezial

Unicef und ihr Umgang mit Spendengeld - die FR-Recherchen führten zum Rücktritt von Geschäftsführung und Vorstand.