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01. April 2011

In eigener Sache: Veränderung der FR - Fragen und Antworten

Das Verlagsgebäude der Frankfurter Rundschau im Stadtteil Sachsenhausen.  Foto: Alex Kraus

Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben mit Geschäftsführung und Chefredaktion beschlossen, die Produktion des Blatts in Teilen nach Berlin zu verlagern. In Frankfurt werden Stellen wegfallen. Eine Faktensammlung.

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Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben mit Geschäftsführung und Chefredaktion beschlossen, die Produktion des Blatts in Teilen nach Berlin zu verlagern. In Frankfurt werden Stellen wegfallen. Eine Faktensammlung.

Sie teilen mit, die überregionalen Seiten der Frankfurter Rundschau (FR) sollen künftig in der Hauptstadt gemeinsam mit der DuMont-Redaktionsgemeinschaft und der Berliner Zeitung (BLZ) entstehen. Wird aus der Frankfurter die Berliner Rundschau? Wie soll da die politische Grundlinie der FR erhalten bleiben?

Diese Befürchtungen, die auch Berichte über uns andeuten, sind nahe liegend. Der Anspruch des Restrukturierungskonzepts ist aber ein anderer. Geplant ist nicht, dass die Berliner Zeitung, die ebenso zum Kölner DuMont-Konzern gehört, einfach gleiche Seiten für die FR mitproduziert. Das geht schon wegen des unterschiedlichen Papierformats nicht.

Vielmehr soll eine Anzahl von Frankfurter Kollegen nach Berlin wechseln, weitere bleiben als Korrespondenten für Wirtschaft, Sport und Kultur am Main. Für die Berliner Ressorts sind Doppelspitzen geplant mit Vertretern von FR und BLZ. Meinungsprägende Rundschau-Autoren sollen weiter schreiben. Ziel von all dem ist, dass gemeinsam mit der Redaktion der Berliner Zeitung ein Team entsteht, das zwei Zeitungen denkt und macht.

Und wer oder was ist die DuMont-Redaktionsgemeinschaft?

In die DuMont-Redaktionsgemeinschaft sind im vergangenen Jahr gut zwei Dutzend Journalisten aus den Politik-, Wirtschafts- und Hauptstadtredaktionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung gewechselt. Sie beliefern in enger Absprache mit den Zeitungen alle Abo-Titel der Mediengruppe M. DuMont Schauberg mit Berichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft - vorwiegend Nachrichten und Reportagen. Die Idee dabei: Wenn nicht vier Kollegen von vier Zeitungen, sondern nur ein Journalist der Redaktionsgemeinschaft einen nachrichtlichen Text über eine Bundestagsdebatte schreibt, können die drei anderen eigene Geschichten recherchieren. Wichtig für die geplante Restrukturierung: Auch in der Redaktionsgemeinschaft steckt Frankfurter Rundschau.

Wer sind denn künftig die Chefs?

Die gemeinsame Chefredaktion von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung bilden Dr. Uwe Vorkötter als Erster unter Gleichen, aktuell Chefredakteur der Berliner Zeitung, vorher auch Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Zur künftigen Chefredaktion gehört weiter Brigitte Fehrle, derzeit Chefredakteurin der DuMont-Redaktionsgemeinschaft, vorher stellvertretende Chefredakteurin der Berliner Zeitung. Drittes Mitglied der neuen Spitze wird Rouven Schellenberger, aktuell Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Auch in der gemeinsamen Redaktionsführung sind also FR und BLZ vertreten. Joachim Frank, derzeit ebenfalls Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, wird Chefkorrespondent der DuMont-Abotitel, zu denen FR, BLZ und Kölner Stadt-Anzeiger gehören.

Was bleibt denn in Frankfurt?

Selbstverständlich entstehen die Seiten für Frankfurt und die Region weiterhin in der Mainmetropole. Die Stadtredaktion soll personell verstärkt werden. Und hier arbeiten die bereits erwähnten Wirtschafts-, Sport- und Kulturkorrespondeten der überregionalen Ressorts, die etwa die Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank besuchen oder die aktuelle Ausstellung der Frankfurter Schirn besprechen.

Und was hat es mit diesem digitalen Zentrum auf sich?

Die Frankfurter Rundschau hat mit der Entwicklung ihrer mehrfach ausgezeichneten iPad-App ihre digitale Kompetenz bewiesen. Nun soll am Main die Produktion der Webseiten und iPad-Anwendungen für FR und BLZ gebündelt werden. In Frankfurt entstehen in diesem zukunftsgerichteten Bereich zusätzliche Arbeitsplätze. Selbstverständlich wird es auch vor Ort in Berlin Kollegen geben, die ihre lokale Erfahrungen einbringen. An der Spitze der digitalen Gesamt-Organisation steht Rouven Schellenberger, aktuell Chefredakteur der FR.

Warum all diese Einschnitte?

Die Zeitungsbranche steckt seit etwa zehn Jahren in der Krise. Eine wesentliche Einnahmequelle sind Anzeigen, und jahrzehntelang brachte die dicke Wochenendausgabe mit Stellen-, Immobilien- und Automarkt das Geld. Inzwischen finden sich viele dieser Annoncen im Internet. Es wird - für alle überregionalen Zeitungen - immer schwieriger, ihre Redaktionen zu finanzieren. Die Frankfurter Rundschau hat mehrere Sanierungsrunden hinter sich, die Beschäftigten verzichten beispielsweise seit vielen Jahren auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die Geschäftsführung hat jetzt dargelegt, ohne die Finanzkrise, in der die Werbeetats erneut schwanden, wären die schwarzen Zahlen erreicht worden. Doch so blieben Verluste in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr, die den Gesellschaftern nicht auf Dauer als tragbar erschienen.

Wer sind denn diese Gesellschafter der Frankfurter Rundschau?

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben wird die Gesellschafterstruktur einmal vierteljährlich im Impressum veröffentlicht. Dort heißt es:

"Gesellschafter der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH sind
- die DuMont Beteiligungs GmbH, Köln, Geschäftsführer Christian DuMont Schütte, Isabella Neven DuMont und Dr. Eberhard Klein; Beteiligungshöhe 50 Prozent, Stimmrecht 50 Prozent plus eine Stimme.
- die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) mbH, Berlin, Geschäftsführer Jens Berendsen und Matthias Linnekugel; Beteiligungshöhe 40 Prozent und
- die Karl-Gerold-Stiftung, Frankfurt; Beteiligungshöhe 10 Prozent.

Alleinige Gesellschafterin der DuMont Beteiligungs GmbH ist die Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG, Köln.

An der Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH ist der Vorstand der Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Berlin, zu insgesamt 100 Prozent der Stimm- und Kapitalanteile beteiligt - vermittelt durch jeweils treuhänderisch gehaltene Beteiligungen der Gesellschafterinnen Frau Dr. Barbara Hendricks, MdB, Berlin (94,67 Prozent) und Solidarität Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft mbH, Berlin (5,33 Prozent)."

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Diskussion im FR-Leserblog bei Bronski

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