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Jens Berendsen: "Alte Mauern, neue Technik"

Jens Berendsen, Geschäftsführer der ddvg, über das neue Konzept der FR, Kulturangebote für die Leser und sparsame Hanseaten.

Jens Berendsen, 52, ist seit 1994 Geschäftsführer der ddvg, die zu 40 Prozent an der FR beteiligt ist.
Jens Berendsen, 52, ist seit 1994 Geschäftsführer der ddvg, die zu 40 Prozent an der FR beteiligt ist.
Foto: Boeckheler

Herr Berendsen, wie ist die Idee für das neue Verlagshaus der Frankfurter Rundschau entstanden? Die ersten Überlegungen gab es 2004. Damals trennte sich das Druck- und Verlagshaus von seinem langjährigen Stammsitz im Frankfurter Stadtzentrum an der Großen Eschenheimer Straße. Wir brauchten ein neues Domizil.

Was haben Sie gesucht?

Zur Person

Jens Berendsen, 52, ist seit 1994 der Geschäftsführer der ddvg.

Die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (ddvg) hat ihren Firmensitz in Hamburg und ist ein Medienbeteiligungsunternehmen der SPD.

Sie ist zu 40 Prozent an der FR beteiligt.

Ich wollte eine Liegenschaft, bei der sich Tradition und Moderne verbinden. Wir prüften ein gutes Dutzend Objekte, aber keines eignete sich. Der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz machte dann mich auf das ehemalige Straßenbahndepot am Südbahnhof aufmerksam.

Was führte zu der Entscheidung für dieses Gelände? Nun, es repräsentiert in idealer Weise unser Geschäft: Das Alte kann dort mit dem Neuen verbunden werden, das historische Depot wird mit der allerneuesten Computer-Technik ausgestattet.

Die Frankfurter Rundschau ist noch immer in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation, warum leistet sie sich dennoch einen solchen Neubau?

Wir sind ja dort zur Miete untergebracht, und ich versichere den Lesern und den Mitarbeitern der Frankfurter Rundschau: Hier wird kein Geld verschwendet. Dafür haben wir Hamburger Kaufleute gesorgt. Die Miete ist nicht sehr hoch. Für uns war aber noch ein Aspekt sehr wichtig: Die Frankfurter Rundschau gehört nach Frankfurt, sie gehört in die Stadt. Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, den Sitz des Hauses nach Neu-Isenburg zu verlegen, wo ja unser Druckzentrum beheimatet ist.

Wie wird sich das für die Leser künftig konkret bemerkbar machen, dass sich die FR zu Frankfurt bekennt? Wir werden am neuen Standort Flagge zeigen. Das heißt konkret: Die Frankfurter Rundschau öffnet sich nach außen, für die Bürger und Leser. Im neuen Quartier wird es zahlreiche öffentliche Veranstaltungen geben. Im Forum im Erdgeschoss wollen wir Podiumsdiskussionen ebenso anbieten wie beispielsweise Ausstellungen. Das neue Verlagsquartier ist künftig noch besser zu erreichen, die Verkehrsanbindung ist hervorragend.

Es wird immer wieder darüber spekuliert, dass die Frankfurter Rundschau ihren Status als überregionale Tageszeitung verlieren könnte. Dazu wird es nicht kommen, das versichere ich. Es bleibt der Anspruch, dass die Rundschau als überregionale Tageszeitung auftritt. Daran wird nicht gerüttelt. Im Gegenteil: In dem neuen Haus werden wir für die FR einen ganz neuen technischen Standard setzen.

Was bedeutet das?

Nun, wir werden die gedruckte Zeitung und den Online-Auftritt der FR ganz eng verzahnen. Die Kolleginnen und Kollegen, die für beide Ausgaben zuständig sind, werden an nur noch einem zentralen Newsdesk zusammenarbeiten und sich deshalb jederzeit auf kürzestem Wege abstimmen können. Die FR wird so zu den modernsten Tageszeitungen in Deutschland gehören, sie wird technisch führend sein.

Welche Bedeutung hat der Online-Auftritt für die FR, könnte es dazu kommen, dass die Online-Ausgabe langsam die gedruckte Zeitung verdrängt?

Nein, sicherlich nicht. Das neue Medium Internet ersetzt das alte Medium Zeitung nicht. Online ist aber ein schnelles Medium, es wird für die Aktualität, das aktuelle Tagesgeschehen zuständig sein. Das gibt der gedruckten Tageszeitung die Chance, sich wieder mehr auf die Darstellung von Hintergründen und Zusammenhängen zu konzentrieren.

Nun ist ja die wirtschaftliche Krise, die Rezession, in aller Munde. Überschattet sie nicht alle Anstrengungen der Modernisierung? Unter den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leiden alle Zeitungshäuser in Deutschland. Die FR hat in den vergangenen Jahren die Herausforderungen gut angenommen, und die wirtschaftliche Sanierung ist auf einem guten Weg.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

Datum:  20 | 2 | 2009
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