Die Geschäftsführung der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH und die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau sind der festen Überzeugung, dass mit der Beteiligungsabsicht der DDVG ein wichtiger Schritt zum Erhalt der FR als wirtschaftlich und politisch unabhängige, linksliberale und überregionale Zeitung getan ist. Wir wissen, dass der Einstieg in der Öffentlichkeit und bei Leserinnen und Lesern Fragen und Zweifel auslösen wird, wenn Schlagzeilen wie "SPD will Rundschau kaufen" im Umlauf sind und einige Medien in absurden Spekulationen davon reden, die SPD wolle sich angesichts von Konflikten mit Blättern wie Bild und stern ein Hausblatt zulegen.
Wir sind der festen Überzeugung, in den kommenden Wochen und Monaten durch die tägliche FR beweisen zu können, dass solche Sorgen verständlich, aber unbegründet sind. Wir sind dieser Überzeugung aus folgenden Gründen:
- Die DDVG ist nicht die SPD. Als Medienholding ist sie an ungefähr einem Dutzend Zeitungen unterschiedlicher Ausrichtung beteiligt. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem die DDVG auch nur versucht hätte, in die inhaltliche Arbeit von Redaktionen einzugreifen.
- Die DDVG betreibt ihre Beteiligungen nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten. In der gemeinsamen Erklärung von Druck- und Verlagshaus und DDVG wird deshalb betont, dass die Sanierung des Unternehmens weitergeht.
- Die DDVG ist ein Medienunternehmen. Sie ist mit den besonderen Erfordernissen und Problemen von Zeitungen vertraut, was der FR nur zum Vorteil gereichen kann. Die DDVG hat bereits erklärt, dass sie sich dem Ziel der Karl-Gerold-Stiftung, die FR als unabhängige, linksliberale und überregionale Qualitätszeitung zu erhalten, verpflichtet fühlt. Das soll in den endgültigen Vereinbarungen über die Beteiligung festgeschrieben werden.
- Was uns aber - jenseits von Erfahrungen, Erwartungen und Absichten - so sicher sein lässt, ist folgende Tatsache: Eine Zeitung, die sich in Themenauswahl, Meinung und Analyse an Interessen von Parteien oder Verbänden ausrichten würde, wäre auf dem heutigen Medienmarkt zum Untergang verurteilt. Sie kann, publizistisch und damit wirtschaftlich, nur dann Erfolg haben, wenn sie Aufmerksamkeit und Vertrauen von möglichst vielen Leserinnen und Lesern gewinnt und erhält. Für die FR bedeutet das vor allem, zu informieren, kontrollieren und analysieren und in diesem Sinne beizutragen zu demokratischer Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Debatten. Das ist also auch im Interesse eines wirtschaftlich orientierten Partners.
- Wir sind froh, dass die Frage unserer Unabhängigkeit öffentlich diskutiert wird und stellen uns mit unserem täglichen Produkt gerne der Überprüfung. Wir glauben schon nach Gewährung der hessischen Landesbürgschaft bewiesen zu haben, dass alle Befürchtungen, dies würde in Berichterstattung und Kommentierung zu politischen Rücksichten gegenüber der CDU-Landesregierung führen, unbegründet waren.
- Wir haben die FR mitten in der Krise mit neuem Erscheinungsbild und zusätzlichen Angeboten wie FRplus und (in Hessen) plan.F zu einer modernen und innovativen Zeitung entwickelt, ohne Abstriche an Profil und Inhalt zu machen. Geschäftsführung und Redaktion versprechen, dass es gerade mit diesem Partner keine Abstriche an Unabhängigkeit und Ausrichtung der Zeitung geben wird. Wir bitten auch zweifelnde Leserinnen und Leser, uns weiter kritisch an diesem Anspruch zu messen.
In der Nacht zum 1. August 1945 kamen die Rotationsmaschinen der ehrwürdigen Frankfurter Zeitung wieder auf Touren - Blick zurück ...
65 Jahre FR: Hören warum Grün die Rundschau-Farbe wurde (Beitrag bei HR-online.de)
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