Manchmal hatte der Paternoster keine Lust mehr. Dann blieb man stecken und musste sich zur nächstoberen Etage hochziehen.
Er war der verborgene Mechanismus, der die FR in Bewegung hielt. 50 Jahre lang zentrale Verbindung von der Setzmaschine zur Kantine, von der Redaktion zur Montage. Der "Proletenbagger", wie die Kollegen seit der Bleizeit ihr Beförderungsmittel selbstbewusst nannten - im Gegensatz zum "Bonzenheber", dem gemeinen Lift auf der repräsentativen Ecke des Riesenhauses. Unser Paternoster. Ab morgen gibt es für ihn nichts mehr zu baggern.
Das altertümliche Gerät mit seinen offenen Aufzugkabinen, die unentwegt im Kreis rumpeln - das erste Modell ging 1883 im General Post Office London in Betrieb - war ein Quell der Freude. Nicht nur für Rundschau-Leute. Wie oft drang halbstundenlang fröhliches Gekicher und Gekreische aus dem Schacht: Schulklassen, Studentengruppen und Seniorenkreise auf Besuch, die sich nach der Redaktionskonferenz und dem Gespräch mit dem Chefredakteur im Paternoster erholten und Mutproben veranstalteten: Wer traut sich, oben oder unten durchzufahren?
Für die Mitarbeiter war der Paternoster der Treffpunkt. Die Zuckelfahrt in den Zweierkabinen, freundliche Frozzeleien im Vorbeifahren. Kaum jemand stand starr und schweigend wie im geschlossenen Gehäuse eines Lifts. Natürlich gab es auch Pannen. Ziemlich häufig sogar. Wenn etwa erfahrene Liftpiloten vor dem Einsteigen das kleine rote Knöpfchen drückten. Hier kein Ruf-, sondern ein Notsignal, das den Bagger stante pede zum Halten brachte. Oder wenn mal wieder ein Handwerker mit geschulterter Zwei-Meter-Leiter einstieg. Spätestens in Höhe der Zwischendecke war die Fahrt zu Ende. Aber richtige Unfälle gab es hier nie.
Manchmal hatte der Paternoster keine Lust mehr. Dann blieb man eben stecken und musste sich entweder zur nächstoberen Etage hochziehen oder in die darunter liegende fallen lassen. Bis die Techniker kamen und das Riesenrad wieder flott machten, vergingen Tage oder gar Wochen. Dann wurden alle Einstiege mit dicken roten Kordeln verhängt, wie man sie aus Schlössern kennt. Was nicht zeit-, aber auf alle Fälle standesgemäß ist. Pardon - war. Wir werden ihn sehr, sehr vermissen.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

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