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FR-Interview zu Frauen in Führungspositionen: "Frauen wollen es allen recht machen"

Frauen sind weltweit in Führungspositionen stark unterrepräsentiert laut UN-Bericht. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht die promovierte Betriebswirtin Uta Langner über Haare auf den Zähnen, Führungskräfte in Teilzeit und Selbstbewusstsein.

Laut einem UN-Bericht sind Frauen weltweit in Führungspositionen noch immer stark unterrepräsentiert.
Laut einem UN-Bericht sind Frauen weltweit in Führungspositionen noch immer stark unterrepräsentiert.
Foto: Getty Images/Flickr RF

Es gibt in Deutschland mehr Abiturientinnen als Abiturienten. Warum gelangen so wenige in eine Führungsposition?

Männer in Führungsetagen trauen Frauen diese Positionen oft nicht zu. Sie werden stärker beäugt, von ihnen wird mehr Kompetenz erwartet als von einem männlichen Kollegen. Für viele Frauen ist die Babypause und eine anschließende Teilzeitbeschäftigung der Karriereknick.

Sind Führungskräfte in Teilzeit möglich?

Ja, es kommt auf eine intelligente Arbeitsorganisation an. An sich spricht wie in meinem Fall aber nichts dagegen, dass zwei Frauen sich eine Führungsposition teilen.

Eine Frau muss in derselben Position mehr leisten?

Meistens schon. Viele Männer in Führungspositionen leben immer noch im Glauben, die Frau müsse dem Mann den Rücken freihalten. Frauen, die sich nicht nur auf ihre Familie konzentrieren, werden zum Teil misstrauisch beäugt.

Haben Sie ihr Geschlecht im Beruf als Benachteiligung erlebt?

Nein. Aber wenn ein Mann neu eingestellt wird, denken viele immer noch, dass er automatisch der Vorgesetzte der Frauen wird. Zudem werden einfache Hilfstätigkeiten Frauen gerne übertragen.

Ausbildung
Förderung
Vermögen und Posten
Alltag
Arbeit

In der schulischen Ausbildung sind Frauen dabei, die Männer zu überholen. 56 Prozent der Abiturienten sind inzwischen weiblich.

Ausgebildet sind Frauen bislang noch immer schlechter: In der Gesamtbevölkerung (ab 25 Jahre) haben laut Statistischem Bundesamt gut zwölf Prozent der Frauen einen Hochschulabschluss, aber 18 Prozent der Männer. Insgesamt machen 15 Prozent der Deutschen einen Hochschulabschluss.

Die Studiengänge, die zu 80 Prozent in Führungspositionen münden, wählen Frauen seltener: Ihr Anteil in den Studiengängen Wirtschaft, Jura, Naturwissenschaften und Ingenieurwesen beträgt zusammen genommen knapp 32 Prozent. In Betriebswirtschaft und Jura machen aber inzwischen gleich viele Männer und Frauen ihren Abschluss.

In der Medizin sind Frauen auf dem Vormarsch: Knapp 60 Prozent der Universitäts-Absolventen sind weiblich, aber nur knapp ein Viertel aller Oberärzte.

An den Gerichten sind laut Statistischem Bundesamt knapp 36 Prozent der Richter weiblich, 1991 waren es erst 20 Prozent.

Der Anteil der Lehrstuhlinhaberinnen an deutschen Hochschulen ist seit 1995 von acht auf rund 17 Prozent gestiegen. Das heißt, noch immer stellen Frauen weniger als ein Fünftel der Professorenschaft. 2009 lehrten und forschten 6725 Professorinnen. (greg)

Eine Frauenquote hat sich die Telekom verordnet. 30 Prozent der mittleren und oberen Führungspositionen sollen bis Ende 2015 mit Frauen besetzt sein.

Eine gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent fordern die Grünen. Derzeit liegt der Frauenanteil in Aufsichtsräten bei zehn Prozent. Frauenquoten gibt es in Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Vorbild für die Grünen ist Norwegen mit einer 40-Prozent-Quote in den Kontrollgremien der börsennotierten Unternehmen.

Der Verband deutscher Unternehmerinnen plant, mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers in den nächsten zwei Jahren 150 Frauen für eine Funktion im Aufsichtsrat zu qualifizieren. Damit soll der Vorwurf entkräftet werden, es gäbe keine geeigneten Kandidatinnen für Führungspositionen. Die Seminare für die Teilnehmerinnen sollen kostenlos sein.

Das Bundesforschungsministerium gibt jährlich 7 Millionen Euro für das Projekt „Frauen an die Spitze“ aus.

Das internationale Frauenforum in Deauville wurde vor sechs Jahren als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet. greg

In Entscheidungspositionen sind Frauen weltweit unterrepräsentiert. Das zeigt eine gestern veröffentlichte Studie der Vereinten Nationen. Nur 13 der 500 größten Unternehmen werden von einer Frau geleitet. Auch in den Parlamenten und Regierungen kämen sie immer noch zu kurz.

Das Vermögen der Männer in Deutschland ist dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge im Durchschnitt anderthalb mal so hoch wie das der Frauen. Die Studie „Verteilung der Vermögen in Deutschland“ ergibt, dass das Vermögen der Männer 2007 netto rund 109000 Euro, das der Frauen dagegen nur 70000 Euro betrug.

Unter den zehn reichsten Deutschen ist laut Manager Magazin nur eine Frau: Altana-Großaktionärin Susanne Klatten mit einem Vermögen von 7,75 Milliarden Euro. In den Führungspositionen der größten deutschen Unternehmen sitzen nur zwei Prozent Frauen.

Das fünffache Betriebsvermögen besitzen Unternehmer im Vergleich zu Unternehmerinnen. Dafür haben Männer häufiger und höhere Schulden als Frauen.

In DAX-Konzernvorständen sitzen etwa 180 Männer, aber nur fünf Frauen: Margret Suckale (BASF), Angelika Dammann (SAP), Brigitte Ederer (Siemens), Regine Stachelhaus (Eon) und Barbara Kux (Siemens). In börsennotierten Firmen Europas sind 13 Prozent der Führungskräfte Frauen. (greg)

Im Haushalt teilt sich dem Führungskräftemonitor 2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaft zufolge die Hälfte der Frauen in Führungspositionen die Arbeit mit ihrem Partner, während nur jeder fünfte Mann in einer Führungsposition das auch tut. (greg)

Mehr als zwei Drittel der Frauen arbeiten. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 46 Prozent weiblich.

Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer.

Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt bei Frauen gut 32 Wochenstunden, bei Männern knapp 38 Wochenstunden.

In Teilzeit beschäftigt sind in Deutschland rund 39 Prozent der Frauen.

In der öffentlichen Verwaltung sind Frauen unterrepräsentiert. Sie werden auch weniger in der Nachfolge von Familienunternehmen berücksichtigt.

Alleinerziehende Frauen arbeiten mit 42 Prozent wesentlich häufiger in Vollzeit als Mütter, die mit einem Partner zusammenleben (27). (greg)

Liegt das daran, dass wir zum Liebsein erzogen werden?

Ich bin unter Brüdern groß geworden, die mir gerne die eher weiblichen Aufgaben überlassen wollten, da musste ich schnell lernen, mich durchzusetzen.

Müssen sich Frauen männlich verhalten, um Erfolg zu haben?

Durchsetzungsvermögen ist keine männliche Eigenschaft!

Was machen sie dann falsch?

Sie wollen es eher allen recht machen, denken harmonieorientiert, freuen sich an einer bestimmten Fachlichkeit. Männer denken statusorientierter, sind von ihren Fähigkeiten überzeugter und wissen früher, dass sie Karriere machen möchten.

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Datum:  21 | 10 | 2010
Seiten:  1 2
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