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31. Januar 2014

"Gelber Engel" manipuliert: ADAC-Affäre könnte sich ausweiten

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Die Affäre um die Manipulationen beim "Gelben Engel" des ADAC könnte sich ausweiten. Der Club verspricht volle Aufklärung.  Foto: dpa

Neue Fragen zur Wahl des Lieblingsautos der Deutschen: Wurden nicht nur die Stimmen nach oben frisiert, sondern auch das Ranking der Fahrzeuge manipuliert? Der ADAC schließt das nicht aus und verspricht Aufklärung.

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München –  

Das Sündenregister des ADAC wächst unaufhaltsam. Es umfasst mittlerweile einen frisierten Autopreis, zweckentfremdete Flüge mit Rettungshubschraubern sowie einem ADAC-Ambulanzjet, eine teure Villa und möglicherweise auch Bestechlichkeit bei der Bewertung von Badegewässern. Nun offenbarte Clubpräsident Peter Meyer im hauseigenen Mitgliedermagazins „Motorwelt“, dass es sogar noch schlimmer sein könnte. Bei der Abstimmung zum Lieblingsauto der Deutschen sei möglicherweise nicht nur die Zahl der Stimmen, sondern auch die Reihenfolge der Preisträger verändert worden.

Der mitterweile gefeuerte ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe eingestanden, dass von ihm die Zahl der Stimmen, aber nicht die Reihenfolge der Preisträger verändert wurde, so Meyer. „Ob das der Wahrheit entspricht, soll die Untersuchung ans Licht bringen, mit der wir externe Prüfer federführend beauftragt haben.“

Diese Prüfer kommen von der Wirtschaftprüfungsgesellschaft Deloitte. Sie nehmen alle Abstimmungskategorien seit Existenz des „Gelben Engels“ 2005 unter die Lupe. Ergebnisse sollen in den nächsten Wochen vorliegen. Allerdings sind nicht mehr alle Abstimmungsunterlagen vorhanden. Die Ergebnisse waren exklusiv beim gefeuerten Ramstetter zusammengelaufen, der mutmaßlich Spuren verwischt hat.

Über die Gründe der Manipulation kann nur spekuliert werden. Die einen führen das übersteigerte Ego des ehemaligen Kommunikationschefs ins Feld. Nur 3409 Stimmen für das Lieblingsauto der Deutschen bei 19 Millionen Mitgliedern und einer Auflage der „Motorwelt“ von 14 Millionen, das passte vermutlich nicht zum gewichtigen Vertretungsanspruch des ADAC in Autofragen. Bei einer Verzehnfachung der Stimmen sieht das schon anders aus. Andere sehen es nüchterner. Wenn durch ein mageres Abstimmungsergebnis belegt wird, dass die „Motorwelt“ offenbar kaum gelesen wird, brächte das ihre hohen Anzeigenpreise unter Druck.

Erste Mitglieder kündigen

Sollte sich herausstellen, dass nicht nur die Stimmenzahl vervielfacht, sondern auch die Reihenfolge der Preisträger verändert wurde, bekäme der Skandal noch eine ganz andere Dimension. Dann würden die Autokonzerne ihre wertlos gewordenen Trophäen wohl zurückgeben, um nicht selbst zum Teil des Gespötts zu werden.

Ebenfalls bedrohlich für das einst makellose Image des global zweitgrößten Automobilclubs sind bekanntgewordene Flüge von ADAC-Funktionären zu Veranstaltungen per Rettungshubschrauber. Das werfe ein schlechtes Licht auf den Club, meint Meyer nun. Seine Selbstkritik wirkt bemüht. „Zukünftig fliegen Hubschrauber ausnahmslos Rettungseinsätze“, sagte er als wäre das nicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Kein echtes Fehlverhalten kann der ADAC-Präsident im Bau einer Villa für den Geschäftsführer des Regionalclubs Hessen-Thüringen erkennen. Dienstwohnungen seien in vielen Unternehmen üblich, so Meyer. Erkannt hat er dagegen, dass es beim ADAC Zeit für einen „kompromisslosen Reformprozess“ ist und alle Vorwürfe aufgeklärt werden müssten. Der Autopreis „Gelber Engel“ stehe in seiner Existenz auf dem Prüfstand. Regeln und Kontrollmechanismen würden überprüft, weil sie „offensichtlich nicht ausreichend sind.“ Manipulierer Ramstetter gilt bis dato als Alleintäter, dem offenbar niemand auf die Finger gesehen hat.

Anhaltspunkte, dass auch bei den umfangreichen Tests des ADAC manipuliert wurde, habe der Club mit einer Ausnahme bislang nicht. Bei der „Frankenpost“ ist der Brief eines anonymen ADAC-Mitarbeiters eingegangen, demzufolge Informationen über die Wasserqualität an Badestränden über Jahre hinweg aus den betroffenen Gebieten finanziert und beeinflusst worden sind. „Der Vorwurf der Bestechlichkeit wiegt schwer,“ kommentierte ein ADAC-Sprecher. Eine Überprüfung sei angelaufen.

All das hat nun zu ersten Austritten geführt, räumt Meyer ein. Sich selbst sieht Meyer aber unvermindert als den richtigen Mann, um die ADAC-Reform zu managen. „Ich traue mir diese schwierige Aufgabe zu“, sagte er. Die ADAC-Delegierten sollen demnächst auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, der ersten seit 66 Jahren, über die geplanten Reformen abstimmen.

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