Herr Bode, wann haben Sie Ihr letztes Frühstücks-Ei gegessen?
Vor ein paar Tagen. Es hat gut geschmeckt.
Bio?
Eher nicht. Es war in einem Hotel.
Sie hatten nicht die Sorge, es könnte Dioxin drin sein?
Doch, durchaus. Man sieht ja nicht, ob etwas drin ist. Aber wenn man Dioxin vollständig vermeiden wollte, müsste man ganz auf Eier verzichten...
Auch Bio-Eier können belastet sein?
Die Dioxin-Gefahr bei Bio-Eiern ist grundsätzlich sogar etwas höher als bei konventionellen, weil Bio-Hühner das Futter vom Boden aufpicken und es dort eine höhere Dioxin-Hintergrundbelastung gibt.
Die Kontrollen sind hier nicht besser?
Doch. Aber auch hier sind Skandale nicht ausgeschlossen. Vor einem Jahr hatten wir verseuchtes Bio-Futtergetreide aus der Ukraine, 2002 den Fall mit verbotenen Pestizid Nitrofen in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Dioxin-Belastung der Verbraucher ist heute deutlich geringer als in den 80er Jahren. Sollte man die Kirche nicht im Dorf lassen?
Die Belastung ist tatsächlich niedriger - das ist gut für die Verbraucher. Allerdings liegt sie bei einem Teil der Menschen und gerade bei Risikogruppen wie Babys immer noch über dem Wert, den die EU im Sinne der Gesundheitsvorsorge für akzeptabel hält. Deswegen muss sie weiter sinken. Kurzfristig muss verhindert werden, dass Fälle wie der aktuelle Dioxin-Skandal wieder geschehen. Schwierig, auch juristisch, ist dabei, dass sich die Gesundheitsgefahren durch die Aufnahme von Dioxin nicht konkret nachweisen lassen. Wir wissen nicht, ob jemand, der an der Ostsee wohnt und neben den Dioxin-Eiern noch belasteten Lachs und Hering isst, dadurch zehn Jahre später Krebs bekommt. Und das Corpus deliciti ist beim Essen ja immer weg.
Sind Verbraucher hysterisch, die jetzt keine Eier und Fleisch kaufen?
Das tut ja nur eine Minderheit. Die Leute müssen essen, und sie haben keine gute Möglichkeit, sich über die Schadstoffe zu informieren. Viele Verbraucher sind fatalistisch geworden, denn die Lebensmittelskandale erscheinen ihnen wie Jahreszeiten. Sie kommen immer wieder. Dabei kann man sie verhindern.
Immerhin haben die Behörden erreicht, dass belastete Eier und Fleisch nach Bekanntwerden des Skandals nicht mehr ausgeliefert wurden. Hat das nicht wenigstens gut geklappt?
Nicht wirklich. Wir wissen heute, dass belastete Ware schon seit März 2010 im Umlauf war. Seither essen wir diese Eier. Außerdem ist das, was wir nun sehen, sicher nur die Spitze des Eisbergs. Es ist ein offenes Geheimnis: Die Futtermittel-Hersteller verdünnen hochbelastete Chargen mit anderen, um unter dem Grenzwert zu bleiben. Bei Dioxin nützt das aber nichts, denn es ist ein langlebiges Gift und bleibt der Nahrungskette erhalten. Das Verdünnen ist zwar illegal, aber es wird nicht gestoppt, die Vorschriften sind nicht streng genug. Ein echter Skandal: Beim Abfallrecht wird das "Verdünnungsverbot" strikt angewendet, bei der Futtermittelproduktion ist das nicht der Fall.
Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner hat immerhin angekündigt, die gesamte Futtermittelkette komme auf den Prüfstand. Sie will die Kontrollmechanismen verbessern. Reicht das?
Bisher weiß keiner, was das heißt. Ich habe den Verdacht, es wird gehen wie bei den Ankündigungen früherer Minister. Trotz vieler Ankündigungen sind weder Funke, Seehofer noch Künast dem Futtermittelsektor richtig an den Kragen gegangen. Die Fleischindustrie hat gesättigte Märkte, sie drängt in den Export und drückt die Futtermittelpreise.
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