München. Bis 2030 erwartet Siemens weltweit den Bau von 400 Atommeilern mit einem Auftragswert von rund einer Billion Euro. Eine "Renaissance der Kernkraft" stehe bevor, sagt Konzernchef Peter Löscher auch mit Blick auf den Kampf gegen den Klimawandel.
Über eine neue Kooperation mit Russland wollen die Münchner nach ihrem Ausstieg beim AKW-Bauer Areva NP dabei sein. Auf Einladung von Premier Wladimir Putin verhandeln sie über eine Zusammenarbeit in der Kerntechnik. Neben Areva gilt die russische Staatsholding Rosatom mit dem zivilen Arm Atomenergoprom als einziger Konzern, der die nukleare Wertschöpfungskette von Uranminen, Kernbrennstäben und deren Aufarbeitung bis zum schlüsselfertigen Meiler beherrscht.
Bis 2015 wolle Russland minimal zehn neue AKW im eigenen Land bauen und etwa ebenso viele exportieren, sagen Kenner des Landes. Bereits im Geschäft ist Russland in Bulgarien, China, Indien, Iran und Weißrussland. Putin plant, das eigene Land verstärkt mit Atomstrom zu versorgen und Erdgas möglichst teuer zu exportieren, was auch politisches Gewicht verleiht, wie der Zank mit der Ukraine zeigte.
Um die Strategie technologisch abzusichern, braucht Russland westliches Know-how - darauf spekuliert Siemens zumindest. "Siemens wird von null anfangen, weil sie weder die Technik noch das Personal haben", meint allerdings Areva-Chefin Anne Lauvergeon. Denn mit dem für spätestens 2012 geplanten Verkauf des 34-prozentigen Siemens-Anteils am Joint-Venture Areva NP nach Frankreich geht das Nuklear- Know-how nebst Patenten und Personal an die dann alleinige französische Mutter Areva über.
Das räumt Siemens ein. Es bleibe konventionelle Technik, die in der Wertschöpfung etwa ein Drittel eines AKW ausmacht. Zudem behält sich Löscher vor, Nuklear-Wissen einzukaufen. "Wir prüfen alles", heißt es in München. Wohin die Reise mit Rosatom geht, soll sich spätestens Ende April klären.
Politische Risiken kommentiert Siemens nicht. Wenn Putin Erdgas als Waffe einsetzt, werde wohl auch Atomkraft nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien vermarktet, warnen Kritiker. Als Risiko gelten zudem Teile der russischen Atomtechnik, die einige Experten für veraltet halten.
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