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Recycling: Ab in die Biotonne!

Das Umweltministerium will die Kommunen zu einem flächendeckenden Angebot von Bio-Tonnen verpflichten. Für den gelben Sack könnte das Aus kommen.

Welche Rolle der Gelbe Sack bei der Mülltrennung künftig spielen wird, ist unklar.
Welche Rolle der "Gelbe Sack" bei der Mülltrennung künftig spielen wird, ist unklar.
Foto: Rolf Oeser
Berlin –  

Auf die deutschen Haushalte kommen in ihrer Paradedisziplin, dem Mülltrennen, einige Neuerungen zu. Spätestens von 2020 an müssen sie laut einem Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums höhere Anteile der Haus- sowie Bauabfälle zum Recycling bringen. Bereits von 2015 an stehen die Kommunen zudem in der Pflicht, flächendeckend eine Biotonne oder eine Alternative anzubieten. Wer einen Komposthaufen vorweisen kann, braucht sich weiterhin keine Braune Tonne vor die Haustür zu stellen.

Verabschieden müssen sich die Bundesbürger vom Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne für die Verpackungen mit dem Grünen Punkt. Diese sollen aber nicht komplett verschwinden, sondern den Branchengepflogenheiten entsprechend recycelt und aufgewertet werden. Laut den Plänen für das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz wird der Gelbe Sack in eine Wertstofftonne übergehen. In die sollen die Verbraucher zusätzlich zu den Verpackungen andere Kleinteile hinein werfen, die aus den gleichen Stoffen hergestellt wurden. Die Quietscheente aus Plastik gehört dann ebenso in diese Tonne wie ihre Verpackung aus Kunststoff. Auch kleinere Elektrogeräte wie Toaster oder Kofferradios sollen die Deutschen von Januar 2015 an in die Wertstofftonne stecken.

Damit setzt die Bundesregierung eine Richtlinie der Europäischen Union um. Allerdings geht sie mit den Recyclingquoten über die EU-Vorgaben hinaus. Vom Hausmüll sollen die Deutschen 65 Prozent wiederverwerten lassen, während Brüssel 50 Prozent verlangt. Bei den Bau- und Abbruchfällen sieht das Umweltministerium 80 statt der EU-weiten 70 Prozent vor. Naturschützer kritisieren dies gleichwohl als zu wenig, da die Bundesrepublik diese Ziele beim Hausmüll mit 63 Prozent schon heute fast erreicht und bei den Bauabfällen sogar mit 89 Prozent darüber liegt.

Nicht einfach: Vermeiden, Verwerten, Beseitigen

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) bemängelt, dass es sich um reine Soll-Vorschriften handele und nicht um verpflichtende Quoten. „Das ist das vollkommen falsche politische Signal“, meinte Verbandspräsident Burkhard Landers. Die Reform wird die drei- durch eine fünfstufige Hierarchie für die Abfallwirtschaft ersetzen. Galt bisher die Reihenfolge Vermeiden, Verwerten, Beseitigen, wird es künftig komplizierter.

Die Novelle legt laut Umweltministerium eine erweiterte, „differenzierte Stufenfolge“ fest. Vorrang hat nach wie vor die Abfallvermeidung. An zweiter Stelle steht die Pflicht, Abfälle zur Wiederverwendung vorzubereiten. Es folgen Recycling, energetische Verwertung und schließlich die „Abfallbeseitigung“ auf einer Deponie.

Doch auch hier fürchtet der Branchenverband BVSE, dass es bei einem „Lippenbekenntnis“ bleibe. Es sei nicht ausreichend geregelt, dass ein Recycling tatsächlich Priorität habe gegenüber der Müllverbrennung. Diese Befürchtung teilt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Der begrüßt zwar insgesamt die Zielrichtung des Entwurfs, weist aber ebenfalls darauf hin, dass die „stoffliche mit der energetischen Verwertung“ an vielen Stellen gleichgesetzt werde. Verwertung müsse immer vor Verbrennung stehen, das Recycling einen höheren Stellenwert bekommen, fordert der Nabu.

Grundsätzlich einverstanden mit den Vorschlägen zeigt sich der Bundesverband Verbraucherzentralen (VZBV). Allerdings bleibe das System der Mülltrennung zu kompliziert und müsse vereinfacht werden, meint VZBV-Experte Holger Krawinkel. Er rief die Politik auf, die Aufgabenteilung zwischen Kommunen und privaten Anbietern klarer zu bestimmen. Das heutige Durcheinander gehe zulasten der Konsumenten, die dadurch höhere Kosten zu tragen hätten.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  10 | 8 | 2010
Kommentare:  4
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