Berlin. Die Grünen haben die Ankündigung des Stromkonzerns RWE begrüßt, keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen zu wollen. Sie fordern auch die restlichen Investoren in diesem Stromsektor auf, ihre Neubauprojekte abzusagen und "stattdessen in eine nachhaltige und klimaschonende Energieversorgung zu investieren".
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer sagte: "Endlich ist die Erkenntnis, dass neue Kohlekraftwerke nicht mehr wirtschaftlich sind, auch bei der RWE-Spitze angekommen." Die Probleme und Bauverzögerungen bei den im Bau befindlichen RWE-Kohlemeiler Neurath und Hamm hätten diese Erkenntnis sicher befördert.
RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum hatte im FR-Interview gesagt, der Konzern plane angesichts der EU-Rahmenbedingungen wie dem CO2-Handel derzeit keine solchen Anlagen mehr. Krischer meinte, RWE müsse folgerichtig die laufenden Planungen für Kohlekraftwerke in Niederaußem und Hürth im Rheinischen Braunkohlerevier in NRW sowie Arneburg in Sachsen-Anhalt offiziell einzustellen. Erst dieser Schritt schaffe für die betroffenen Regionen Klarheit.
Kritik von Ökostrom-Anbieter
Der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick kritisierte unterdessen die RWE-Argumentation, eine Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken werde den Stromkunden eine Entlastung von bis zu 150 Euro pro Jahr bringen. Tatsächlich sei maximal mit einer Ersparnis von "maximal neun bis zwölf Euro im Jahr" zu rechnen. Angesichts stark schwankender Großhandelspreise werde dieser dieser preisdämpfende Effekt aber kaum bei den Bürgern ankommen. Dies zeige eine von Lichtblick in Auftrag gegebenen Studie der Berliner Energie-Beratungsgesellschaft LBD.
Lichtblick-Chef Christian Friege sagte, längere Laufzeiten für Atomkraftwerke entlasteten nicht die Bürger, sondern füllten die Kassen der AKW-Betreiber. "Der Versuch, die Bürger mit dem Märchen sinkender Strompreise für die riskante Atomenergie zu gewinnen, ist unredlich", sagte er. Das Unternehmen kritisierte zudem, längere AKW-Laufzeiten verzögerten die nötige Modernisierung des Kraftwerkparks.
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