kalaydo.de Anzeigen

Ökonom Gustav Horn: Abrechnung mit Rot-Grün

Der Ökonom Gustav Horn kritisiert in seinem neuen Buch die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland, die das Land vor allem der Regierung von SPD und Grünen zu verdanken habe.

Ökonom Gustav Horn (Archivbild vom 05.08.2009).
Ökonom Gustav Horn (Archivbild vom 05.08.2009).
Foto: dpa

Sigmar Gabriel war voll des Lobes. Eine „Ehre und Freude“ sei es für ihn, das neue Buch des Ökonomen Gustav Horn vorzustellen, sagte der SPD-Parteivorsitzende gestern. Denn es zeige, dass „Ungleichheit nicht nur ein sozialpolitisches, sondern ein ökonomisches Problem ist“. Das Lob dürfte Gabriel nicht leicht gefallen sein. Denn Horns Buch rechnet vor allem mit einem ab: der Politik unter Rot-Grün.

Der Autor ist neben dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger Deutschlands prominentester Ökonom keynesianischer Ausrichtung. „Die Ungleichheit ruiniert unser Land“, warnt Horn. Zwar hat in den vergangenen 30 Jahren die Ungleichheit in allen Industriestaaten zugenommen. In Deutschland allerdings am stärksten. Dies verdankt die Bundesrepublik vor allem der Regierung von SPD und Grünen, meint Horn. Damals „trat die Förderung des Reichtums an die Stelle von Bekämpfung der Armut“. Statt die Wirtschaft über Konjunkturprogramme anzukurbeln, verlegte sich die Politik darauf, den Unternehmen gute Investitionsbedingungen zu bieten. Dies sollte mehr Wachstum und mehr Jobs bringen. So wurden der Spitzensteuersatz gesenkt, Kapitaleinkommen weniger belastet, Sozialleistungen vermindert, Staatsausgaben zurückgefahren. Zudem führte eine aggressive Deregulierung des Arbeitsmarktes dazu, dass sich prekäre Beschäftigung ausweitete und die Löhne stagnierten. Der Erfolg dieser Politik ist laut Horn ausgeblieben. Zunächst führte die geschwächte Binnennachfrage zur längsten Stagnationsphase der Nachkriegszeit. Von 2006 an zog die Konjunktur exportbedingt an. Gleichzeitig aber blieben die Reallöhne zurück. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit war laut Horn weniger das Verdienst der Arbeitsmarktreformen, sondern vor allem dem starken Aufschwung geschuldet.

Reiche werden risikobereiter

In einer Hinsicht jedoch erreichten die Reformen und ihre Fortführung unter der großen Koalition ihr Ziel: Die Ungleichheit in Deutschland nahm zu. Die Reichen wurden schnell reicher. Dies sei gefährlich, so Horn. Denn die Vermögenskonzentration habe die Reichen immer risikobereiter gemacht. Immer mehr Geld floss an die Finanzmärkte, bildete eine Blase, die 2008 schließlich platzte. „Ungleichheit schafft Instabilität“, sagt Horn.

Er plädiert daher für mehr staatliche Konjunktursteuerung, die Krise habe gezeigt, dass dies funktionieren könne. Zudem brauche es mehr Verteilungsgerechtigkeit. Mittel hierfür sei unter anderem eine Finanztransaktionssteuer. Denn „es ist nicht einzusehen, warum man beim Brotkauf sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen muss, beim Kauf einer Aktie hingegen nichts“. Dem stimmte gestern auch der SPD-Politiker Gabriel zu.

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  14 | 2 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!