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Adressenklau bei der Telekom: "Ich habe die 17 Millionen Kundendaten"

Beim Mainzer Erotikunternehmer Tobias Huch liegen die geklauten Telekom-Adressen, wie er der FR im Interview berichtet. "Okay, schick das mal", habe er einem Anbieter gesagt. Jetzt will er die Daten loswerden.

Tobias Huch, 27, Erotikunternehmer in Mainz, hat die Telekom vor zwei Jahren informiert.
Tobias Huch, 27, Erotikunternehmer in Mainz, hat die Telekom vor zwei Jahren informiert.
Foto: Privat

Herr Huch, Sie können auf die Daten jedes zweiten T-Mobil-Kunden zugreifen - wie ist das möglich?

Mitte 2006 bekam ich diese Daten und habe sofort die Telekom informiert. Die hatte erst Zweifel, ob das stimmt. Dann habe ich die privaten Handydaten von Kai Uwe Ricke geschickt - das reichte. Ich wurde in die Konzernzentrale eingeladen und erklärte, welche Personen mir das angeboten hatten.

Wie bekamen sie die Daten?

Ich bin im Internet im Bereich Vermarktung kein Unbekannter. Es melden sich oft Personen bei mir, die Daten verkaufen möchten. Im Gegensatz zu vielen Händlern kaufe ich aber keine Daten ein, sondern teile nur den Verkaufsgewinn mit dem Anbieter. Ich will sicher sein, dass die Daten seriös sind und ein Einverständnis der Kunden vorliegt. Also sagte ich dem Anbieter: Okay, schick das mal.

Was sahen Sie dann?

Das war der Super-Gau: Es waren T-Mobile-Nummern, 17 Millionen Stück. Dazu Namen, Adressen, Geburtsdaten, teilweise auch die E-Mailadresse.

Konnten Sie gezielt nach Personen suchen?

Ja, das geht. Man kann bundesweit Prominente, Politiker und gefährdete Personen, wie etwa Charlotte Knobloch, finden. Da wusste ich: Das ist kritisch! Ich hatte schon gerüchteweise gehört, dass die Datenbank geklaut worden war. Deshalb war ich entsetzt, weil ich nun in die Geschichte mit hinein gezogen war.

Wie hat die Telekom reagiert?

Ich wurde angewiesen, die Daten nicht zu löschen. Obwohl ich gesagt habe, dass ich kein Geld möchte, sondern helfen will, ist das Wort "Beratervertrag" gefallen. Das habe ich sofort abgeblockt. Ich fand das unseriös.

Was sollte das denn für ein Beratervertrag sein?

Ich weiß nicht. Darüber wurde nicht gesprochen. Vielleicht wollten sie, dass ich weiter helfe, aber das mache ich kostenlos.

Was machte die Telekom dann?

Es passierte nichts. Obwohl ich weitere Informationen über Anbieter und Datendiebe gegeben habe. Zwei Jahre später traf ich zufällig Justizministerin Brigitte Zypries im Flugzeug nach Berlin. Da habe ich sie auf das Problem angesprochen und sie hat bei der Telekom nachgefragt. Der Sicherheitschef des Konzerns meldete sich umgehend bei meinem Büro, doch ich war noch in Berlin. Trotz vielfacher späterer Kontaktversuche hat bis heute niemand von der Telekom mehr mit mir gesprochen.

Haben Sie die Daten noch?

Ja, alle Daten. Es hat mich sehr verwundert, dass Telekom-Chef Obermann gesagt hat, die Daten seien nicht mehr im Umlauf. Das ist Quatsch. Sie liegen bei mir. Ich will sie nicht haben. Für mich sind sie ein Risiko.

Interview: Matthias Thieme

Datum:  7 | 10 | 2008
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