Die internationale Gemeinschaft nimmt den Kampf gegen missbräuchliche Spekulationen auf den Agrar- und Rohstoffmärkten auf. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO kündigte dazu am Freitag ein Sondertreffen im September an. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will die Spekulation mit Lebensmitteln auf dem Agrargipfel im Januar 2011 in Berlin zum Thema machen und unterbinden.
Frankreich, das im November den Vorsitz der G-20 übernehmen wird, hatte bereits angekündigt, gegen die extremen Preisschwankungen an den Warenterminbörsen vorgehen zu wollen. Die zu erwartenden Ernteausfälle in Russland hatten zuletzt zu einem drastischen Anstieg der Weizenpreise geführt. Überhöhte Preise seien gegenwärtig aber nicht allein durch schlechte Ernten zu erklären, erklärte Aigner in Berlin und kündigte an, gegen Preisspekulationen vorgehen zu wollen. Mit Nahrungsmitteln dürfe nicht verfahren werden wie mit anderen Rohstoffen oder Maschinen, sagte die Ministerin. Eine Marktregulierung müsse aber international abgestimmt werden. Aigner erklärte, sich für mehr Transparenz bei Warentermingeschäften einsetzen zu wollen.
Das an sich sinnvolle Instrument der Warenterminbörsen dürfe nicht missbraucht werden, forderte Aigner. Denkbar sei eine Begrenzung der Kontrakte je Marktteilnehmer und eine Beschränkung der Haltefristen.
Dass Landwirtschaft nicht im Gewächshaus stattfinde, sei den Landwirten in diesem Jahr besonders drastisch vor Augen geführt worden. sagte die Ministerin, die in Berlin die deutsche Erntebilanz vorstellte. Die extremen Witterungsbedingungen zwischen Juni und August hätten vor allem den Ackerbauern zugesetzt. Zum miesen Wetter kam in diesem Jahr zudem eine um 3,9 Prozent verringerte Anbaufläche. Die Getreideernte verzeichnet in Deutschland 2010 einen Rückgang um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit insgesamt 43,8 Millionen Tonnen liegt der diesjährige Ertrag aber noch deutlich über dem des Krisenjahrs 2007.
Mit einer Versorgungsnotlage rechnet Aigner nicht. Lebensmittel würden weiter zu vertretbaren Preisen angeboten. Die Situation unterscheide sich grundlegend von der 2007. Die Getreidelager seien vom vergangenen Jahr noch gut gefüllt.
Mit Ernteausfällen ist vor allem in Russland zu rechnen. Der drittgrößte Weizenexporteur der Welt hatte bereits Anfang August einen Exportstopp für Getreide verhängt. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte nun an, dass über dessen Aufhebung erst nach der Ernte 2011 entschieden werde. Das Ausfuhrverbot wird nach Einschätzung der FAO aber keine neue Nahrungsmittelkrise in den Entwicklungsländern hervorrufen. (mit afp)
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