Wolfgang Mayrhuber, der Chef der Deutschen Lufthansa, würde im Moment wohl lieber eine Airline in Asien oder Südamerika steuern. Dort haben die Wettbewerber die Krise längst überwunden und befinden sich wieder im Steigflug. Der Weltluftfahrtverband IATA berichtet am Donnerstag von einer bemerkenswerten Trendwende im Fernen Osten. Die Fluggesellschaften dort rechneten 2010 mit einem Gewinn von 900 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 2,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. In Südamerika sollen sogar schon im zweiten Jahr in Folge 800 Millionen Dollar Überschuss eingeflogen werden.
IATA-Chef Giovanni Bisignani kann daher seinen Überschwang kaum bremsen. Er kann die weltweite Verlustprognose des Verbandes nun glatt auf 2,8 Milliarden Dollar halbieren. Das sei etwas "sehr, sehr Positives für die Branche und ein gutes Zeichen für die Wirtschaft", schwärmt Bisignani, der 2009 noch mit dem schwärzesten Jahr der Luftfahrtbranche seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konfrontiert war.
Diese Zeiten sind nun vorbei, doch nicht für alle Airlines. "Wir sehen definitiv eine Branche mit zwei Geschwindigkeiten", sagt Bisignani. Wo die Sorgenkinder unterwegs sind, lässt sich orten: In Europa und Nordamerika, wo Verluste von 2,2 Milliarden beziehungsweise 1,8 Milliarden Dollar von IATA prognostiziert werden - und die Gesamtbilanz verhageln.
Der deutsche Kranich gehört zu den Nachzüglern. Er hatte in der Vorperiode unterm Strich einen Verlust von 112 Millionen Euro zu verzeichnen. Der Umsatz war um mehr als zehn Prozent auf 22,3 Milliarden Euro eingebrochen, der operative Gewinn auf gerade noch 130 Millionen Euro geschmolzen - also auf zehn Prozent des Vorjahreswertes.
Auch im laufenden Jahr wachsen die Bäume für den Luftfahrtkonzern nicht in den Himmel. Vorstandschef Mayrhuber formuliert vorsichtig, der operative Gewinn werde 2010 über dem Niveau von 2009 liegen. "Die Gebrüder Lehman haben ganze Arbeit geleistet", sagt er mit Blick auf die Pleite der US-Investmentbank.
Druck von allen Seiten
Die Lufthansa hat aber nicht nur mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen, also mit geringeren Passagier- und Frachtzahlen und einem Trend hin zu preisgünstigeren Buchungsklassen, sondern auch mit der Konkurrenz von Billigfliegern, steigenden Treibstoffkosten und Piloten, die im Kampf um Macht und Geld auch mal die Arbeit niederlegen.
Immerhin, tröstet sich Mayrhuber, auf der Langstrecke geht es wieder bergauf. Auch die Nachfrage von First- und Businessclass-Kunden steigt wieder. Bis die Krise vorbei ist, will er sein Sparprogramm weiter durchziehen und bei den Neuerwerbungen Austrian Airlines, Brussels Airlines und British Midlands aufräumen. Das soll bei Erfolg schon alleine Kostenvorteile in Höhe von 180 Millionen Euro bringen - und zwar pro Jahr.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.