Vom Minijob direkt in die Altersarmut: Dieses Schicksal könnte Millionen Frauen in Deutschland blühen. Deren Rente würde auch nach jahrzehntelanger Arbeit unter 200 Euro liegen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Zahlen stammen vom Bundessozialministerium auf eine Anfrage der Linken.
Ein Minijobber, der ein Jahr lang arbeitet, erwirbt demnach Anspruch auf eine monatliche Rente von 3,11 Euro. Am Ende eines 45 Jahre langen Erwerbslebens kämen auf diese Weise gerade mal 139,95 Euro zusammen. Selbst wenn der Minijobber den pauschalen Rentenbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent auf die allgemein geltenden 19,6 Prozent anhebt, sind die Zahlen kaum besser: Nach 45 Versicherungsjahren würde die Rente laut "SZ" nur 182,70 Euro betragen.
Dem Bericht zufolge gehen derzeit 7,4 Millionen Menschen in Deutschland einem Minijob nach - das heißt, sie verdienen maximal 400 Euro und zahlen keine Steuern oder Sozialabgaben. Der überwiegende Teil sind Frauen: 4,65 Millionen. Zwei Drittel von ihnen haben ausschließlich einen Minijob. Zudem hat die Zahl der 400-Euro-Jobs deutlich zugenommen: in knapp zehn Jahren um fast 30 Prozent. Inzwischen ist laut Bundesarbeitsagentur fast jedes vierte Beschäftigungsverhältnis in Deutschland ein geringfügiges.
Die Zahlen reihen sich ein in eine Fülle alarmierender Berichte zum Risiko Altersarmut bei Frauen. Erst kürzlich hatten Forscher der Freien Universität Berlin herausgefunden, dass 41 Prozent der westdeutschen und 21 Prozent der ostdeutschen Frauen aus der Babyboomer-Generation der 50er und 60er Jahre eine Rente unter dem Niveau der Grundsicherung zu erwarten haben. Die liegt derzeit durchschnittlich bei 680 Euro.
Geringe Renten werden schon bisher vom Staat aufgestockt - übers Sozialamt kann so je nach Wohnort ein maximaler Monatsbetrag zwischen etwa 660 und 740 Euro erreicht werden. Nun soll es noch einen anderen Zuschuss geben, der nicht vom Sozialamt, sondern über die Rentenversicherung ausgezahlt wird.
Kleine Renten sollen auf 850 Euro im Monat aufgestockt werden - allerdings gibt es hohe Hürden. Dazu gehören eine Mindestanzahl privater Vorsorgejahre, und der Nachweis von zunächst 40 Versicherungsjahren in der Rentenversicherung
Ursache dafür ist nicht nur, dass Frauen öfter Minijobs haben. Sie arbeiten generell häufiger Teilzeit - 2010 hatten nur 55 Prozent der erwerbtätigen Frauen einen Vollzeitjob -, sie sind häufiger und länger arbeitslos und verdienen weniger. Der DGB warnt zudem seit Jahren, die Minijobs hätten sich eher als Niedriglohnfalle für Arbeitnehmer denn als Einstiegshilfe in den Arbeitsmarkt erwiesen.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat das Problem erkannt. Ihr Konzept zur Bekämpfung von Altersarmut sieht unter anderem eine Zuschussrente für Geringverdiener vor. Demnach sollen geringe Renten künftig nicht mehr nur vom Sozialamt, sondern auch von der Rentenversicherung aufgestockt werden - und zwar auf bis zu 850 Euro. Davon könnten auch Minijobber profitieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Betroffene 40 Jahre rentenversichert war, davon 30 Jahre Beiträge gezählt hat und außerdem mindestens fünf Jahre privat oder mit einer Betriebsrente fürs Alter vorgesorgt hat.
Das Ministerium warnt zudem laut "SZ" davor, die Zahlen zu den Minijobs überzubewerten: Geringe Renten seien kein Indiz für geringe Gesamteinkommen im Alter. Tatsächlich weist die Statistik der Rentenversicherung aus, dass die Durchschnittsrente alleinstehender Frauen in den alten Bundesländern bei 522 Euro. Trotzdem hatten 81 Prozent der West-Rentnerinnen ein Nettoeinkommen über 750 Euro zur Verfügung.
Dass die Zuschussrente dennoch mehr ein Tropfen auf den heißen Stein als die Lösung des Problems ist, beweisen aktuelle Zahlen. Demnach hätten im ersten Jahr nach Einführung schätzungsweise 50.000 Menschen Anspruch auf die neue Zuschussrente. Schon jetzt gibt es jedoch rund 400.000 Rentner in Deutschland, deren Altersbezüge unter der Grundsicherung liegen und mit Sozialhilfe aufgestockt werden müssen - die meisten von ihnen sind Frauen. Alle Prognosen deuten daraufhin, dass deren Zahl künftig steigt.
Die Grünen fordern eine Rentenversicherungspflicht für Minijobs. Nur so sei gewährleistet, dass auch die Geringverdiener Anspruch auf Erwerbsminderungsrente hätten, sagte Wolfgang Strengmann-Kuhn, der rentenpolitische Sprecher der Grünen, der Onlineausgabe dieser Zeitung. Das reiche aber nicht aus, um Altersarmut zu verhindern. "Wir fordern eine Garantierente für jeden, der mindestens 30 Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt hat", so der Grünen-Abgeordnete. Diese Garantierente müsse höher als die Grundsicherung ausfallen.
Aus Sicht der Sozialverbände muss bereits bei der Arbeitsmarktpolitik angesetzt werden. Es sei "nicht die Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung, für die Spätfolgen einer unsozialen Lohnpolitik gerade zu stehen", sagte der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer. Höhere Rentenbeiträge führten zu höheren Renten. "Deshalb sind insbesondere ein gesetzlicher Mindestlohn und ein verstärkter Schutz bei Erwerbsminderung erforderlich." Auch VdK-Präsidentin Ulrike Mascher bezeichnete die Zahlen als „alarmierend“.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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