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Altersvorsorge: Krise drückt auf Pensionsfonds

Altersarmut als Langzeitwirkung? Die Folgen der Krise zeigen sich vielleicht viel später als erwartet. Deutschland hält sich robust, doch das ist nur eine Momentaufnahme. Von Michael Bergius

Gute Aussichten?
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Foto: Foto: dpa

Die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise hat weltweit die Alterssicherungssysteme teilweise beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen. In den 30 Mitgliedsländern der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verloren private Pensionsfonds im Jahresverlauf 2008 rund 23 Prozent ihres Werts. Insgesamt beliefen sich die Verluste auf 5,4 Billionen Dollar (5400 Milliarden Dollar).

Die Vereinigung der führenden Industriestaaten, die am Dienstag ihren jährlichen Rentenüberblick präsentierte, sieht dennoch keinen Grund, von ihren bisherigen Empfehlungen abzuweichen. "Gemischte Systeme" der Alterssicherung seien unverändert der richtige Weg, sagte OECD-Sozialexpertin Monika Queisser in Berlin.

Deutschland hält sich in der Krise robust

Angesichts der demografischen Herausforderung (sprich: der älter werdenden Gesellschaft) sei die kapitalgedeckte Vorsorge "als Ergänzung" zur umlagefinanzierten staatlichen Rente unverzichtbar. Die in den vergangenen Jahre auch in Deutschland eingeleitete und öffentlich kräftig geförderte Streuung der Altersvorsorge "sollte nicht aufgegeben werden", empfiehlt Queisser.

Besonders betroffen vom jüngsten Einbruch sind jene Länder, in denen Aktien traditionell eine wichtige Rolle auch bei der Alterssicherung spielen: Irland, Australien und die USA führen die Liste der Fonds-Verlierer an.

Dort sind vor allem ältere Beschäftigte betroffen, die kurz vor der Verrentung stehen. Deutschland liegt mit Wertverlusten von "nur" etwa sieben Prozent auf dem drittletzten Platz und hält sich in der Krise bislang robust.

Allerdings, so warnt die OECD, sei kein Rentensystem immun gegen globale Finanzturbulenzen, und auch umlagefinanzierte Modelle seien verwundbar. Länder wie Griechenland, Frankreich oder Italien hätten schon vor der Krise Finanzprobleme der Sozialkassen gehabt. Die aktuelle Rezession werde den Druck auf harte Rentenreformen und -kürzungen erhöhen.

Risiko Altersarmut

Die relative Entwarnung für Deutschland ist nur eine Momentaufnahme. Noch habe die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt nicht voll erreicht, sagte Queisser. Betriebliche wie auch Riester-Ergänzungsverträge seien hierzulande gut abgesichert. Aber mit einer steigenden Erwerbslosigkeit würden sich auch die Nöte der Rentenkassen wieder erhöhen.

Und noch eine Mahnung hat die OECD für Berlin parat - sie kommt nicht zum ersten Mal: Für die Deutschen bestehe auf mittlere Sicht ein "erhebliches" Risiko der Altersarmut. Mehrere zur Stabilisierung der gesetzlichen Alterskassen durchgeführte Reformen hätten die Ansprüche der Ruheständler sinken lassen, ruft die Studie in Erinnerung.

Die Folge: Wer heute als junger Mensch ins Arbeitsleben eintrete und über seine gesamte Erwerbskarriere unterdurchschnittlich verdiene, dem werde durch die gesetzliche Rente im Alter "ein so geringer Anteil seines Einkommens ersetzt wie in keinem anderen OECD-Land".

Auch die Grundsicherung für Rentner liege in Deutschland (mit 19 Prozent des Durchschnittseinkommens) spürbar niedriger als im OECD-Mittel (27 Prozent).

Schweizer Modell als Vorbild

In einem früheren FR-Interview hatte Queisser der Bundesregierung empfohlen, sich langfristig am Schweizer Dreisäulenmodell auszurichten. Das sieht neben einer relativ niedrigen staatlichen Grundrente verpflichtend auch eine betriebliche sowie private Altersvorsorge vor.

Aktuell kommt von der OECD die Mahnung, ungeachtet der Krise Kurs zu halten. Es gebe in vielen Mitgliedsländern "besorgniserregende" Tendenzen, Reformschritte zurückzunehmen, so die Studie. Die große Koalition bekommt einen kleinen Rüffel für die umstrittene Entscheidung aus dem vergangenen Jahr, fällige Dämpfungen des Rentenanstiegs für 2008 und 2009 auszusetzen.

Auch die letzte Woche vom Bundestag beschlossene Garantie, dass Renten bei einem Rückgang der Lohnentwicklung nicht gekürzt werden dürfen, stößt bei Queisser auf Befremden. Die finanzielle Nachhaltigkeit der Rentensystems sei damit "schwieriger zu erreichen", sagte sie in Berlin.

Autor:  MICHAEL BERGIUS
Datum:  23 | 6 | 2009
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