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15. Februar 2013

Amazon Boykott: Shitstorm gegen Amazon

 Von 
Mitarbeiter der Versandabteilung des Amazon Logistik-Zentrums in Pforzheim. Foto: dpa

Nach einer ARD-Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Amazon haben Nutzer im Netz zum Boykott des Online-Händlers aufgerufen. Doch davon hält die Gewerkschaft Verdi nichts. Stattdessen hat sie eine Online-Petition gestartet.

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Laut Verdi holte Amazon für das Weihnachtsgeschäft Tausende Hilfskräfte aus ganz Europa nach Deutschland. Den Menschen seien falsche Versprechungen gemacht worden, so die ARD-Reportage. So seien sie bei einer Leiharbeiter-Firma beschäftigt worden und nicht direkt bei Amazon, und zwar zu einem Stundenlohn von 8,52 Euro. Untergebracht seien die Menschen in leerstehenden Ferienparks, dort würden sie von einer dubiosen Sicherheitsfirma überwacht. Die Sicherheitsmänner hätten Thor-Steinar-Klamotten an, eine Marke, die in der rechten Szene beliebt ist. Der Film zeigt auch, wie Sicherheitsleute das TV-Team bedrängen.

Amazon will nun einem Teil der Vorwürfe nachgehen: „Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit den Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals“, heißt es in der Stellungnahme. Man dulde „keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung“. Die Bezahlung der Leihkräfte ist nach Konzernangaben höher und beträgt im ersten Jahr mehr als 9,30 Euro pro Stunde.

Entsetzen über Reportage

Im Internet zeigten sich Nutzer entsetzt über die TV-Reportage: „Unmenschliches, profitmaximierendes Unternehmen. Ihr habt einen weiteren Kunden verloren“, schrieb ein Nutzer. Was der Film gezeigt habe, sei „erschreckend und menschenunwürdig“, ein anderer. Manche rufen zum Boykott auf.

Doch davon hält die Gewerkschaft Verdi nichts. „Amazon schafft Arbeitsplätze“, sagte eine Verdi-Sprecherin dieser Zeitung. Viele Menschen würden nun mal gern im Internet einkaufen, das könne man nicht einfach ignorieren. Worauf es ankomme: dass der Online-Riese besser wird. „Amazon ist in der Lage, gute Arbeitsplätze zu schaffen.“ Und das solle er nun auch tun. Verdi fordert, dass die Beschäftigten nach Tarif bezahlt werden – und dass der Leistungsdruck gemindert wird. So könne es nicht angehen, dass Beschäftigte ständig kontrolliert werden, ob sie schnell genug arbeiten. Geprüft werden müsse auch, ob tatsächlich derart viele Leiharbeiter eingesetzt werden müssen. Amazon könne es sich leisten, ihre Angestellten besser zu behandeln. Schließlich sei es eines der erfolgreichsten Unternehmen.

Und was können Kunden tun? Mit Briefen, E-Mails und über Facebook Druck machen und Amazon auffordern, bessere Arbeitsplätze zu schaffen, meint die Verdi-Sprecherin. Einige Stunden später gab der Amazon-Experte der Gewerkschaft, Heiner Reimann, bekannt, unter www.change.org/ausgeliefert eine Online-Petition gestartet zu haben. „Jeder versteht, dass ein Versandhändler in saisonalen Spitzenzeiten wie Ostern und Weihnachten seine Belegschaft flexibel halten muss“, heißt es darin. „Was wir nicht verstehen ist, dass ein so großes Unternehmen wie Amazon die Schlupflöcher des deutschen Arbeitsrechts ausnutzt.“ Amazon wird aufgefordert, Druck auf die Zeitarbeitsfirmen auszuüben und die „prekäre Situation“ der Beschäftigen zu beenden. „Lassen Sie faire Löhne zahlen, verlangen Sie angemessene Lebensbedingungen, realistische Fahrwege zum Arbeitsplatz und transparente Vertragsgestaltung.“, heißt es in der Petition. (mit dpa)

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