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18. Februar 2013

Amazon: Ein grundsätzliches Problem

 Von 
Im Fall Amazon ist nicht allein der Verbraucher gefragt. Foto: imago stock&people

Die Kritik am Versandhändler Amazon reißt nicht ab - auch Politiker klagen laut mit. Dabei wären die am ehesten in der Lage, etwas für mehr Arbeitsschutz und gegen moderne Sklavenarbeit in Deutschland zu tun. Ein Kommentar.

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Bei Amazon werden Zeitarbeiter behandelt wie moderne Sklaven. Und wer trägt die Schuld daran? Die Käufer natürlich, die mit ihrer Bequemlichkeit und ihrer "Geiz ist geil"-Mentalität den globalen Riesen anstacheln und quasi keine andere Möglichkeit lassen, als im harten Preiskampf den Arbeitsschutz hintenanzustellen. So oder so ähnlich sehen es zumindest einige Kommentatoren.

Der Ruf nach dem mündigen Konsumenten ist der erste Reflex, egal ob es um Arbeitsbedingungen in chinesischen Textilfabriken oder um Pferdefleisch in der Lasagne geht. Oder eben um die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Doch gerade der letzte Fall macht deutlich, dass er zu kurz greift.

Natürlich ist es wünschenswert, wenn sich die Verbraucher ihrer Verantwortung bewusst sind. Dass sie ihre Macht, die Macht des Geldes, dazu nutzen, den Firmen nicht jede Schweinerei durchgehen zu lassen. Im Fall Amazon scheint der Aufschrei der Empörung auch auf Seiten der Kunden zumindest erste Früchte zu tragen: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat Amazon inzwischen die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Sicherheitsdienst aufgekündigt.

Die Macht des Gesetzgebers

Doch die Hauptverantwortung trägt der Gesetzgeber. Die Politik hat mit ihrer Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren erst den Boden bereitet für die Ausbeutung und die menschenunwürdige Behandlung von Arbeitnehmern. Rot-Grün hat dabei den Ausbau prekärer Beschäftigung ebenso betrieben wie die nachfolgenden Regierungen. Jüngstes Beispiel für eine Politik, die immer weniger Rücksicht auf den Arbeitnehmer nimmt, ist das neue Gesetz zur Videoüberwachung, das ein Ausspähen der Beschäftigten ermöglicht. Dass Firmen wie Amazon die Möglichkeiten ausnutzen, die das deutsche System ihnen bietet, kann man ihnen nur nachrangig ankreiden.

Längst haben sich Politiker aller Couleur zu Wort gemeldet, die Amazon kritisieren und Verbesserungen geloben, allen voran Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie müssen nun glaubhaft machen, dass sie etwas für mehr Arbeitsschutz und gegen moderne Sklavenarbeit in Deutschland tun. Dabei geht es um viel mehr, als um einen einzelnen Online-Händler.

Damit dieses Thema im Wahljahr die nötige Bedeutung bekommt, ist zuletzt doch wieder der mündige Bürger gefragt. Allerdings vor allem als Wähler, und erst dann als Konsument.

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