kalaydo.de Anzeigen

Anbauverbote: Gentechnik nützt Kunden nichts

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz plädiert für Anbauverbote.

Ein zartes Pflänzchen? Handelt es sich um Gen-Mais, ist Vorsicht geboten, sagen Umweltschützer.
Ein zartes Pflänzchen? Handelt es sich um Gen-Mais, ist Vorsicht geboten, sagen Umweltschützer.
Foto: dpa

Für den Verzicht auf den Anbau von Gen-Pflanzen in und in der Nähe von ökologisch sensiblen Gebieten hat die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, plädiert. Jessel sagte zur Frankfurter Rundschau: "Ich halte es für notwendig, dass insgesamt Naturschutzgebiete, Nationalparks und Natura-2000-Gebiete sowie Gebiete, die für den Erhalt geschützter und seltener Arten von Bedeutung sind, vom Anbau transgener Pflanzen freigehalten werden." Dies sei aus Vorsorgegründen nötig.

Die oberste Naturschützerin der Nation bedauert, dass es derzeit keine europa- oder auch nur bundesweit geltenden besonderen Schutzabstände zwischen den Refugien und den Gen-Feldern gibt. "Das ist aus unserer Sicht ein deutliches Manko." Nach der jüngsten Entschließung der EU-Umweltminister von Anfang Dezember aber halte sie aber generell Anbau-Verbote am Rande sensibler Gebiete für "durchaus umsetzbar".

Versuchsfeld Gentechnik

Experimentiert wird von den Saatgutmultis mit vielen Pflanzen: Der BUND wies aber nach, dass sich nur wenige Projekte mit Hitze- oder Dürreverträglichkeit beschäftigen, die die Ernährung sichern könnten. Das Gros der Kreationen stellt nach dieser Studie lediglich eine Wiederholung bekannter und lediglich verbesserter Pflanzeneigenschaften dar. Oder es geht um Stärke-Mais zur Ethanolherstellung oder um Rapsöl, das Fast-Food-Ketten benutzen. Mit Cholera-Bakterien veränderte Kartoffeln, ein Projekt der Uni Rostock, zeigen einen anderen Weg auf: Hier sollen Impfstoffe und keine Lebensmittel auf dem Acker gewonnen werden. Das Umweltinstitut München kommentiert die Versuche als "verantwortungsloses Spiel mit unseren Nahrungspflanzen".

Die BfN-Präsidentin forderte zudem die Bundesländer auf, die jüngst in Brandenburg gemachten Vorgaben zu übernehmen. Dort waren Mindestabstände von 800 Meter zu Naturschutzarealen eingeführt worden. Zuvor hatte eine Studie gezeigt, dass der Mais-Pollen mit seinem Insektizid "wesentlich weiter als bisher vermutet - mehr als einen Kilometer - verfrachtet" werde. "Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Länder dem Beispiel Brandenburgs folgen."

Jessel, die das Bundesamt seit November 2007 leitet, fordert Maisbauern auf, den in Europa zugelassenen Gen-Mais nur dort auszubringen, wo es einen besonders starken Schädlingsbefall gebe.

Der derzeit auf dem EU-Markt befindliche Gen-Mais produziert fortwährend Insektizide gegen Schädlinge wie Maiszünsler und Maiswurzelbohrer, so die Professorin. Diese ließen sich aber auch mit der Einhaltung von Fruchtfolgen und einer mechanischen Bodenbearbeitung - also ohne Spritzmittel - unter Kontrolle halten. Jessel wies zudem darauf hin, dass es für den erst vor kurzem in einige Teile Deutschlands eingewanderten Maiswurzelbohrer auf konventionellem Weg gezüchtete widerstandsfähige Sorten gebe. Jessel: "Die Gentechnik hat kein Monopol auf resistente Pflanzen."

Demgegenüber gebe es Untersuchungen über die Umweltauswirkungen von Genpflanzen, "die in der Tat bedenklich stimmen". Pollen, der von Gen-Mais-Feldern in die Nachbarschaft geweht werde, könne seltene Schmetterlinge schädigen. Die Präsidentin verweist auf US-Studien, wonach sich Köcherfliegenlarven früher sterben und ein geringeres Wachstum hätten. Jessel: "Das hauptsächliche Risiko beim Anbau von Genpflanzen liegt darin, dass wir über die tatsächlichen Auswirkungen auf die Natur noch zu wenig wissen."

Auch neue toxikologischen Studien aus Österreich und Italien, zeigten, dass "bei mit Genmais gefütterten Mäusen Fortpflanzungsfähigkeit und Immunabwehr geschädigt werden können". Derartige Versuche "unterstreichen, dass längerfristige Untersuchungen, wie Mehrgenerationen-Tests notwendig sind, um die Sicherheit von transgenen Pflanzen zu überprüfen."

Jessel hat grundsätzliche Zweifel am Nutzen der Gentechnik auf dem Acker. "Für die Verbraucher haben die bisher auf dem Markt befindlichen gentechnisch veränderten Pflanzen bislang weder die Preise gesenkt noch wurden gesündere Lebensmittel produziert." Überdies hätten "auch auch nach mehr als 15 Jahren intensiver Forschung mit Methoden der Gentechnik entwickelte stresstolerante Pflanzen sowie Pflanzen mit höheren Erträgen noch nicht bis zur Marktreife geführt".

Das sei auch "nicht verwunderlich", da Hitze- oder Trockenresistenz komplexe Eigenschaften darstellen. "Zudem gibt es schon heute interessante Alternativen." Insbesondere in Entwicklungsländern stünden traditionelle Anbaumethoden und angepasste Pflanzen zur Verfügung, die auch unter klimatisch ungünstigen Bedingungen eine Versorgung sichern können. Jessel: "Hier steckt viel Potenzial, das ausgebaut werden kann und muss." Gerne werde übersehen, dass Ertragssteigerungen in der Intensivlandwirtschaft durch einen hohen Input an Pflanzendünger, chemischen Bekämpfungsmitteln und fossilen Brennstoffen erkauft werden. Das BfN setzt sich deshalb für eine naturverträgliche Landwirtschaft, wie den ökologischen Landbau, ein. Ziel müsse es sein, insbesondere kleinbäuerliche Strukturen zu stützen.

Autor:  STEPHAN BÖRNECKE
Datum:  29 | 12 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!