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LSG Sky Chefs: Angst bei Lufthansa-Köchen

Die Zersplitterung der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs geht mit großen Schritten voran. Künftig arbeiten die Großküchen des Bordmahlzeiten-Caterers eigenständig. Gewerkschafter fürchten Tarifflucht und Insolvenzen.

        

Ein Koch der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs bereitet Bordmahlzeiten zu.
Ein Koch der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs bereitet Bordmahlzeiten zu.
Foto: ddp
Frankfurt –  

Nachdem die Lufthansa-Aufsichtsräte zugestimmt haben, gibt sich der konzerneigene Caterer, weltweit größter Anbieter von Flugmahlzeiten, eine neue Rechtsform. Bis Juli werden die zwölf deutschen Großküchen, bei denen 6000 Mitarbeiter beschäftigt sind, in unabhängige Gesellschaften umgewandelt. Für den Standort Frankfurt mit 3700 Beschäftigten ist eine zentrale Verwaltungsgesellschaft geplant.

Gewerkschaften alarmiert

Die Neuausrichtung stärke den unternehmerischen Handlungsspielraum der einzelnen Standorte und schaffe für alle Beteiligten eine bessere Perspektive, sagte der Vorstandschef der LSG Lufthansa Service Holding, Walter Gehl. Die bestehenden Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträge gelten dem Unternehmen zufolge fort.

Betriebsräte und Gewerkschaft sind alarmiert. „Zwar soll sich zum Stichtag für die Beschäftigten nichts ändern, das bekommen die Mitarbeiter mit Videobotschaften in Endlosschleife eingebläut“, sagt LSG-Betriebsratsvorsitzender Frank Hartstein. „Aber mit der Umstrukturierung schafft die Geschäftsführung ein Einfalltor für Tarifflucht, Leiharbeit und Outsourcing.“

Wo die Reise hingeht, das zeigt nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter die LSG-Gesellschaft LSG Culinary, die Condor-Flüge bestückt und ihre Angestellten nicht nach dem in der LSG geltenden Verdi-Tarif bezahlt, sondern nach dem Gastronomietarif der NGG. „Die Umstrukturierung hat vor allem eine Intention: Die LSG will raus aus den bestehenden Tarifverträgen“, sagt Gerold Schaub von Verdi. Dafür werde mit der Zerschlagung das Instrumentarium geschaffen.

Schließungen und Verkäufe befürchtet

Zudem befürchten die Gewerkschafter, dass weniger profitable Standorte geschlossen oder verkauft werden könnten. „Ausschließen können wir nichts“, sagte LSG-Sprecherin Josefine Corsten auf Anfrage. Es seien derzeit aber keine Schließungen oder Verkäufe einzelner Standorte geplant. Die Aufspaltung diene nicht der Vorbereitung von Tarifflucht. Sie sei vielmehr nötig, um den einzelnen Standorten die nötige Flexibilität zu geben. So sollten wenig ausgelastete Standorte künftig neue Geschäftsfelder wie die Belieferung von Schulen erschließen. Mittelfristig peilt LSG für alle Standorte Gewinnmargen von neun Prozent an.

Aus Sicht des Betriebsrats droht den kleineren Standorten der LSG durch die Aufspaltung die Insolvenz. „Es entstehen jetzt zum Teil Kleinstbetriebe mit 30 Mitarbeitern“, sagt Betriebsrat Hartstein. Durch die Vorgabe der finanziellen Eigenständigkeit seien diese kleinen Gesellschaften ohne großes Eigenkapital „den Schwankungen des Marktes vollkommen ausgeliefert“.

Autor:  Maurice Farrouh
Datum:  4 | 5 | 2011
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