Nun steht die genaue Belastung für die Stromverbraucher fest: Die Kosten für die Einspeisung von Öko-Energie ins Netz steigen 2011 sprunghaft an von derzeit zwei Cent pro Kilowattstunde auf 3,530 Cent plus Mehrwertsteuer, wie der Frankfurter Rundschau von den Netzbetreibern bestätigt wurde. Sie sind für die Berechnung der Öko-Strom-Kosten zuständig und geben die Zahl offiziell bekannt. Die Unternehmen, die Strom an Privatkunden vertreiben, sind zwar nicht dazu verpflichtet, die Kosten weiterzureichen. Da jedoch der Stromeinkauf für sie um diesen Betrag teurer wird, geben sie die steigende Abgabe in der Regel weiter. „Wie rechnen bereits zum Jahreswechsel mit flächendeckenden Preiserhöhungen bei Hunderten Versorgern“, sagte Energieexperte Thorsten Bohg vom Branchendienst Toptarif.de.
Werden die Öko-Strom-Kosten eins zu eins weitergegeben, muss laut Toptarif ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1800 Kilowattstunden Strom in Zukunft 74,97 Euro für Öko-Strom bezahlen statt 43,85 Euro. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahle sogar 69 Euro mehr und damit 166,60 Euro Öko-Strom-Zuschlag für 2011. Durchschnittlich steigt der Strompreis um gut sieben Prozent. Insgesamt wird für 2011 damit gerechnet, dass die Kosten für den Öko-Strom um 13 Milliarden höher liegen als der Preis für konventionelle Energie. 1,1 Milliarden davon sind aber ein einmaliger Nachholeffekt.
Da Strom aus Wind, Sonne und Biomasse derzeit in der Produktion noch teurer ist als aus Kohle oder Atomkraft, zahlen die Verbraucher die Differenz zu den Marktpreisen über die sogenannte EEG-Umlage. Sie war vor zehn Jahren im von Rot-Grün beschlossenen Erneuerbaren- Energie-Gesetz vereinbart worden. Um den Ökostrom zu fördern, gibt es zudem einen Einspeisevorrang vor anderen Energieträgern.
Die Betreiber von Öko-Strom-Anlagen erhalten für 20 Jahre eine feste Vergütung, die deutlich über dem Marktpreis von Strom aus fossilen Kraftwerken liegt. Vor allem der Boom der Photovoltaik ist für die deutliche EEG-Erhöhung verantwortlich. Die bisher gebauten Anlagen erhalten eine Vergütung, die um ein Vielfaches über dem Strompreis an der Börse liegt. Die von den Netzbetreibern beauftragten unabhängigen Gutachter erwarten, dass sich die Leistung der neu gebauten Solaranlagen von 3,8 Gigawatt im Jahr 2009 dieses Jahr auf rund neun Gigawatt steigern wird.
Beim Verband der energieintensiven Industrien (VIK) wird nun entschlossenes Gegensteuern gefordert. Geschäftsführerin Annette Loske sagte der FR: „Die Kostenbelastung ist für die deutsche Industrie nicht mehr tragbar, sie entwickelt sich zu einem deutlichen Wettbewerbsnachteil.“ Für einen mittelständischen Industriebetrieb beliefen sich die Mehrbelastungen im kommenden Jahr auf 150 000 Euro. Die VIK-Geschäftsführerin drängt auf mehr Effizienz: „Die Erneuerbaren müssen in Zukunft so kostengünstig wie möglich ausgebaut werden.“ Photovoltaikanlagen im relativ sonnenarmen Deutschland hält sie kaum für sinnvoll.
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Eine isolierte Betrachtung der Kosten indes lehnt die Öko-Strom-Branche geschlossen ab. „Es ist ein Irrglaube, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen, wenn der Ausbau der Erneuerbaren gestoppt würde“ sagte Björn Klusmann, Chef des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). „Dann müsste in konventionelle Kraftwerke investiert werden, die zudem versteckte Kosten in Milliardenhöhe produzieren würden“. Dies seien Klima, Umwelt-, Gesundheits- und Materialschäden. „Die Erneuerbaren haben allein im Jahr 2009 im Stromsektor versteckte Kosten von 5,7 Milliarden Euro vermieden. Auch haben sie in diesem Bereich Brennstoffimporte für 2,2 Milliarden Euro überflüssig gemacht.“ Dieses Geld stehe für Wertschöpfung der Industrie und des lokalen Handwerks zur Verfügung, so Klusmann. Wichtig ist der Branche, zu betonen, dass die hohen Strommengen aus erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis senken. Der BEE schätzt den Kosteneffekt auf 3,6 bis vier Milliarden Euro pro Jahr.
Auch in der Öko-Strom-Branche wächst indes die Einsicht, dass die deutlichen Preissteigerungen die Entwicklung der Erneuerbaren gefährden könnten. Klusmann sagte: „Der Solarbranche kommt jetzt eine besondere Verantwortung zu, Vorschläge zu entwickeln, wie die Kosten unter Kontrolle gebracht werden können.“ Es wird erwartet, dass diesen Herbst ein Vorschlag vorliegt.
Der ehemalige BEE-Geschäftsführer Johannes Lackmann, einer der Pioniere der Branche, wurde deutlicher: „Das EEG ist außer Kontrolle geraten. Die Photovoltaik sollte ursprünglich gefördert werden, um dann später einmal eine umweltfreundliche Technik zu akzeptablen Preisen im großen Maßstab einsetzen zu können – nicht aber neun Gigawatt pro Jahr zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch sehr teuer ist.“ Die Vergütung müsse nun noch schneller als geplant abgesenkt werden.
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