Viel Papier für die Tonne - so lautet das vernichtende Urteil des Verbrauchermagazins Finanztest. Die Experten haben die Beratung in acht Kreditinstituten verdeckt untersucht. Nur bei zehn der 16 Beratungen erhielten die Tester überhaupt das gesetzlich vorgeschriebene Protokoll. Selbst auf Nachfrage hätten zum Beispiel die Commerzbank und die BB Bank in ihren Filialen in Karlsruhe den Testern kein Protokoll ausgestellt, konstatiert Finanztest.
Die Protokolle sollen Anleger vor falscher Beratung schützen. Sie bieten ihnen die Möglichkeit, nach dem Gespräch in der Bank alles noch mal in Ruhe nachlesen zu können und im Streitfall einen Beweis vor Gericht zu haben. Die Bundesregierung hat diese gesetzliche Regelung nach den zahlreichen Finanzskandalen und besonders dem Debakel vieler Anleger mit Lehman-Zertifikaten auf den Weg gebracht. Die Berliner Koalition und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verweisen oft und gerne auf diesen Fortschritt. Doch in der Praxis bewährt sich die neue Regelung bisher offenbar nicht.
Banken müssen Kunden nach jeder Wertpapierberatung ein Protokoll aushändigen. Darin soll aufgelistet sein, welche Produkte aus welchen Gründen empfohlen wurden, welche Kenntnisse über Anlagen der Kunde hat und welche Ziele er verfolgt.
Vollständig ist ein Protokoll nur, wenn es überdies Informationen über die finanziellen Verhältnisse des Kunden und die Dauer der Beratung enthält. Zudem muss notiert sein, wer um das Gespräch gebeten hat. (wüp)
"Grau ist alle Theorie", kritisiert Stiftung Warentest in ihrem Verbrauchermagazin Finanztest. Die Regelung bringe so, wie sie bisher angewandt werde, nicht viel. Die Protokolle der Bankberater seien "völlig unbrauchbar". Besonders mangle es an Aufklärung über die Risiken empfohlener Finanzprodukte. Hier gebe es nie Konkretes, aber dafür viele Phrasen und vorgedruckte Sätze in den Formularen, dass der Kunde über Risiken informiert worden sei.
Die Banken überschütten die Kunden laut Finanztest zudem mit teils unverständlichen Broschüren und Leitfäden, auf die im Protokoll verwiesen wird. Deren Lektüre brauche Wochen, das sei nicht Sinn der Gesetzgebung gewesen, kritisieren die Verbraucherschützer.
Zudem strotzten die Protokolle oft vor schwer verständlichen und englischen Fachbegriffen, besonders im Falle der Deutschen Bank. Die Hinweise seien überdies oft standardisiert.
Finanztest rät, keine Geldanlage mehr ohne verständliches und durchgelesenes Beratungsprotokoll abzuschließen. Die Unterschrift unter das Protokoll oder für dessen Empfang, die manche Institute wie die Postbank und die Hypovereinsbank verlangten, solle man verweigern. Denn dies könne vor Gericht nachteilig sein. Phrasen im Protokoll sollte man ebenfalls ablehnen und auf konkreten Angaben bestehen. Andernfalls, so die Experten, sei es besser, sich eine andere Bank für die Geldanlage zu suchen.
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