Wäre die Finanzkrise nicht gewesen, würde es das Kaufhaus Hessen heute wohl nicht geben. Dann wäre Katja Zöller wohl noch bei einer australischen Bank in Frankfurt tätig und Kari Deppe bei einem Pharmaunternehmen in Marburg. Doch dann platzte die Hypotheken-Blase, Katja Zöller wurde arbeitslos, und die beiden Freundinnen aus gemeinsamen Studientagen in Gießen machten ihren Traum war: Sie gründeten ihr eigenes Geschäft mit Produkten aus Hessen in der Mainmetropole.
Beim Hessischen Gründerpreis erreichten sie das Finale in der Kategorie „Mutige Gründung“. Denn Kari Deppe machte sich ohne Not mit ihrer Geschäftspartnerin selbstständig. Sie war bereits seit zehn Jahren im Vertrieb des Marburger Pharmaunternehmens beschäftigt, in sicherer Stellung. „Damals dachten einige, ich sei verrückt“, sagt Kari Deppe.
Die Liste der Mitwirkenden im Initiativkreis Gründertage Hessen reicht von „A“ wie Agentur für Arbeit bis „W“ für Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
Der Initiativkreis verleiht jedes Jahr in den Kategorien „Mutige Gründung“, „Geschaffene Arbeitsplätze“ und „Innovative Geschäftsidee“ den Hessischen Gründerpreis. Die Auszeichnungen werden am 22. September beim Hessischen Mittelstandstag in Baunatal verliehen.
Als Medienpartner unterstützt die Frankfurter Rundschau diese Aktion. Wir stellen die Finalisten vor. Heute: Kaufhaus Hessen, Berger Straße 288, Frankfurt, www.kaufhaushessen.de
Dass da was gehen würde, hatten die beiden Frauen früh erkannt. Wenn Kari Deppe im Großraum Frankfurt Ärzten Impfstoffe anbot, da merkte sie bald, dass es durchaus hilfreich war, dass sie für einen hessischen Hersteller arbeitete und das auch als Verkaufsargument betonte. Einigen Medizinern war es wichtig, Arbeitsplätze vor der Haustür sichern zu helfen.
Von der Wurst bis zum Designerartikel
Ganz ähnliche Motive haben Konsumenten, wenn sie in den kleinen Laden im Frankfurter Stadtteil Bornheim einkaufen gehen: Wurst, Bier und Wein aus der Region, aber auch Seifen von der Firma Kappus in Offenbach, Hailo-Mülleimer von der Familie Loh in Haiger oder Designprodukte von Koziol in Erbach.
Noch vor einigen Jahren, ist Kari Deppe überzeugt, wäre die Rechnung nicht aufgegangen, der Laden längst wieder geschlossen. Doch immer mehr Verbraucher entwickelten ein Regionalbewusstsein, erzählt sie. Obendrein hätten viele die Uniformität der Einkaufsstraßen in den deutschen Großstädten satt. Sie wollten von Inhabern geführte, unverwechselbare Geschäfte − und einige Hersteller wollten ihre Produkte nicht Mitten im Einerlei riesiger Supermärkte präsentieren.
Für die Zukunft sind die beiden Frauen optimistisch. Ein Gründerzuschuss half über die ersten Monate hinweg. Wenn sie wie im vergangenen Jahr in der Weihnachtszeit wieder 450 Präsentkörbe packen dürfen, haben sie nach gut eineinhalb Jahren ihre Investitionen wieder raus.
Wenn es gut weiter läuft, werden sie bald eine Halbtagskraft für den Verkauf einstellen, um mehr Zeit für die Werbung zu haben, etwa für ihren Online-Shop. Schließlich gibt es viele Exil-Hessen, die auf das hessische Nationalgetränk Apfelwein nicht verzichten wollen. Eine Lieferung nach Spanien wurde bereits ausgesendet.
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