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24. Januar 2013

Apple-Quartalszahlen: Die Grenzen des Apple-Wachstums

 Von  und 
Auf Apple fällt ein Schatten. Foto: dpa

Apple hat mit seiner Strategie Erwartungen geweckt, die kein Unternehmen der Welt erfüllen könnte. Nun ist ein Drittel des Börsenwertes durch den Schornstein. Die Zeiten des endlosen Erfolgs sind vorbei.

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Ein ehernes Gesetz der Naturwissenschaften lautet: Exponentielles Wachstum kommt irgendwann zum Ende, meist sogar erstaunlich schnell und häufig überraschend. Möglicherweise ist dieser Punkt für Apple erreicht. Die jüngsten Quartalszahlen enttäuschten die Investoren derart, dass der Aktienkurs in der Spitze um deutlich über zehn Prozent einbrach. Seit dem Herbst hat Apple ein Drittel seines Marktwerts verloren. Beim wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt sind das gleich schmerzhafte 200 Milliarden Euro.

Keine neuen Wundergeräte

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen des Weihnachtsquartals gar nicht übel aus. Die iPhone-Verkäufe zum Beispiel stiegen von 37 Millionen im Vorjahr auf 47,8 Millionen Stück. Das Mini-iPad ist ein Verkaufsschlager, auf den Käufer lange warten müssen. Der Gewinn legte noch einmal minimal zu und liegt bei satten 13,1 Milliarden Dollar. Doch die Analysten hatten durch die Bank mehr erwartet, zum Beispiel 50 Millionen verkaufte iPhones.

Vorstandschef Tim Cook konnte bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwochabend auch keine Anleger-Fantasien über neue Wunderprodukte wecken. Weder wurde der lang erwartete Apple-Fernseher angekündigt, noch macht der Konzern Anstalten, auf die enorme Konkurrenz durch Android-Smartphones zu reagieren, die es in allen Größen- und Preisklassen gibt.

Die hohen Gewinnaufschläge für Apple-Geräte sind unter Druck geraten. Die Gewinnmarge fiel um satte sechs Prozentpunkte auf 38,6 Prozent. Das ist immer noch viel mehr als bei der Konkurrenz hängen bleibt, aber es zeigt sich, dass Apple nicht mehr jeden Preis verlangen kann und willig bezahlt bekommt.

Schwerer als die gar nicht so schlechten aktuellen Zahlen wiegt die Vermutung, dass nun Apples langsamer Abstieg eingesetzt hat. Die Analysten von IDC verlangen zum Beispiel einen Kurswechsel von Tim Cook. Er müsse jetzt von der Premium-Strategie abkehren und günstige Smartphones in unterschiedlichen Größen anbieten. „Sonst profitiert nur noch Samsung“, heißt es in Anspielung auf den größten Handy-Hersteller der Welt aus Südkorea.

Doch Apples Probleme sind auch Spiegel einer größeren Entwicklung: Smartphones werden zwar immer noch besser, schneller, brillanter, aber die Innovationsgeschwindigkeit lässt nach. Die Konkurrenten von Apple haben deshalb mehr Zeit aufzuholen.

Technik ausgereift

Achim Himmelreich von der Unternehmensberatung Mücke, Sturm & Company sagt: „Wir haben technologisch ein Plateau erreicht.“ Smartphones und Tablet-Rechner mit den berührungsempfindlichen Bildschirmen seien ausgereift. Große Innovationssprünge bei der Hardware seien nicht mehr zu erwarten.

Auf ganz ähnliche Art und Weise kam vor einigen Jahren die Entwicklung bei Desktop-PC und Laptops zum Stillstand. Seither geht es nur noch um Detailverbesserungen, größere Speicher oder schnellere Prozessoren. Analog dazu gehen Himmelreich und andere Experten davon aus, dass bei Smartphones und Tablets die Qualität der Displays und die Rechenleistung weiter wachsen werden. Auch die weltweite Verbreitung der Geräte dürfte weiter steigen. „Wir kommen aber von einer Phase des extrem schnellen, durch Innovationen getriebenen Wachstums zu einer Phase moderateren Wachstums“, so Himmelreich, der damit rechnet, dass Apple sich mit einem Marktanteil von etwa einem Fünftel im Geschäft mit mobilen Geräten stabilisieren wird.

Großes Potenzial für Neues sehen Marktforscher hingegen bei Software und Dienstleistungen. Anwendungen für Smartphones und Tablets werden immer komplexer und anspruchsvoller. Dazu könnte künftig zählen, dass in die Geräte Bezahlfunktionen integriert werden. Dazu passt, dass das Einkaufen einfacher werden könnte: Wer ein Produkt oder ein Bild eines Produkts mit der eingebauten Kamera fotografiert, bekommt automatisch Vorschläge, wo es online bestellt werden kann. Himmelreich geht noch einen Schritt weiter: „Reisebüros könnten überflüssig werden.“ Er denkt dabei an Apps, die für die Nutzer Urlaubsreisen zusammenstellen und zugleich unterwegs als Reiseführer und Navigator dienen.

Gibt es dann auf absehbare Zeit bei der Hardware nichts Neues mehr? Google zumindest hat schon voriges Jahr Brillen vorgestellt, die Smartphones eines Tages ersetzen könnten. Bilder und Texte werden auf die Gläser projiziert, die Bügel transportieren Sprache und Musik. Dass neue Wundergeräte nur von Apple stammen können ist im Gegensatz zu den Grenzen des Wachstums kein Naturgesetz.

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