Dhaka. In Bangladesch haben die wegen gewaltsamer Proteste von Arbeitern geschlossenen Textilfabriken am Mittwoch die Produktion wieder aufgenommen. Rund 1000 mit Wasserkanonen ausgerüstete Polizisten sicherten das Fabrikviertel Ashulia am Rande der Hauptstadt Dhaka, wie die Polizei mitteilte. Die Lage sei nach wie vor angespannt, es könne sein, dass die gewaltsamen Proteste wieder aufflammten, sagte ein Vertreter der Polizei. Am Mittwoch aber seien die Arbeiter pünktlich zu Schichtbeginn erschienen.
Nach den tagelangen und teilweise gewaltsamen Protesten von Arbeitern hatte in Bangladesch eine ganze Reihe von Textilunternehmen ihre Werke geschlossen. Die Demonstrationen hätten zu "Panik und Anarchie" geführt, sagte der Vizechef des Textil-Branchenverbandes BGMEA, Shafiul Islam Mohiuddin, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. "
In drei Tagen wurden mehr als 50 Fabriken von Demonstranten angegriffen. Das macht es für die Produzenten unmöglich, Lieferfristen einzuhalten und hat zu Millionenschäden geführt", klagte Mohiuddin. "Unser Überleben steht auf dem Spiel."
Am Dienstag waren nach Polizeiangaben tausende Arbeiter zu ihren Fabriken in Ashulia am Rande der Hauptstadt Dhaka gekommen. Als sie die Werke geschlossen vorfanden, hätten sie protestiert und Polizisten angegriffen, sagte Dhakas Polizeichef Iqbal Bahar der AFP. Die Arbeiter bewarfen die Polizei demnach mit Steinen, steckten Reifen in Brand und griffen Fahrzeuge an. "Die Polizei war gezwungen, mit Gummigeschossen und zu schießen und Tränengas einzusetzen."
Zehntausende demonstrieren für höhere Löhne
In Bangladesch demonstrieren seit Samstag zehntausende Arbeiter für höhere Löhne. Der Mindestlohn für Textilarbeiter liegt bei 1662,50 Taka im Monat, das sind umgerechnet 20 Euro. Damit ist Bangladesch weltweit eines der billigsten Länder für die Produktion von Kleidung. 2,5 Millionen Menschen arbeiten in der Textilbranche. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung auf 5000 Taka im Monat. Der Analyst Ifty Islam von der Bank Asian Tiger Capital betonte, der Mindestlohn im Bekleidungssektor sei in Bangladesch der weltweit niedrigste. "Die Lebenshaltungskosten sind um zehn bis 15 Prozent angestiegen, aber die Löhne wurden nicht angepasst."
Die Firmen müssten daher die Einkommen angeben und im Gegenzug ihre Gewinne einschränken. Zudem müssten die westlichen Bekleidungsketten, die sich zu sozialer Verantwortung bekennen, höhere Preise akzeptieren. "Auch die Verbraucher im Westen sollten bereit sein, höhere Preise zu zahlen", sagte Islam.
Die Textilbranche ist die wichtigste des Landes, die Exporte von Kleidungsstücken machen vier Fünftel aller Ausfuhren aus. Abnehmer sind auch große westliche Ketten wie H&M, Metro oder Wal-Mart. (afp)
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