Wie ist der Trend zum Job auf Zeit zu erklären?
Unternehmen haben ihre Strategie verändert, sagt die Volkswirtin Weinkopf. "Betriebe schöpfen stärker als früher die Möglichkeit aus, flexibel zu bleiben und sich nicht auf Dauer zu binden." Viele Unternehmen hätten ehrgeizige und relativ starre Renditeziele. Um diese zu erreichen, sei das Management gehalten, einen möglichst hohen Anteil der Kosten variabel halten. Und das gehe beim Personal über Leiharbeit oder Befristungen.
Dies hat für die Firmen einen praktischen Zusatz-Effekt: "Wer befristet beschäftigt ist, strengt sich besonders an" - in der Hoffnung, so einen dauerhaften Job zu ergattern, sagt Weinkopf. Den Beschäftigten biete der Zeitvertrag immerhin eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Vor ein paar Jahren hatten im öffentlichen Dienst noch überdurchschnittlich viele Menschen einen Zeitvertrag. Das hat sich geändert, sagt Johannes Giesecke vom Wissenschaftszentrum Berlin. Er hat recherchiert, dass der Anteil der Befristeten in der Privatwirtschaft inzwischen etwa so hoch ist wie beim Staat. Der Soziologe führt dies auf die Ausbreitung des Niedriglohn-Sektors zurück, wo unsichere Jobs besonders häufig seien.
Das passt zu den Daten des Statistischen Bundesamts. Danach gibt es im Dienstleistungssektor, wo die Gehälter niedriger sind als in der Industrie, besonders viele befristete Stellen. Dazu gehören die Gebäudereinigung, Leiharbeit und Wachdienste. Auch im Gesundheitswesen gibt es überdurchschnittliche viele Zeitjobs. Der Anteil der Ausländer in zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnissen ist mit 13,6 Prozent (2008) deutlich höher als der deutscher Arbeitnehmer (8,5 Prozent).
Doch sind solche unsicheren Stellen keineswegs auf unqualifizierte Jobs begrenzt: Mehr als ein Drittel der jungen Wissenschaftler hat einen befristeten Vertrag.
Dass diese Jobform nach 2004 stark zunahm, hat mit dem Aufschwung zu tun, so Giesecke: Firmen stellten vorsichtig ein, weil sie nicht wussten, wie stark es aufwärts geht. Im Krisenjahr 2009 dürfte der Anteil der befristet Beschäftigten wieder gesunken sein, weil sich Betriebe zuerst von ihnen und Leiharbeitern trennten.
Mit einer starken Liberalisierung der Befristungsregeln ist der Boom bis 2008 Forschern zufolge nicht zu erklären. So habe es im Zuge der Hartz-Reformen lediglich vereinzelt Erleichterungen gegeben, etwa bei der befristeten Einstellung von Älteren.
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