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05. November 2012

Arbeitsmarkt: Miese Aussichten auf einen Job

 Von Stefan Sauer
Bundesagentur für Arbeit in Hannover. Foto: dapd

Die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf eine Anstellung haben sich nur auf den ersten Blick verbessert

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Auf den ersten Blick scheinen die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf eine Anstellung gar nicht so schlecht: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank ihre Zahl zwischen 2009 und 2011 um sieben Prozent auf 1,051 Millionen. In diesem Oktober waren es mit 1,012 Millionen nochmals 39.000 Langzeitarbeitslose weniger.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass der Rückgang nur zum kleineren Teil auf gesunkener Langzeitarbeitslosigkeit fußt. In erster Linie ist das Minus dem Anfang 2009 in Kraft getretenen Paragrafen 53a des Sozialgesetzbuchs II geschuldet: Danach werden über 58 Jahre alte Arbeitslose nicht mehr mitgezählt, wenn ihnen ein Jahr lang kein Vermittlungsangebot unterbreitet wurde. Infolgedessen tauchen 96 000 Menschen nicht mehr in der Statistik auf. Ohne diesen Effekt wäre die Langzeitarbeitslosigkeit seit 2009 um nur um ein Prozent zurück gegangen, während die Erwerbslosigkeit insgesamt zwischen 2009 und 2011 um 13 Prozent sank.

500.000 Menschen haben kaum Job-Chancen

Die grüne Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer folgert, Langzeitarbeitslose stünden „auf dem arbeitsmarktpolitischen Abstellgleis“. Ihnen würden seltener Gründungszuschüsse gewährt als anderen Arbeitslosengruppen, auch erhielten sie weniger Ein-Euro-Jobs und Weiterbildungsangebote. Das alles ist wahr, einerseits.

Andererseits ist die Sache so simpel nicht. Erstens sank die Langzeitarbeitslosigkeit schon vor Inkrafttreten besagter 58-Jahre-Regelung deutlich – von 1,73 Millionen im Juli 2007 auf 1,13 Millionen im Januar 2009. Zweitens gab es auch einen gegenteiligen statistischen Effekt: Über 58-Jährige hatten bis Anfang 2008 nicht als arbeitslos gegolten, wenn sie sich zum frühestmöglichen Renteneintritt verpflichteten. Das hatten 2007 noch 620.000 ältere Arbeitslose in Anspruch genommen. Anschließend gerieten daher Hunderttausende in die Statistik hinein, die zuvor nicht mitgezählt hätten. Drittens liegt es in der Natur der Sache, dass von der Halbierung der Arbeitslosigkeit seit 2005, als mehr als fünf Millionen Menschen ohne Job waren, zunächst besser qualifizierte und anderweitig leichter vermittelbare Personen profitierten. Je mehr Menschen sich von der BA in den Arbeitsmarkt verabschieden konnten, desto näher kommen die Jobcenter dem „harten Kern“ ihrer Kundschaft: Rund 500.000 Personen, die aufgrund ihrer teils schwerwiegenden Vermittlungshemmnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.

Viertens werden in Deutschland Menschen als arbeitsfähig geführt, die gerade einmal drei Stunden täglich zur Aufnahme einer Tätigkeit in der Lage sind. Mit einer so geringen Mindestanforderung geraten Personen in die BA-Statistik, die selbst Weiterbildungsmaßnahmen nur sehr bedingt anzunehmen in der Lage sind. Sie erhalten gewiss nicht wegen der Boshaftigkeit der Arbeitsvermittler nur selten Zuschüsse für den Start in die Selbstständigkeit und würden in anderen Ländern gar nicht als arbeitslos erfasst.

Es ist aller Ehren wert, sich dennoch oder gerade deshalb um den harten Kern auch weiterhin zu bemühen, anstatt diese Menschen um hübscherer Statistiken willen in die Sozialhilfe abzuschieben. Zugleich sollte klar sein, dass Wunder in der Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt nicht zu erwarten sind.

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