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Arbeitsmarkt: Sanfte Landung

Nürnberger Forscher sehen auch 2009 weniger Erwerbslose. Der DGB kritisiert die Verleihbranche. Von Roland Bunzenthal

Rutschgefahr: Noch geht’s am Arbeitsmarkt aufwärts.
Rutschgefahr: Noch geht’s am Arbeitsmarkt aufwärts.
Foto: ddp

Die Forscher der Nürnberger Bundesagentur rechnen damit, dass der "Aufschwung am Arbeitsmarkt 2009 allmählich ausläuft". Für eine sanfte Landung spreche, dass in den vergangenen Jahren die Arbeitslosigkeit nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell bedingt abgenommen habe. Auch die Zahl der Berufstätigen, das so genannte Arbeitsangebot, sei weiter geschrumpft. Daher erwarten sie, "dass eine Phase konjunktureller Schwäche den Arbeitsmarkt weniger hart trifft als in den Jahren vor 2005".

Während sich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit den quantitativen Entwicklungen der Beschäftigung auseinandersetzt, geht der DGB in einer Studie über Leiharbeit auf die qualitative Seite ein. Der Boom bei den Zeitarbeitsfirmen, die ihre Beschäftigtenzahl seit 2004 verdoppelt haben, sei teuer erkauft, meint der DGB. Niedriglöhne und die Verweigerung grundlegender Arbeitnehmerrechte kennzeichneten nach wie vor große Teile der Branche.


Foto: FR-Infografik

Nach Ansicht des IAB wird bei der für 2009 erwarteten Wirtschaftswachstumsrate von einem Prozent "die Beschäftigungsdynamik merklich schwächer und beschränkt sich im Wesentlichen auf die alten Bundesländer". Während die Erwerbstätigkeit im Westen noch um 100.000 steigt, "wird sie im Osten fast stagnieren". Besonders betroffen davon seien die Hartz-IV-Empfänger, "denn sie stehen dem Arbeitsmarkt oft ferner und sind häufiger langzeitarbeitslos". Den mehr als zwei Millionen Betroffenen dieses Rechtskreises stehen 2009 erstmals weniger als eine Million Arbeitslose in Zuständigkeit der BA gegenüber.

Selbst wenn die Konjunktur doch stärker abkühlen sollte - etwa eine Wachstumsrate von einem halben Prozent - geht das IAB von einem weiteren leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit aus - wenn auch nur um 40 000. Das sei Folge des knapperen Arbeitskräfteangebots. So würden 2009 erstmals auch im Westen mehr Menschen aus- als einwandern.

Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit wird laut IAB leicht abnehmen - einerseits durch den Abbau von Überstunden, andererseits durch den steigenden Anteil von Teilzeitstellen. So werde die Zahl der Vollzeit-Jobs weiter sinken, die Teilzeitquote steigt auf 34,2 Prozent aller Arbeitnehmer.

Reform-Boom der Zeitarbeit

Durch die Änderungen im Zuge der Hartz-Reformen gelten seit 2004 neue Regeln für die Leiharbeit. Seither hat sich die Zahl der hier Beschäftigten verdoppelt. Die aktuellsten Zahlen stammen von Juni 2007, damals gab es 731 000 Leiharbeiter. Mehr als eine Million Menschen begannen im Jahresverlauf einen solchen Job.

Die Beschäftigten dieser Branche fühlten sich vielfach "wie Arbeitnehmer zweiter Klasse", stellt der DGB fest. Die Löhne lägen im Durchschnitt um 29 Prozent unter denen der fest Angestellten. Vor allem einzelne Haustarifverträge, die die Christlichen Gewerkschaften abgeschlossen hätten, "sehen zum Teil Dumping- oder in Einzelfällen sogar sittenwidrige Löhne vor (Beispiel in Düsseldorf: 4,81 Euro die Stunde). Zudem würden Leiharbeiter häufig um ihre Rechte betrogen: Viele würden falsch eingruppiert, ihre Kündigungsfristen nicht eingehalten und in Verleihfirma-Zeiten zwischen zwei Einsätzen werde der Lohn und ihnen zustehender Urlaub verweigert.

Doch es gäbe auch Lichtblicke, meint der DGB, so erhielten inzwischen Leiharbeiter in jedem vierten Einsatzbetrieb gleichen Lohn wie die übrigen Beschäftigten.

Autor:  ROLAND BUNZENTHAL
Datum:  12 | 9 | 2008
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