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Arbeitsmarkt: Was die 35-Stunden-Woche gebracht hat

1984 hat die IG Metall den Einstieg in die 35-Stunden-Woche durchgesetzt. Studien über Deutschland und Frankreich zeigen nun langfristige positive Effekte. Forscher sehen aber auch Schattenseiten. Von Eva Roth

Lang, lang ist´s her: 1984 hat die IG Metall den Einstieg in die 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie durchgesetzt, in den folgenden elf Jahren wurde die tarifliche Arbeitszeit nach und nach von 40 auf 35 Stunden verkürzt. Andere Branchen, etwa die Druckindustrie, folgten. Was hat diese Arbeitszeitverkürzung im großen Stil gebracht?

Rudolf Zwiener hat dies schon vor Jahren als Volkswirt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) intensiv erforscht. Seine Bilanz: Durch die Arbeitszeitverkürzungen zwischen 1985 und 1992 dürften etwa eine Million Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten worden sein.

Dabei ist es keineswegs so, dass eine um zwölf Prozent gekappte Arbeitszeit einfach zwölf Prozent mehr Jobs bedeuten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat vielmehr vor Jahren folgende Faustformel entwickelt: Der tatsächliche Beschäftigungseffekt ist nur halb so groß wie der rechnerisch mögliche. Denn kürzere Arbeitszeiten beschleunigen den Produktivitätsfortschritt, sie sorgen dafür, dass Betriebe ihre Abläufe effektiver gestalten und Beschäftigte in einer Stunde mehr herstellen.

Genau darum sieht Zwiener auch eine negative Wirkung: Mehr Output wird nicht nur durch bessere Maschinen erreicht, sondern auch durch eine höhere Arbeitsdichte für Beschäftigte.

Christoph Schröder vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft zog in einem Gutachten den Schluss, dass "Arbeitszeitverkürzung keinen spürbaren Beitrag zur Bekämpfung Arbeitslosigkeit leisten kann". Doch Zwiener bleibt dabei: Die meisten Studien kämen zu positiven Beschäftigungseffekten, sagt der Forscher, der heute beim Institut für Makroökonomie und und Konjunkturforschung arbeitet.

In Frankreich begann der Einstieg in die 35-Stunden-Woche 1998. Damals konnten Firmen freiwillig die Arbeitszeit um vier Wochenstunden kappen. Als Anreiz wurde ihnen ein Teil der Sozialbeiträge erlassen. Der Effekt war bemerkenswert, meint Steffen Lehndorff vom Institut für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen. Er verweist auf eine Studie, die Betriebe miteinander verglichen hat. Danach ist die Beschäftigung in Firmen, die die 35-Stunden-Woche eingeführt haben, um neun Prozent gestiegen. In Betrieben, die bei der 39-Stunden-Woche blieben, hat sich dagegen fast nichts getan.

Und was ist heute zu tun? Zwiener plädiert dafür, über Modelle wie die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen nachzudenken. Das Beispiel VW zeige, dass kürzere Arbeitszeiten dem Unternehmen nicht geschadet hätten.

Lehndorff schlägt vor, dass Ältere kürzer treten können, damit Jüngere eine Chance haben. Und er fordert die 30-Stunden-Woche für Schichtarbeiter. Solche stark belasteten Beschäftigten bräuchten Entlastung.

Autor:  Eva Roth
Datum:  24 | 10 | 2009
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