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29. April 2010

Arbeitsmarkt: Wo das "deutsche Job-Wunder" herkommt

Die Baubranche bekommt die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt zu spüren.  Foto: dpa

Die Arbeitslosenquote sinkt im April deutlich. Die einen sprechen von einer "Sensation", andere warnen vor zu viel Optimismus. Die FR erklärt, worauf sich das "deutsche Job-Wunder" gründet. Von Roland Bunzenthal

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Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat für April einen starken Rückgang der Arbeitslosenzahl verkündet. Die BA verzeichnete 3,406 Millionen Arbeitslose und damit 162.000 weniger als im März. Die Arbeitslosenquote ging von 8,5 auf 8,1 Prozent zurück. Damit wurden 178.000 Erwerbslose weniger gezählt als ein Jahr zuvor. Die Reaktionen auf diese Zahlen unterscheiden sich jedoch deutlich: Die einen sprechen von einer "Sensation", andere warnen vor verfrühtem Optimismus. Die FR erklärt, auf welche einzelenen Faktoren sich das "deutsche Job-Wunder" gründet:

Wirtschaftswachstum: Laut Bundesbank ist im ersten Quartal ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsproduktes zu erwarten. Im zweiten Quartal 2010 werde es hingegen wohl wieder aufwärtsgehen (Siehe Meldung vom Maschinenbau).

Auswirkungen der Konjunktur auf den Arbeitsmarkt: Laut BA "moderat", zuletzt nahm saisonbereinigt die Beschäftigung wieder zu. Auch die Unterbeschäftigung hat abgenommen.

Wirkungen der Arbeitsmarktpolitik: Im April befanden sich 1,56 Millionen Frauen und Männer in geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, rund sechs Prozent weniger als vor einem Jahr. Nicht mitgerechnet ist das Kurzarbeitergeld.

Personalpolitik der Arbeitgeber: Die Einstellungsbereitschaft wächst. Im April wurden von privaten Arbeitgebern 153000 offene Stellen neu gemeldet, das sind 27 Prozent mehr als im April 2009. Damit hat die BA zur Zeit in ihrer Datei 517000 freie Arbeitsplätze stehen und hat von noch einmal so vielen angebotenen Jobs konkrete Informationen. Umggekehrt nehmen die Külndigungen ebenfalls ab. Sie schlagen sich in der Zahl der Zugänge aus Erwerbstätigkeit nieder: Binnen Jahresfrist 19 Prozent weniger.

Arbeitszeitverkürzung und Umwandlung von Jobs: Relativ kräftig schrumpfte die individuelle Arbeitszeit durch die Kurzarbeit. Diese geht kontiniuierlich zurück. Nach 96000 Anträgen auf Kurzarbeitergeld im Februar sind es im April wohl nur noch gut 40000. Andere Formen der Verkürzung sind die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeit-Jobs. So ging die Zahl der Vollzeit-Jobs in den letztene zwölf Monaten um 300000 zurück, die der Teilzeit-Stellen legte um 200000 zu.

Statistische Effekte: Durch die Reform der Arbeitsmarktinstrumente fallen viele Erwerbslose ausa der Statistik. So wurden Arbeitslose, für die ein Dritter (private Jobvermittler) mit der Vermittlung beauftragt ist, früher in der Statistik mit aufgeführt, nunmehr fallen sie raus (etwa 200000 Leute). Die Kategorie "Unterbeschäftigung" gibt denn auch den wirklichen Trend wider: Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Größe von rund 4,6 Millionen Betroffenen weitgehend konstant geblieben. Wie sehr die angewandte Statistik-Methode die Zahlen beeinflusst , zeigt der Vergleich mit den aktuellen Werten nach ILO/Eurostat-Methode (direkte Befragung), die rund 400000 Erwerbslose weniger verzeichnet.

Strukturwandel: Deutlliche Beschäftigungsverluste gab es zuletzt in der Industrie (minus 255000 oder 3,9 Prozent), im Handel und im Verkehr. Aufgestockt haben vor allem Dienstleister ihre Belegschaft. Dazu gehören auch die Zeitarbeitsfirmen, die nach der Talfahrt in in i hrer Branche nunmehr offenbar die Wende geschafft haben.

Arbeitskräfteangebot: Das Angebot an Berufstätigen ist unter anderem wegen der begrenzten Zuwanderung leicht gesunken.

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