Das Management der Opel-Mutter General Motors (GM) erhöht den Druck auf die Belegschaft. Das Wall Street Journal berichtete am Mittwoch, der GM-Vorstand lasse einen Plan für ein verschärftes Sparprogramm erarbeiten. Dabei werde auch geprüft, die Werke in Bochum und Ellesmere Port zu schließen.
Der Gesamtbetriebsrat antwortete prompt mit einem Fünfzeiler: Es gebe „keinerlei Hinweise darauf, dass General Motors oder das Management der Adam Opel AG planen, die bestehenden Verträge zu verletzen. Diese schließen Werkschließungen und Betriebsbedingte Kündigungen für alle europäischen Standorte bis Ende 2014 aus“. Ende der Pressemitteilung. Später meldete sich Opel-Chef Stracke: In einem Brief an die Mitarbeiter versicherte er, „dass es bis jetzt keinerlei Entscheidungen im Opel/Vauxhall- Management, bei GM oder im Opel-Aufsichtsrat gibt, wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden sollen.“ Weil der Automarkt in Europa angesichts der Schuldenkrise aber allgemein zurückgehe, „müssen wir zweifellos gewisse Probleme lösen“.
Die Vorgeschichte: Management und Betriebsrat einigten sich 2010 auf den „Opel-Zukunftsplan“, der bis 2014 läuft. Damals wurde auch festgeschrieben, dass die Erhöhung der Tarifentgelte verschoben wird. Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie gibt es seit April vorigen Jahres 2,7 Prozent mehr Geld. Opelaner mussten darauf erstmal verzichten. Doch jetzt im Februar sollte die Tariferhöhung endlich nachgeholt werden.
Produktion für Chevrolet
Schon Mitte Januar kam aus Detroit ein Vorstoß, das Entgelt-Plus noch einmal auszusetzen, und zwar mindestens bis Jahresende. Als Gegenleistung wurde angeboten, Produktion von Südkorea nach Deutschland zu verlagern.
Es ging dabei offensichtlich um den Chevrolet Cruze, der die technische Basis für Opels Erfolgsmodell Astra lieferte. Denn GM will die Marke Chevrolet in Europa stärker machen. Die Verlagerung könnte dazu dienen, die Auslastung der Werke in Bochum und Ellesmere Port zu erhöhen – an beiden Produktionsstätten wird der Astra gebaut. In Unternehmenskreisen wird vermutet, dass die Schließung gerade dieser beiden Werke jetzt als Drohkulisse aufgebaut wird, um einen Lohnverzicht der Opelaner durchzusetzen. Denn dagegen hatte sich der Gesamtbetriebsrat bislang entschieden gewehrt, was er mit der gestrigen Pressemitteilung noch einmal unterstrich. Und ein Arbeitnehmervertreter sagte dann doch noch etwas, um diese Position zu bestärken: Rainer Einenkel, Betriebsratschef des Bochumer Werks. Die Gerüchte über eine Schließung würden immer wieder in die Welt gesetzt. „Das brauchen wir nicht. Wir brauchen Ruhe, um gute Autos zu bauen.“
Die bislang harte Haltung von Betriebsräten und Gewerkschaftern hat auch viel mit der Tarifpolitik der IG Metall zu tun. Diese hatte am Dienstag ihre Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld für die anstehenden Tarifverhandlungen publik gemacht. Die Chance, einen kräftigen Aufschlag für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie durchzusetzen, würde aber massiv schwinden, wenn es noch nicht einmal gelingt, bei so einem wichtigen Arbeitgeber wie Opel die alte Tariferhöhung durchzusetzen. Branchenkenner gehen gleichwohl davon aus, dass es für den Opel-Gesamtbetriebsrat schwer wird, die Vereinbarungen des Zukunftsplans zu halten. Der wurde nämlich unter der Annahme geschlossen, dass Opel 2012 wieder in die schwarzen Zahlen kommt. Doch von diesem Plan haben sich die Manager längst verabschiedet.
Riesengewinn für GM
GM will nächste Woche die Geschäftszahlen für 2011 vorlegen. Analysten vermuten, dass der weltgrößte Autobauer einen Konzerngewinn von etwa acht Milliarden Dollar vorlegt. Doch der Verlust der Tochter Opel dürfte heftig ausfallen. Für die ersten neun Monate 2011 wurde ein Minus in Höhe von 580 Millionen Dollar (knapp 440 Millionen Euro) gemeldet. Analysten erwarten, dass der Fehlbetrag im vierten Quartal gestiegen ist. Denn Opel und die britische Tochter Vauxhall leiden unter der Euro-Krise und der schwachen Konjunktur.
Konkurrenten wie VW konnten Einbußen im Europageschäft durch die gestiegene Nachfrage in China und in Brasilien mehr als ausgleichen. Opel aber darf auf Anweisung der GM-Bosse in Brasilien nicht aktiv werden. Ein Ausbau des bislang extrem bescheidenen China-Geschäfts wird geduldet, doch kostet das zunächst nur Geld und Mühe. Opels Zukunft hängt also von Europa ab. Hier ist erstens die Konkurrenz hart und zweitens erwarten Marktforscher, dass der Absatz 2012 um mindestens fünf Prozent schrumpft.
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