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Arcandor: Karstadt macht Gewinn trotz Pleite

Arcandor ist pleite - trotzdem schreibt seine Kaufhaus-Tochter Karstadt schwarze Zahlen. Unterdessen müssen Verkäuferinnen im Unterschied zu Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick auf Gehalt verzichten. Von Jutta Maier

Wer einen Karstadt-Gutschein besitzt, sollten diesen laut Verbraucherschützern besser bald einlösen.
Wer einen Karstadt-Gutschein besitzt, sollten diesen laut Verbraucherschützern besser bald einlösen.
Foto: dpa

Arcandor ist pleite - trotzdem schreibt seine Kaufhaus-Tochter Karstadt schwarze Zahlen. In der ersten Hälfte des bis März laufenden Geschäftsjahres erwirtschaftete die Sparte einen operativen Gewinn von sieben Millionen Euro, berichtet die Financial Times Deutschland. Im gesamten vorherigen Geschäftsjahr hatte Karstadt einen Verlust von 272 Millionen Euro eingefahren.

Die Zeitung beruft sich auf ein Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers, das die Bundesregierung für den gescheiterten Bürgschaftsantrag von Arcandor anfertigen ließ. "Bezogen auf die Umsatzzahlen zeigt sich bei Karstadt ein klar positiver Trend", heißt es darin. Allerdings habe das Unternehmen nach Jahren der Restrukturierung keine Kapitalrücklagen mehr. Schlechter sieht es laut Gutachten bei der Versandhandelssparte Primondo mit Quelle aus: Allein im ersten Geschäftsjahr musste die Sparte 57 Millionen Euro Verlust wegstecken.

Schaden für Wirtschaft

Durch die Arcandor-Insolvenz kommen hohe Belastungen auf die Wirtschaft zu. Denn die Unternehmen müssen über eine Umlage für das Insolvenzgeld, sowie über den Pensionssicherungsverein (PSV) für die betriebliche Altersversorgung der Arcandor-Angestellten aufkommen. Arcandor ist Mitglied im PSV. Dessen Chef Martin Hoppenrath rechnet mit einem "Milliardenschaden".

Nach Experteneinschätzung könnte sich der PSV-Beitrag der Unternehmen durch die Arcandor-Insolvenz nun verzehnfachen - auch wegen der vielen bisherigen Pleiten im Jahr 2009. Vergangenes Jahr lag der Beitrag bei 0,1 Prozent der Lohnsumme.

Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt hatte kritisiert, eine Insolvenz Arcandors zum jetzigen Zeitpunkt sei absurd, weil "die Geschäfte in den vergangenen Monaten gut gelaufen sind". Er verwies auf den Beitrag der Angestellten, die dem Konzern im ersten Zukunftspakt von 2004 bereits 500 Millionen Euro Lohn geschenkt hätten. Auch in der seit Oktober 2008 laufenden, zweiten Vereinbarung habe eine durchschnittliche Verkäuferin auf etwa 100 Euro Gehalt im Monat verzichtet.

Bei Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick kann dagegen von Verzicht keine Rede sein. Laut Bild-Zeitung hat er einen Fünf-Jahres-Vertrag mit einem jährlichen Grundgehalt von zwei Millionen Euro sowie einer Variablen von einer Million Euro. Dazu kommt eine Erfolgsprämie von 1,5 Prozent, die von der Aktienentwicklung abhängig ist und direkt vom Hauptaktionär Sal. Oppenheim beglichen wird. Der Clou: Eick erhält das Geld komplett, selbst wenn er früher aus dem Unternehmen scheidet. Auch im Insolvenzverfahren kann sich Eick aufs volle Gehalt verlassen - die Garantie übernimmt Sal. Oppenheim. Mit Blick auf seinen früheren Vier-Jahres-Vertrag bei der Telekom sei klar gewesen, "dass der Vertrag bei Arcandor dieselbe Sicherheit haben muss", sagte Eick zu Bild.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Essen ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff eingeleitet. Er soll sich bereits vor seinem Einstieg bei Arcandor an Immobiliengeschäften beteiligt haben, bei denen fünf Gebäude zu überteuerten Mieten an Karstadt verpachtet wurden. Zugleich sind laut der Behörde weitere Anzeigen gegen Eick wegen Insolvenzverschleppung eingegangen. In dieser Sache will die Staatsanwaltschaft abwarten, bis sich der vorläufige Insolvenzverwalter einen Überblick verschafft hat. mit dpa

Autor:  JUTTA MAIER
Datum:  13 | 6 | 2009
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