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Arcandor: Pleite ohne Ende

Die Arcandor-Insolvenz zieht Kreise: Das Unternehmen meldet Insolvenz für 15 weitere Tochtergesellschaften an. Damit steigt die Zahl der von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiter auf rund 50.000. Von Annika Joeres

Es sieht düster aus für Arcandor: Der Konzern stellt für weitere 15 Töchter Insolvenzanträge
Es sieht düster aus für Arcandor: Der Konzern stellt für weitere 15 Töchter Insolvenzanträge
Foto: dpa

Essen. Die Arcandor-Insolvenz zieht Kreise: Das Essener Handels- und Touristikunternehmen hat am Mittwoch für weitere 15 Tochter-Gesellschaften Insolvenzanträge wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Damit erhöht sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten um 6700 auf knapp 50.000. "Betroffen sind Gesellschaften, die Dienstleistungen nahezu ausschließlich für die bereits insolventen Kernunternehmen erbringen", hieß es. Insolvenzanträge wurden beim Essener Amtsgericht für die Corporate Service Group GmbH (Koordination weltweiter Einkauf), die Primondo Operations GmbH mit ihren angeschlossenen neun Gesellschaften der Logistik und der Call Center, die Primondo Management Service GmbH, die Foto Quelle GmbH, die Profectis GmbH (technischer Kundendienst) sowie die Europapier (Belgien)gestellt.

Sal. Oppenheim verkauft Anteile

Mitten im Konkursstrudel verändert sich zudem die Eigentümerstruktur: Die Luxemburger Privatbank Sal. Oppenheim teilte ebenfalls am Mittwoch mit, ihren direkten Anteil von 3,7 Prozent an Arcandor verkauft zu haben. Die Gesellschafter des Familieninstituts halten über Beteiligungen immer noch knapp 25 Prozent an dem pleite gegangenen Touristik- und Handelskonzern. Ob es diese behalte, hänge von der Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters ab, heißt es im Umfeld der Bank.

Die Entscheidung werde in etwa drei Monaten fallen, wenn der Sanierungsplan vorliege. Sal. Oppenheim ist neben Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz der größte Aktionär von Arcandor. Schickedanz hat betont, nicht aus dem Unternehmen aussteigen zu wollen. Wenn das Unternehmen überlebt, müssten die Eigentümer frisches Kapital nachschießen.

Die Mitarbeiter sehen den möglichen Eigentümerwechsel gelassen. "Unser Insolvenzverwalter ist es, der nun maßgeblich die Geschicke leitet", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Helmut Patzelt der FR. Auf den Verwalter und die Unterstützung der Bundesregierung komme es nun an, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Das Bundesarbeitsministerium könne etwa Qualifizierungen der Mitarbeiter organisieren. Patzelt ist optimistisch, dass sich für die Aktien von Oppenheim sowie für die Warenhäuser gut zahlende Investoren finden werden. "Wir liegen nicht am Boden, sondern haben eine klasse Entwicklung hinter uns", findet Patzelt.

Offenbar führt Arcandor derzeit Gespräche mit mehreren Investoren. Die Verhandlungen mit dem öffentlich werbenden Metro-Konzern liegen allerdings seit zehn Tagen auf Eis. Das Düsseldorfer Unternehmen möchte 60 von rund 90 Karstadt-Warenhäusern übernehmen. "Wir sind nach wie vor gesprächsbereit", so Metro-Sprecher Rüdiger Stahlschmidt.

Oppenheim hatte sich erst im vergangenen September an Arcandor beteiligt und Aktien zu einem Kurs von 2,12 Euro erworben. In dieser Woche sind die Anteile nur noch ein Drittel wert. Die Aktionäre werden über ihr Geschäft zunächst im Dunkeln gelassen: Arcandor hat die für heute anberaumte Offenlegung der Halbjahreszahlen erneut abgesagt.

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  18 | 6 | 2009
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