Fürth. Ohne 50 Millionen Euro Staatsbürgschaft kommt der Geschäftsbetrieb der Acandor-Tochter Quelle nächste Woche zum Erliegen. Das habe der für den Versandhändler seitens der vorläufigen Insolvenzverwaltung zuständige Jörg Nerlich bei einer Betriebsversammlung klar gemacht, sagte Quelle-Betriebsratschef Ernst Sindel.
Es werde unter Hochdruck verhandelt. "Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn wir die Überbrückung nicht bekommen", sagte Sindel. Bis Ende der Woche müsse die Finanzierung stehen. Gefragt seien der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen, wo Quelle hierzulande die meisten Menschen beschäftigt. Prekär sei die Lage des Traditionskonzerns wegen seines Geschäftsmodells, erklärt Sindel. Während Karstadt-Kaufhäuser beim Verkauf von Ware sofort Geld in die Kasse bekommen, laufe das Geschäft bei Quelle vielfach über Raten und Kredite. Dagegen seien die Bestelleingänge ungebrochen, so Sindel. Auch die Lieferanten hätten den Warenstrom nicht unterbrochen. Die Motivation der Belegschaft sei noch hoch, das Personal zweifle nicht an der grundsätzlichen Funktionsfähigkeit des Quelle-Geschäftsmodells.
Nach Einschätzung eines Arcandor-Aufsichtsrats hat der Versandhändler Primondo mit seiner Hauptmarke hier eine bessere Perspektive als Karstadt. Der lange verschlafene Online-Handel liefere heute die Hälfte aller Geschäfte. Quelle sei im E-Commerce hinter Ebay und Amazon in Deutschland die Nummer Drei. Sie brauche im Umbau aber noch ein bis zwei Jahre, um eigenständig am Markt zu bestehen.
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