Argentinien hat überraschend die vorzeitige Begleichung seiner Schulden bei den Gläubigern des Pariser Clubs angekündigt. Mit der Rückzahlung von rund 6,7 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten will die zweitgrößte südamerikanische Volkswirtschaft ihre Kreditwürdigkeit erhöhen - und sich Zugang zu günstigen internationalen Finanzierungen verschaffen.
Der Pariser Club ist ein Zusammenschluss der jeweiligen staatlichen Gläubiger eines Landes. Er führt die Umschuldungsverhandlungen. Wie Argentiniens Staatspräsidentin Cristina Kirchner ankündigte, sollen die Mittel für die Rückzahlung aus den Währungsreserven der Zentralbank entnommen werden, die sich auf rund 47 Milliarden Dollar belaufen. "Die Rückzahlung zeigt, dass Argentinien gewillt ist, seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen", betonte Kirchner. Die Devisenreserven entstanden größtenteils in den vergangenen drei Jahren, in denen Rekordpreise am Weltmarkt unter anderem für das Hauptexportprodukt Soja erzielt wurden. Mittlerweile sinken jedoch diese Preise wieder.
Von den 19 Gläubigerstaaten Argentiniens ist nach Aussagen des Bundesfinanzministeriums Deutschland mit Forderungen in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar der größte Gläubiger (1,5 Milliarden Euro). Die Gesamtsumme der Pariser-Club-Forderungen beziffert ein Sprecher auf 7,9 Milliarden. In einer ersten Reaktion begrüßte der Präsident des Pariser Clubs, Xavier Musca, die Ankündigung und sagte, Details würden bei einem Treffen Mitte des Monats geklärt. Dabei geht es auch um die Rückstände an fälligen Tilgungen und Zinsen.
In der Wirtschaftskrise von 2001/2002 hatte sich Argentinien für zahlungsunfähig erklärt und die Bedienung der Auslandsschulden ausgesetzt, was eine weitere Kreditaufnahme verhindert hat. Seither versucht das Land aber, seine Position bei den Gläubigern zu verbessern. 2005 bot die Regierung in Buenos Aires den privaten Gläubigern eine Umschuldung der 95 Milliarden Dollar Forderungen an und drängte die Geldgeber dabei zu einem Verlust der Hälfte des Kapitals.
Da nur drei von vier Gläubigern das Angebot annahmen, stehen heute daraus neben den Schulden beim Pariser Club noch private Forderungen von etwa 20 Milliarden Dollar offen. 2006 hatte Argentinien ebenfalls mit Reserven der Zentralbank bereits 9,5 Milliarden an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt.
Ein Übereinkommen mit dem Pariser Club ist angesichts des deutlich abflauenden Wirtschaftswachstums wichtig für Argentinien, denn es würde das Vertrauen der Investoren in das Land erhöhen, in dem Wirtschafts- und Finanzkrisen sowie Rückzahlungsprobleme von Krediten chronisch sind. Dieses Jahr wird die argentinische Wirtschaft nach Voraussagen der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika Cepal zwar nochmals um rund sieben Prozent wachsen können. Aber im kommenden Jahr erwarten die Experten, dass das Bruttoinlandsprodukt nur noch um geschätzte 3,2 Prozent steigen wird. In den vergangenen fünf Jahren war Argentiniens Wirtschaft vor allem dank des Rohstoffbooms um jeweils 8,5 Prozent gewachsen. Mit einer Inflationsrate von 20 Prozent kämpft die argentinische Wirtschaft jedoch mit der höchsten Teuerung in ganz Südamerika.
Das Abkommen mit dem Pariser Club könnte Argentinien auch wieder attraktiver für ausländische Direktinvestitionen machen. Zahlen der Cepal belegen, wie wenig Argentinien an den Investitionen partizipiert hat, die vergangenes Jahr nach Lateinamerika geflossen sind.
Demnach erhielt Argentinien gerade einmal 5,4 Prozent der 106 Milliarden Dollar. Auf die beiden größten Volkswirtschaften der Region, Brasilien und Mexiko, entfielen 33 und 22 Prozent des ausländischen Geldes.
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